2015-10-10

NACIONALNI PARK KRKA – ODER: WARUM ICH MENSCHEN HASSE.

Ich erwähnte ja bereits im ersten Teil des Reiseberichts, dass wir auf unserem Weg durch Kroatien auch Halt in Krka gemacht haben. Ich hatte bereits ein bisschen Angst davor, weil mir Unheilvolles von einer Freundin erzählt wurde. Es sei dort eher viel los, sagte sie. Weil, da wurde ja Winnetou gedreht, also in Teilen. Gut, in Hannover wird auch manchmal gedreht, aber da pilgern die Leute dann auch nicht hin. Dachte ich. Ich hatte ja keine Ahnung.
Bei Krka handelt es sich um einen Nationalpark in Kroatien. Quasi DEN Nationalpark in Kroatien. Schon auf dem Parkplatz müsste einem eigentlich klar werden, dass man sofort wieder umkehren sollte. Spaßbadausmaße, sengende Hitze und ein kleines Büdchen, an dem völlig erschöpft Menschen herumstehen, fast liegen und in großer Not gekühlte Getränke in sich schütten. Aber: Nix zu sehen von dem tollen Nationalpark.
Also stapfen der Mann und ich los. Als gute Kartoffel stelle ich mich bei der ersten Gelegenheit an einem Holzhäuschen an, ohne zu wissen, was dort vor sich geht. Der Mann geht weiter und wird fast von einem Security in Kostümuniform verprügelt, weil er kein Ticket hat. Also stellt er sich auch an und wir zahlen lässige 15 Euro pro Person, um uns Natur angucken zu dürfen. Das ist ja eh so ein Ding, was mich regelmäßig aufregt. Leute, die irgendwohin kommen und entscheiden, dass das jetzt hier aber mal so schön ist, dass alle nach ihnen es nur noch sehen dürfen, wenn sie Geld dafür bekommen. Mit welchem Recht?

Ich bin ja sehr naiv. Ich denke, wenn hier der Parkplatz ist, dann kann dieser Wasserfall ja nicht weit sein und Wasserfälle mag ich wirklich gerne. Da nehme ich dann auch mal ein paar Unannehmlichkeiten in Kauf. Aber: weit gefehlt! Natürlich müssen wir noch drei Kilometer den ganzen Berg herunter wandern, bevor auch nur irgendwas anderes als staubige Trampelpfade zu sehen bekommen. Ich freue mich indes über meine kleine Wasserflasche, die ich in einem Anfall von Intelligenz doch noch eingepackt habe. Doch plötzlich bildet sich ein grausamer Gedanke in meinem Kopf: "Wenn wir diese drei Kilometer herunter laufen müssen, müssen wir die dann etwa auch wieder hoch laufen?" Ich hab schlagartig keine Lust mehr weiterzugehen. Nur der Mann und die Aussicht auf ein paar schöne Fotos können mich überreden, wieder einen Fuß vor den anderen zu setzen. Und dann sind wir da.

Und ich muss zugeben: Es ist wirklich schön dort. So richtig schön. Leider sieht man aber nix von all der Schönheit, weil hunderttausende Menschen auch da sind und überall herumstehen, gehen und ihre Ärsche in mein Gesicht schieben. Es ist natürlich bescheuert, sich über Touristen zu beschweren, wenn man selbst eine ist. In diesem Falle ist man ja nur ein Rädchen im Getriebe, nicht viel besser als all die anderen Vollidioten mit ihren Canon 600D, die niemals gelernt haben, dass Fotografie mehr ausmacht als ein hundert Kilo schweres Gerät herumzuschleppen. Ich beschwere mich trotzdem.

Man geht dann einen schmalen, sehr langen Holzpfad entlang und kann sich den Park anschauen. Überall hängen Schilder, dass das hier Naturschutzgebiet sei und man bitte nicht vom Pfad weggehen soll. Und was machen die Leute? Genau. Gehen vom Pfad weg und stapfen mit ihren kaum eingelaufenen Wanderschuhen durch das Moos, um an einem kleinen Bach ein Selfie zu machen. "Guck mal, hier, in Kroatien gab es auch Wasser!" Sie setzen sich mitten in die Natur, essen, trinken und trampeln alles nieder. Krka ist wegen seiner Artenvielfalt eines der wertvollsten Biotope Europas (sagt Wikipedia). In zehn Jahren dann nicht mehr. Dann gehört zur Artenvielfalt mehr Schokopapier und PET-Flaschen als man sich wünschen würde. Dem Mann als Biolehrer ist natürlich in einer Tour die Hutschnur hochgegangen, was nicht gerade zu unserer Stimmung beigetragen hat. Vor mir sind ständig Menschen stehen geblieben oder trugen diese schrecklichen karierten, kurzen Männerhosen, was mich auch zunehmend aggressiv gemacht hat.

Man sieht das nicht auf den Bildern. Weil ich keine Lust hatte, diese schreckliche Situation auch noch festzuhalten. Eines sage ich euch aber: Wenn es schon so weit ist, dass ich einfach nur weg möchte und selbst die schönsten Motive vorbeiziehen lasse, weil ich keinen Bock hab mit hundert fremden Menschen zu kuscheln, während des Versuchs ein Bild zu machen, dann heißt das was.

Fahrt da nicht hin.

P.S.: Wir sind die drei Kilometer nicht wieder nach oben gelaufen. Dort fahren Busse. Und auch, wenn mir das Herz dabei wehgetan hat, auch noch einen Bus für die Fahrt durch die Natur zu nutzen. Ich konnte nicht mehr. In den Bus kommt man übrigens nur, wenn man sich richtig gut prügeln kann. Da warten nämlich mehrere Menschen an der Haltestelle. Ich bin reingekommen.



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