2014-11-20

MITCH MILLER: 90 TAGE FREIHEIT [REISETAGEBUCH]

Mitch Miller ist ein Slam- und Autorenkollege von mir aus Osnabrück. Aber das ist nicht alles: Was der Mann vor allem macht, ist Reisen und zwar durch die ganze Welt. Gefühlt war er schon überall: Chile, Alaska, Namibia, Skandinavien... Zuletzt ist er zu Fuß in die Türkei gelaufen, gemeinsam mit seinem sehr süßen Hund Bella. Darüber hat er ein Buch geschrieben, das jetzt erscheint und am 26. November Premiere in Osnabrück feiert. Eine Leseprobe findet ihr hier. Das Buch gibt's direkt beim Verlag oder beim Buchhandel eures Vertrauens.

Zu diesem Anlass habe ich ihn mir mal geschnappt und ihm ein paar Fragen gestellt.

Hej Mitch, in wenigen Tagen erscheint dein Buch „90 Tage Freiheit“ – erzähl mir doch kurz, worum es darin geht und weshalb du es geschrieben hast.

Hallo Ninia, erstmal danke, das ich hier ein paar Takte über mein Buch erzählen darf. Du musst wissen, ich wandere für mein Leben gern. Nun denken jetzt einige an dieses langweilige, in Jack-Wolfskin-Jacken gehüllt durch die Gegend laufen. Ne, das ist nicht so mein Ding. Ich stelle mich gerne großen Herausforderungen. So auch 2013. Da bin ich mit meinem Husky Bella von Osnabrück ins türkische Canakkale gelaufen. 90 Tage hat die Reise gedauert und genau von diesem Abenteuer handelt mein Buch. Tag für Tag, Kapitel für Kapitel nehme ich die Leser_innen mit auf diese Reise. Und darum ging es mir auch beim Schreiben des Buches: Ich wollte den Leser_innen einen komplett echten Eindruck von so einem Abenteuer vermitteln. Ich beschreibe die unendliche Einsamkeit aber auch die Erfahrungen des puren Glückes. Solche Reisen haben oft zwei Seiten- und beide versuche ich den Leser_innen näher zu bringen.  Es gibt viele Menschen, die das, was ich mache, aus Zeitgründen nicht hinbekommen. Für diese Menschen schreibe ich das Erlebte dann auf, früher viel in Kolumnen und nun auch endlich in Form eines Buches.

Du bist also zu Fuß in die Türkei gelaufen – 3.000 Kilometer! Ich kriege ja schon schlechte Laune, wenn ich mal länger als drei Kilometer laufen muss. Wie hast du dich immer wieder motiviert, weiter zu laufen?


Das ist wohl die Frage aller Fragen. Es gibt ein Kapitel in meinem Buch, in dem ich mir genau diese Frage stelle. Die magische Formal ist: Immer kleine Aufgaben setzten, nicht das endgültige Ziel in den Vordergrund stellen. In den Alpen zum Beispiel. Da habe ich mir immer bestimme Berggipfel als Punkt gesetzt, die ich in ein oder zwei Tagen erreichen wollte. Das Ziel darf nicht zu fern sein, es muss in kleinen Etappen erreichbar sein. So behält man gute Laune und hat jeden Tag sein kleines Erfolgserlebnis. Denn genau das ist die Kunst: Die Laune immer auf einem Level zu halten, das man Freude empfindet. Tagelanger Regen, aufgeplatzte Zehen und eiternde Wunden können das ganz schnell ganz schwierig machen. Aber wenn man dran glaubt und jeden Tag kleine „Aufgaben“ erfüllt - dann fällt es einem leichter, dem tagelangen Regen mit einem Grinsen zu antworten.


Angenommen, ich komme jetzt auch auf die Idee, einfach loszugehen. Welche drei Sachen würdest du mir auf jeden Fall in den Rucksack packen?

1. Buch ( man hat Zeit ohne Ende)
2. GPS Gerät/ Kompass
3. Blasenpflaster und Wundcreme

Du hast mir erzählt, dass du viele spannende Menschen kennengelernt hast – welches war die für dich beeindruckteste Begegnung?

Ich habe mitten in der Pampa von Oberbayern eine Frau getroffen, die mir auf einem Rollator entgegen kam. Das war so abgefahren, denn wenn ich von Pampa rede, dann meine ich Pampa. Ich bin zu diesem Zeitpunkt schon bestimmt acht Kilometer durch Felder und Wiesen gelaufen und dann stand plötzlich diese alte, zerbrechlich wirkende Frau mit ihrer Gehhilfe am Wegrand. Sie sprach mich mit unerwartet fester Stimme an und sofort war mir klar: Mitch, das ist mal ein Charakter. Das ist so ein Mensch, vom dem kannst du lernen, indem du einfach zuhörst. Und ich hörte ihr zu.  Als sie mir, beiläufig, erzähle, sie wäre irgendwas mit 100 Jahre alt, da schoss sie den Vogel komplett ab. Ich lauschte der Frau gespannt wie ein kleiner Junge, der bei seinem Opa auf dem Schoß sitzt und mit großen Augen dessen Geschichten lauscht. Denn mit jedem Wort, das sie sprach, wuchs meine Ehrfurcht. Es war für mich ein berührendes Erlebnis, eine großartige Erfahrung. Solche Menschen kennen zu lernen - deswegen reise ich kreuz und quer über unseren wundervollen Planeten.

Und jetzt? Willst du bald wieder loslaufen oder bleibst du erstmal ein bisschen in Osnabrück?


Ich wohne mittlerweile in Hamburg, zusammen mit meiner Freundin und unseren beiden Hunden. Das nächste halbe Jahr bin ich, sagen wir, ein wenig sesshafter. Wobei das auch nicht ganz stimmt, da ich ab Januar bis Mai auf Tour bin mit meinem Buch und einer Dia Show der Reise. Ende Mai werde ich dann wieder meine Wanderstiefel schnüren und von Hamburg zum Nordkap in Norwegen laufen. Wenn das durch ist, fliege ich Endes des Jahres noch mal nach Mexiko/ Kuba. In Mexiko möchte ich für ein paar Wochen im Dschungel leben und diesen ohne wirkliches Ziel durchwandern. Einfach, um die Stille und die Schönheit der Wildnis zu genießen. Und auf Kuba werde ich dann zusammen mit meiner Freundin einfach mal die Seele baumeln lassen - denn auch wenn ich oft an die exotischen Orte der Welt reise; Ruhe und Entspannung habe ich nur sehr selten!

Hier könnt ihr euch noch ein Interview mit Mitch im NDR anschauen.

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