2014-06-06

WARUM MIR GESTERN AUF DEM SOFA DER DAMPF AUS DEN OHREN SCHOSS

Gestern habe ich zufällig bei "Kontraste" auf der ARD reingeschaltet. Zwei Beiträge haben mich so sehr aufgeregt, dass ich mir erstmal Luft auf Twitter machen musste.



Worum ging's? Im ersten Beitrag berichtete die Redaktion über das vermeintliche Wundermittel MMS. Das habe ich erst vor wenigen Wochen kennengelernt, als in Hannover der "Spirit Health Kongress" angekündigt wurde und einige Menschen aus meiner Timeline sich zu einer Demo vorm Kongresscenter verabredeten. MMS ist Chlorbleiche, wird aber von Jim Humble, dem Guru dieser Szene, als Heilmittel gegen prinzipiell alles empfohlen (auch gegen Autismus und Krebs!). Genau wie die "schwarze Salbe", die angeblich sogar Tumore heilen soll. Was diese Salbe und MMS tatsächlich anrichten, dass sie lebensgefährlich sind und wie weit manche Anhänger von Humble gehen, seht ihr im Kontraste-Beitrag – vorweg: Ihr braucht auf jeden Fall sehr starke Nerven [TW: Kindesmisshandlung]. Auf Frosch's Blog und bei Julitschka könnt ihr Berichte zur Demo anlässlich des Spirit Health Kongresses lesen. Ein Video über die Demo gibt's bei SPON. Warum zwar die "Medikamente" in Deutschland verboten sind, Veranstaltungen drumherum aber stattfinden dürfen, will nicht in meinen Kopf. Wie Menschen so sehr mit der Hoffnung von anderen Menschen spielen können, will nicht in meinen Kopf. Und dass Menschen  so verzweifelt sind, dass sie sich selbst oder gar ihre Kinder so sehr quälen, will nicht in meinen Kopf.

[TW: Sexuelle Gewalt] Der nächste Beitrag befasste sich mit dem Paragraphen 177 des Strafgesetzbuches. Kurz: Vor oder während der Tat "Nein" zu sagen, reicht nicht, um den Täter im Nachhinein der Vergewaltigung schuldig zu sprechen. Schon lange wird von vielen Seiten eine Reform des Paragraphen gefordert – und obwohl der Europarat 2011 beschlossen hat, „nicht einverständliche sexuell bestimmte Handlungen“ seien unter Strafe zu stellen, sieht der deutsche Gesetzgeber, bzw. Justizminister Heiko Mass (SPD), keine Notwendigkeit den Paragraphen 177 anzupassen. Kontraste hat Beispielfälle recherchiert und mit einigen Sachverständigen gesprochen. Als Anwalt Jan Bockemühl in die Kamera sprechen durfte, wäre ich fast in den Fernseher gesprungen. Der Herr meint nämlich, ein "Nein" definiere noch keine Vergewaltigung. Weil "Vergewaltigung" dann ja schon ein sehr, sehr weiter Begriff wäre!!!111!1 Ach?!



Eine ekelhafte, patriarchalische und diskriminierende Gesetzgebung, die wir da haben. Einen guten Text zu einem der Fälle, die auch bei Kontraste thematisiert werden, hat Helga bereits vor zwei Jahren bei der Mädchenmannschaft geschrieben.

Die ganze Sendung könnt ihr in der Mediathek anschauen.

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