2014-10-07

SERIOUSLY: STOP THAT SHIT.

Es gibt Tage, an denen bin ich eh schon angefressen, aus Gründen. Vielleicht, weil meine Strumpfhose ein Loch hat, weil im Lieblingskaffeeladen die Sojamilch alle ist oder einfach, weil ich Bock drauf habe, schlechte Laune zu bekommen. Und dann passieren Dinge. Und alles wird noch schlimmer. Eben gerade ist mir folgender Tweet in die Timeline gerutscht:


Ich möchte den ausdrucken und an alle Geschäfte in Hannover und überhaupt Deutschland verteilen. Eigentlich wollte ich ja nicht so sein, als ich aus Kanada zurückkam, aber jetzt muss ich es leider doch tun: "Woanders ist eh alles besser, mimimi!" Und zumindest in Sachen Service stimmt das auch. Es gibt so selten einen Laden, in den ich gerne gehe, mich gerne beraten lasse und in dem ich gerne Geld ausgebe, dass ich die, auf die das zutrifft, an einer Hand abzählen kann. Beispiel: Der Buchladen "Litera" in Hannover. Dort ist alles toll. Die Menschen, die dort arbeiten, die Auswahl, die Atmosphäre, alles. (Geht da bitte hin.)

In vielen anderen Läden fühle ich mich immer so als würde ich stören: "Entschuldigung, ich wollte eigentlich was kaufen, aber, na gut, wenn's jetzt gerade stört, sorry." In der Bankfiliale muss ich von Glück sprechen, wenn die Berater_innen kurz Zeit für mich haben. In der Drogerie erhalte ich ein pflaumiges "Da hinten rechts!", wenn ich frage, wo die Slipeinlagen stehen. Das nervt mich. Menschen müssen ja nicht ehrfürchtig und super höflich antworten, aber mit ein bisschen Nettigkeit. Ist das zu viel verlangt?

Warum ich gerade heute so angefressen bin? Eben bekam ich zum dritten Mal in diesen sechs Monaten einen Anruf von meinem Mobilfunkanbieter, in dem mir eine Frau ein Angebot machte: Sie hätte tolle Neuigkeiten. Ich könnte jetzt eine Augen- und Zahnvorsorge bei ihrem Partnerunternehmen abschließen. Ernsthaft?


Mein Telefonanbieter möchte, dass ich für Augen und Zähne vorsorge? Demnächst meldet sich mein Stromversorger und fragt, ob ich die Antibabypille im Abo bekommen will. Als ich ihr erklärt, dass ich daran kein Interesse hätte, frug sie ernsthaft: "Wie haben Sie denn bis jetzt vorgesorgt, um sich in diesen Fällen vor hohen Kosten zu schützen?"


Ich hab mich sehr zusammen gerissen und ihr erklärt, dass sie das vielleicht gar nichts angeht und ich jetzt auflege. Inzwischen habe ich das Häkchen aus dem Online-Profil genommen, das erlaubt, dass die mich noch anrufen. Aber man weiß ja nie. Der Mann erhielt vor einiger Zeit einen Anruf, in dem eine Frau fragte, ob es noch aktuell sei, dass sie ihn nicht anrufen dürfen. Und ja, das sagt eigentlich alles.

Ich fahre jetzt erstmal wieder runter.

Kommentare:

  1. An diesem Buchladen gehe ich regelmäßig vorbei, aber ich glaube nicht, dass ich dort jemals etwas gekauft habe. Er kommt mir immer eine Nummer zu edel vor. Wenn ich in der List Bücher kaufe, dann meistens bei Konertz (am Lister Platz, fünf Minuten von Litera entfernt). Dort sind die Leute auch sehr nett (außerdem kennen sie mich mittlerweile.) Sonst kaufe ich Bücher bei Lehmann, was leider demnächst zu macht, oder in der Buchhandlung Hartmann in der Sallstraße. Dort kennen sie mich auch mittlerweile, weil ich Bücher meistens bestelle, statt mich im Laden umzusehen. Ich weiß auch sonst bei den meisten Dingen, wo ich sie gerne kaufe: Zeitschriften gerne am Kiosk vom Lister Platz, wo der Inhaber meistens mit mir noch eine der Überschriften diskutiert und wo er mir "Spektrum der Wissenschaft" zurücklegt. In "meinem" Computerladen sagt mir der Inhaber "das mit Linux wirst du wohl hinkriegen!" bevor er mir einen USB-Stick verkauft... Eigentlich bin ich ziemlich zufrieden mit den Einkaufsmöglichkeiten in Hannover (und von Drogerien erwarte ich nicht allzuviel, ich weiß, dass sie unterbesetzt sind und dass die VerkäuferInnen unterbezahlt sind). Nur über Copyshops habe ich mich schon wiederholt geärgert, vor allem, wenn sie nur mit einer Person besetzt sind, die irgendjemandem bei einem schwierigen Projekt hilft, während ich vor der Arbeit in fünf Minuten schnell mal was kopieren wollte und dann zehn Minuten warten muss, bis ich bezahlen darf. Ich bin wirklich keine begeisterte Hannoveranerin - wenn ich in Hannover das Sagen hätte, würde ich erst einmal einen Schwerlasttransport bestellen, der diverse Denkmale wegräumt. Aber beim Einkaufen bin ich zufrieden.

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  2. Ich überlege grad wie höflich wir hier in Kassel behandelt werden. Wenn ich in Supermärkten oder Drogerien eine Frage habe werde ich recht neutral zu meinem Wunsch geführt. (Wo gibts hier nochmal Rote Beete Saft?) In einem Müller wurde mir sogar einmal Wasser angeboten weil ich Kreislaufprobleme hatte und mich hinsetzte. Aber richtig guter Service kommt mir eher selten unter. Vielleicht in unserem Rollenspiel/Brettspielladen den ich deswegen auch immer gerne besuche? Aber der deutsche Optimierungswahn sollte nicht vor Freundichkeit halt machen. Regional sehe ich da schon herbe Unterschiede, aber Läden die einfach unfreundlich und kacke sind unterstütze ich einfach nicht mehr. Fuck that shit ich kaufs dann bei Amazon!

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  3. Ich freue mich ja immer über die meiner Beobachtung nach zunehmend weniger werdende deutsche Muffligkeit im Einzelhandel, wenn sich mich mal trifft. Auch wenn ich den psychohygenischen Nebennutzen, im Sinne ungefähr von "Fake it 'til you make it", aufgesetzter Freundlichkeit im gewerblichen Umfeld nicht unterschlagen will => true ist das wahre nice.

    lieben Gruss
    symptomtracker

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  4. Sonst keine Probleme?

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  5. Dein Artikel ist sehr gut! Es gibt Tage.. das stimmt. Und der Telefonspam ist dann das Sahnehäubchen. Wenigstens bin ich nicht alleine auf der Welt. Und lernen tue ich auch gerne und stets: den Buchladen kannte ich nicht nicht. Wird sich ändern ! Bis demnächst !

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