2016-09-19

"AUF AUGENHÖHE" – EINE BESONDERE VATER-SOHN-GESCHICHTE

Copyright: Auf Augenhöhe 
Seit Donnerstag läuft in einigen deutschen Kinos der neue Film "Auf Augenhöhe". Eine Vater-Sohn-Geschichte der besonderen Art, die berührend, fröhlich und nachdenklich ist. Ich durfte mir den Film vor Erscheinen anschauen und verrate euch, ob sich der Kinobesuch lohnt.

Worum geht's? 
Michi lebt im Heim und hat dort mit seinen Mitbewohnern, den Regeln, den Erzieher*innen und sich selbst zu kämpfen. Eines Tages findet er in einem ungeöffneten Brief seiner Mutter die Adresse seines Vaters heraus. Seine Mutter ist vor einigen Jahren gestorben, der Vater war bis jetzt unbekannt und so landete Michi im Heim. Michis großer Traum scheint in Erfüllung zu gehen: Endlich aus dem Heim raus und bei seinem richtigen Vater leben. Er malt sich aus, wie cool und gutaussehend und erfolgreich sein Vater wohl sein mag und macht sich am nächsten Tag auf eigene Faust auf den Weg zu der angegebenen Adresse. 
Da sein Vater nicht zuhause ist, schiebt Michi einen Brief durch den Türschlitz. Wenige Minuten später stellt er fest, dass der Mann, der in der Wohnung lebt, nicht seinen Träumen entspricht. Im Gegenteil, Michis Vater ist kleinwüchsig. Das macht das Kennenlernen der Beiden nicht unbedingt leicht - für beide Seiten.

Der Film macht Spaß und gehört zu den besten Filmen, die ich bis jetzt zu diesen Thema gesehen habe. Die Hauptrollen sind mit Luis Vorbach und Jordan Prentice perfekt besetzt. Es ist eine Freude, den Beiden beim Spielen zuzusehen. Und der Film zeigt, dass es durchaus möglich ist, die Rolle eines Menschen mit Kleinwuchs mit einem passenden Schauspieler zu besetzen (im Gegensatz zu dieser Produktion).
Als ein bisschen schade habe ich empfunden, dass für das Zusammenspiel der Protagonisten alle andere Logik und erzählerischen Kniffe ein bisschen in den Hintergrund geraten. Natürlich wohnt Michis Vater auch nach über zehn Jahren immer noch in der gleichen Wohnung und vor allem in der gleichen Stadt, in der auch Michis Heim steht. Natürlich kommt der Polizist, der die beiden anhält, als Michi mal fahren darf (und dann sitzt plötzlich wieder Michis Vater am Steuer) wie der übelste Trottel daher. Natürlich hat Michis Vater allerlei zeitliche und finanzielle Ressourcen, um Michi erstmal aufzunehmen und ihm ein komplett neues Zimmer einzurichten und natürlich gibt es da (zumindest anfangs) keinerlei behördlichen Schnickschnack.
Aber gut - das Ganze ist ein Kinderfilm und von daher will ich nicht zu viel meckern. Denn tatsächlich steht hier das Kennenlernen und Verhältnis der Beiden im Vordergrund. Die Unsicherheiten des Vaters, der sich nicht vorstellen kann, dass sein Sohn ihn so akzeptiert wie er ist. Die Wut Michis, für den das alles auf einmal viel zu viel ist und der sich einfach nur ein "normales" Zuhause wünscht. Und genau dieses Verhältnis zeigt das Regieduo Evi Goldbrunner und Joachim Dollhopf sehr gekonnt und einfühlsam. Ich mochte besonders Ella Frey, die Michis neue Freundin Katja spielt und mit Longboard und großer Klappe daher kommt. Eine starke Mädchenrolle in einem sonst fast ausschließlich männlich besetzten Film.

Wenn deutsche Film- und Fernsehproduktionen es jetzt noch schaffen würden, dieses Thema nicht nur in Kinderfilmen gekonnt umzusetzen und kleinwüchsige Darsteller*innen ganz "normal" in Filmen zu besetzen, dann wäre einer meiner großen Wünsche schon in Erfüllung gegangen. "Auf Augenhöhe" ebnet in jedem Fall den Weg dorthin und ist mein Kinotipp für Kinder und Jugendliche (und deren Eltern und Lehrer*innen) im Dezember).


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