2015-05-13

MACHT MEHR MISSY DRAUS!

Seit fast sieben Jahren landet alle drei Monate eine neue "Missy" in meinem Briefkasten. Auch, wenn ich nicht immer mit allen Artikeln und Meinungen einverstanden bin – für mich ist die "Missy" eine der wichtigsten Zeitschriften auf dem aktuellen Markt. Kaffee, Sofadecke und Missy lesen – was Besseres gibt's kaum (vielleicht tauche ich den Kaffee noch gegen ein Moscow Mule). Feministisch, abwechslungsreich und trotzdem schön poppig, das mag ich wirklich sehr gerne. 

In Zukunft will das Missy-Team noch viel mehr starten und macht deshalb aktuell eine Crowdfunding-Kampagne (bei der ihr übrigens richtig gute Gimmicks abstauben könnt). Was die Ladies mit dem Geld vorhaben und warum sie überhaupt diese Kampagne machen, verrät mir Chefredakteurin Katrin Gottschalk im Interview.



Liebes Missy-Team, ich bin Abonnentin der ersten Stunde und freue mich seitdem auf jede neue Ausgabe. Jetzt gibt’s euch schon seit fast sieben Jahren? Wenn ihr auf die letzten Jahre zurückblickt: Was war besonders toll, was besonders schwierig?

Ich selbst bin ja erst seit 2011 in der Redaktion dabei. Die ersten drei Jahre habe ich also verpasst. Meine Kolleginnen, die Heftgründerinnen Stefanie Lohaus, Chris Köver und Sonja Eismann, schwärmen immer von dem Moment, als sie den Hobnox Evolution Preis über 25.000 Euro bekommen haben und damit die erste Missy-Ausgabe finanzieren konnten. Irgendwann gab es dann schon die ersten Verschleißerscheinungen. Das hat Steffi mal schön auf einer Missy-Veranstaltung gesagt: Sie hatten am Anfang kein Geld und wir haben immer noch keines. Irgendwann ist das frustrierend. 2012 haben wir deswegen die Abokampagne „Miss No Missy“ gestartet und sind dafür zehn Tage lang durch Deutschland gereist. Das war großartig! Und es hat auch viel gebracht, unsere Aboverkäufe sind extrem gestiegen in dieser Zeit. Etwa zur gleichen Zeit haben wir unsere Webseite auch neu gestaltet und angefangen, immer mal wieder extra für die Seite geschriebene Texte dort zu veröffentlichen. Gerade, wenn wir uns dort in aktuelle Debatten eingebracht haben, war die Resonanz sehr groß, weil wir über Facebook und Twitter sehr viele Menschen erreichen können. Wir haben online also immer mehr gemacht, weil Themen, mit denen wir uns beschäftigen, in den letzten Jahren immer präsenter geworden sind. Aber jetzt fehlt wiederum dafür das Geld. Das soll sich ändern – mit einer fulminanten Online-Offensive.

Ihr macht jetzt eine Crowdfunding-Kampagne, um Missy noch größer zu machen: Warum sollten meine Leser_innen euch unterstützen und was habt ihr mit dem Geld vor?

Wir wollen mit dem Geld zwei neue Stellen für Online anfinanzieren – eine für die Redaktion und eine für Marketing. So haben wir genug Ressourcen, um für unsere neue Website ein nachhaltiges Finanzierungskonzept entwickeln und sie mit prallen Inhalten zu füllen. Wir brauchen also ein Startkapital, wie die Heftgründerinnen damals auch. Online präsenter zu sein, ist einfach wahnsinnig wichtig. Den Text hier lesen ja zum Beispiel auch nur Leute, die im Netz unterwegs sind. Und wäre es nicht super, wenn Missy mit dem, was wir seit 2008 machen auch mehr im Netz unterwegs wäre? Eine Online-Plattform, die Pop und Politik mit feministischer Haltung so miteinander verbindet, wie wir es mit dem gedruckten Heft tun, gibt es im deutschsprachigen Raum noch nicht. Wir könnten viel mehr Künstler_innen vorstellen, von viel mehr Veranstaltungen erzählen, viel vielfältigere Stimmen integrieren, viel breitere Debatten führen. Wir wollen Missy auch als Digitalausgabe anbieten oder das Design unserer Website so anpassen, dass die Texte auch zum Beispiel auf dem Smartphone gut zu lesen sind – damit wir da sein können, wo unsere Leser_innen sind.

Wenn ihr zukünftig zwei Hefte mehr im Jahr herausgeben wollt: Wo wollt ihr mit Missy noch hin? Bleibt der Inhalt so, wie er gerade ist oder plant ihr neue Rubriken, Texte, Geschichten?

Wir wollen online aktueller reagieren können und dort werden wir natürlich auch mehr Geschichten bringen. Aber manches funktioniert meiner Meinung nach gedruckt immer noch sehr gut. Bei mir ist es so: Ich sitze jeden Tag am Laptop. Schnelle Nachrichten lese ich dort. Videos schaue ich dort. Wenn ich aber am Wochenende frei habe und mal in Ruhe eine Reportage lesen möchte, dann nehme ich mir eine gedruckte Zeitung oder eben ein gedrucktes Magazin. Ich denke, so geht es einigen. Und wenn Missy zweimal häufiger im Jahr erscheint, geht das zweimal mehr – mit noch mehr Themen. Das Heft strukturieren wir immer wieder um. Erst letztes Jahr hatten wir einen Relaunch des Erscheinungsbildes. Von daher würde sich mit der neuen Erscheinungsweise auf jeden Fall auch einiges ändern.

Wenn ihr genug Geld zusammenbekommt, wollt ihr auch eine Veranstaltungsreihe etablieren? Was kann ich mir unter den Veranstaltungen vorstellen? Und finden die dann nur in Berlin statt oder auch mal in anderen Städten?

Das machen wir, wenn wir 90.000 Euro zusammen bekommen. Das könnten Filmscreenings sein, öffentliche Diskussionsrunden, Konzerte und Partys – und zwar vor allem außerhalb Berlins. Hier passiert ja schon wahnsinnig viel. Allerdings: Wenn in den nächsten zwei Wochen nicht noch ein Wunder geschieht, glaube ich ehrlich gesagt nicht, dass wir das Geld dafür zusammen bekommen. Was aber auch ok ist. Wir haben unsere Funding-Ziele von Anfang an transparent gemacht und wenn die Leute vor allem mehr Missy online wollen und dafür das Geld zusammen kommt, dann ist das ein klares Zeichen. Und das ist dann schon großartig genug.

Ich wünsche euch viel Erfolg bei der Kampagne und hoffe auf noch viel mehr Missy in Zukunft!

Mehr Missy – mehr Online, mehr Heft, mehr Veranstaltungen from Missy Magazine on Vimeo.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen