2015-01-03

REGISSEURIN & AUTORIN SVENJA GRÄFEN IM INTERVIEW

Regisseurin, Autorin und
Allround-Talent Svenja Gräfen
Svenja Gräfen ist 1990 geboren und denkt sich seit 1994 Geschichten aus. Sie ist Poetry Slammerin, Autorin und Filmemacherin. Sie wohnt in Stuttgart, ist die meiste Zeit im ICE unterwegs und studiert eigentlich Kultur- und Medienbildung. Ich kenne Svenja schon seit einigen Jahren und freue mich immer wieder darüber, mit so einer talentierten Frau befreundet zu sein. Jetzt hat Svenja ihren ersten Kurzfilm gedreht und veröffentlicht. Ich habe mit ihr über den Dreh, die Idee hinterm Film und Frauen in der Filmbranche gesprochen.

Ahoi Svenja, du hast 2014 deinen ersten Kurzfilm gedreht – erzähl doch mal was über die Idee, die hinter „Donnerstag“ steckt.

Ahoi! Die Idee ist ziemlich simpel: ich hatte Lust, diese Kurzfilm-Sache und mich als Regisseurin einfach mal auszuprobieren, komplett frei von Uni oder Abgabetermin von der Idee zum fertigen Film. Ich habe 2014 gemeinsam mit einer Freundin auch mein allererstes Drehbuch überhaupt geschrieben – allerdings für einen Langfilm. Davon haben wir so genaue Vorstellungen, dass wir das Projekt nicht aus der Hand geben wollen – ich würde also auch hier gern Regie führen. Da macht sich ein Kurzfilm als eine Art „Visitenkarte“ natürlich nicht schlecht. Außerdem wollte ich endlich mal mit Schauspielern zusammen arbeiten. Durch zwei Poetry Clips und ein paar Uni-Projekte hatte ich vorher schon erste Filmluft geschnuppert. Aber ein ganz eigener Film ist natürlich nochmal was anderes.

Wie hoch ist der Produktionsaufwand bei so einem kurzen Film? Was habt ihr wann gemacht?

Auf jeden Fall höher, als ich anfangs dachte. Vor allem, da ich mich ja nicht nur um Buch und Regie gekümmert habe, sondern auch die Schauspieler gecastet, das Team zusammengestellt, die Locations, Equipment und Sponsoring geklärt, die Set-Aufnahmeleitung übernommen, also ungefähr fünf Jobs gleichzeitig erledigt habe.
Das Buch habe ich Ende Juli geschrieben, dann zwischen Urlaub und Slam-Auftritten das Team zusammengestellt und alles vorbereitet – gedreht wurde an zwei Tagen im Oktober, im November haben wir vier Tage geschnitten, Anfang Dezember folgten noch mal vier Tage Color Grading und Tonmischung. Also gar nicht so viel Zeit, wenn man alles direkt aneinander hängt. Es kommt mir aber trotzdem vor, als hätte ich die komplette zweite Jahreshälfte mit dem Film verbracht.
Letztendlich hatte ich auf jeden Fall ein Wahnsinnsglück, gerade in Anbetracht der Tatsache, dass es ja eine No-Budget-Produktion war. Die Technik konnten wir ausleihen, alle haben ungefähr für ne Stulle zum Frühstück und ein Bierchen am Abend gearbeitet und waren super engagiert bei der Sache. Zum Großteil bestand das Team aus Freunden, das macht es natürlich auch nochmal angenehmer. Mein Mitbewohner hat sich ums Catering gekümmert, mein Freund das Kamera-Equipment durch die Gegend gefahren, ein Kumpel hat den Ton geangelt. Gutes Arbeitsklima also, hauptsächlich. Das liebe ich auch so am Film: Jeder Job ist gleich wichtig, es kann eigentlich gar keine Hierarchie geben. Sobald irgendwas wegfällt, funktioniert nichts mehr, und wenn es nur die Schokoriegel oder der Kaffee ist. 

Du studierst Film und bist Poetry Slammerin und Autorin – weißt du bei einer Idee sofort, wofür du sie am besten verwenden könntest, Bild, Lyrik, Prosa?

Eigentlich schon! Bei Lyrik und Prosa entsteht viel erst während des Schreibens, es geht mehr um Stimmung als um Handlung. Beim Drehbuchschreiben gehe ich viel strukturierter ran, mache mir vorher Gedanken über Personenkonstellation und Background und natürlich auch darüber, mit welchen Bildern was erzählt werden kann und wie leicht oder schwer es umzusetzen ist. Da denkt man automatisch viel ökonomischer. Verrückterweise entstand aber ausgerechnet „Donnerstag“ aus dem Anfang einer Kurzgeschichte. Die Geschichte und vor allem die Stimmung haben sich aber im Lauf der Produktion komplett verändert. Logisch, denn beim Schreiben kann ich ja einfach alles so festlegen, wie ich mag, während ich beim Film noch mit einer Realität zurecht kommen und arbeiten muss. Das macht es aber auch sehr spannend. 

Regisseurin Isabell Suba hat dieses Jahr mit „Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste“ darauf aufmerksam gemacht, dass die Filmbranche für Frauen immer noch sehr hart ist. Obwohl genauso viele Frauen wie Männer einen Abschluss machen, bekommen nur wenige Frauen später Fördergelder und prestigeprächtige Preise. Der Regie-Oscar und die Goldene Palme sind bis jetzt jeweils nur einmal an eine Frau gegangen. Wie ist dein Eindruck? Und willst du später auch als Regisseurin arbeiten?

Isabell Suba sagte auch, dass zu den Filmfestspielen in Cannes die Frauen nur eingeladen würden, „um hübsch auszusehen und ein bisschen zu moderieren“. Früher war das – angepasst an die patriarchalisch geprägte Gesellschaft –  vermutlich die Hauptaufgabe von Frauen beim Film. Sie wurden schön hergerichtet, vor die Kamera gepackt und machten dann das, was Regisseur und Produzent forderten. Da muss man sich nur mal das Frauenbild anschauen, das der klassische Hollywood-Film noch immer vermittelt und das nicht nur in männlichen Köpfen verankert ist. Es passt einfach nicht rein, dass es auch gute Regisseurinnen und Produzentinnen gibt, die entscheiden, bestimmen und gewissermaßen eine Macht haben, die jahrelang nur Männern zustand. Und dass es ihnen um mehr geht, als in kurzen Kleidchen auf irgendwelchen roten Teppichen zu spazieren. Das ist ja auch noch so eine Sache – egal, was man tut, man sollte doch bitte in die Schönheitsnorm passen, um ernst genommen zu werden und nicht für Skandale zu sorgen, siehe Lena Dunham.
Es ist also auf jeden Fall hart, würde ich sagen, auch wenn ich noch nicht so tief drin stecke. Es ist auf jeden Fall eine viel zu sexistisch geprägte Branche, in der Frauen nicht viel mehr zugetraut wird als hübsch auszusehen. Und wenn sie dann doch als Regie den Ton angeben oder riesige Teams koordinieren, dann kommen mit Sicherheit viel zu viele Männer nicht damit klar, egal ob sie Produzent, Kameramann oder Aufnahmeleiter sind.  
Ich kann mir trotzdem gut vorstellen, als Regisseurin zu arbeiten. Für mich ist das eine alternative Art, um Geschichten zu erzählen. Das mag ich. 

Arbeitest du schon an neuen Projekten? Was kommt als nächstes?

Gerade bin ich damit beschäftigt, meinen Roman zu überarbeiten. Dann hoffe ich natürlich, dass meine Co-Autorin und ich uns bald an die Vorproduktion für den Langfilm machen können. Ich hab aber auch schon wieder ein paar Kurzfilmideen, nicht ganz so aufwendig, nicht ganz so viel Technik, muss nicht unbedingt 4K sein. Mal schauen, was so passiert.
--
Und hier kommt der Film von Svenja Gräfen:

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen