2014-06-23

KINOTIPP: MÄNNER ZEIGEN FILME, FRAUEN IHRE BRÜSTE

Plakat: missingfilms.de
Auf deutschen Filmhochschulen machen in etwa genauso viele Frauen wie Männer einen Abschluss. Dieses Geschlechterverhältnis bleibt auch bei den Debütfilmen, die in Deutschland entstehen, noch erhalten. Doch am Ende bekommen fast ausschließlich Männer die wichtigen Filmpreise. Diesem Thema widmet sich auch Hannah Pilarczyk in der aktuellen Ausgabe des Missy Magazines. Ein neuer Film, der diesen Umstand thematisieren will, kommt von Regisseurin Isabel Šuba: Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste. Ich durfte ihn mir im Vorfeld anschauen.

Die Handlung: Isabel Šuba hat es geschafft. Auf dem Filmfestival in Cannes läuft einer ihrer Kurzfilme. Mit ihrem Geschäftspartner David erhofft sie sich außerdem Geldgeber für ein neues Filmprojekt zu finden. Doch schon die Anreise gestaltet sich schwierig. David kommt zwei Tage früher in Cannes an und vermietet das Sofa im schon sehr kleinen Hotelzimmer an eine weitere Deutsche unter. Mit Isabel kommuniziert er nur über die Handy-Mailbox, weil keine_r von beiden jemals ans Telefon geht. Als Isabel in Cannes ankommt, ist sie aufgeregt, genervt und überfordert. Schon das erste Interview mit einer deutschen Zeitschrift geht schief, weil beide verschlafen. Gegenseitig schieben sie sich die Schuld in die Schuhe. Isabel scheinen alle Strohhalme, über die sie ihren Film promoten könnte, zu entgleiten. Dann vergisst David, die Eintrittskarten für ein deutsches Event, pünktlich abzuholen. Auf die Spitze treibt er es, als er eine deutsche Journalistin von Isabel wissen will, warum sie sich so sehr mit vermeintlichen Frauenthemen auseinandersetzt. Er fällt ihr ins Wort und erklärt der Journalistin, dass Isabel "vom anderen Ufer" sei und sich deshalb eh lieber mit Frauen beschäftige. Als dann noch Isabels Exfreundin auftaucht und an David Gefallen zu finden scheint, eskaliert die Lage.


Bild: missingfilms.de
Der Film kommt als Real-Life-Dokumentation daher. Tatsächlich wird Isabel Šuba von der Schauspielerin Anne Haug gespielt. Isabel Šuba akreditierte sich als Filmstudentin, um ihre Schauspieler unauffällig begleiten zu können. Der Film entstand in nur fünf Drehtagen, ohne Gagen und sollte ein Zeichen setzen: für die Chancengleichheit von Männern und Frauen in der Filmindustrie. Das schafft er aus meiner Sicht nicht ganz. Trotzdem macht "Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste" aber deutlich, wie schwierig es als Nachwuchsregisseurin im Haifischbecken der Filmbranche ist. Isabel wird im gesamten Film von allen anderen auf vermeintliche Frauenthemen reduziert. Um Aufmerksamkeit und Fördergelder zu bekommen, muss sie sich wesentlich mehr ins Zeug legen, als ihre männlichen Kollegen. Der chauvinistische David an ihrer Seite, der ihr einen 'männlichen' Stempel aufdrücken möchte ("Nein, wir nennen das Projekt 'Buddymovie', weil das jetzt in ist"), tut sein übriges. Und ich mag Isabel. Sie ist nicht perfekt, versucht ihr Bestes, scheitert immer wieder an sich selbst und gibt trotzdem nicht auf. Vehement verteidigt sie ihren Anspruch, dass mehr Filme Geschichten von Frauen erzählen müssen und plant liebevoll ihre moderne Western-Komödie über zwei ungleiche Schwestern. Ihr scheint es völlig wumpe zu sein, ob David oder irgendeiner Journalistin ihre Pläne gefallen oder nicht. Mit Vehemenz glaubt sie daran, dass alles, was sie macht, so lange sie es alleine macht, schon funktionieren wird.

Mir hat der Film sehr gut gefallen, gerade weil er nicht den bösen Zeigefinger schwingt und Isabel als Superwoman inszeniert. Genau so stelle ich mir das Leben von Nachwuchsregisseur_innen vor. Ein Wunder, dass viele nicht schon vorher frustriert aufgeben. Als weiterführende Lektüre empfehle ich euch unbedingt das oben erwähnte Dossier in der Missy.

"Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste" kommt am 14. August ins Kino.

Kommentare:

  1. Dieser Film scheint ja ein interessantes Projekt zu sein, also vielen Dank für's Vorstellen. :)
    Werde ihn mir sicher ansehen und auch das von dir verlinkte Dossiert lesen, weil es mich immer wieder aufregt, wie schlecht es für Frauen* in der Filmwelt teilweise aussieht.

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  2. Hört sich sehr interessant. Muss jetzt nur noch ein Kino finden, in dem der Film läuft... ;)

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  3. Bin schon sehr gespannt auf den Film. Das von Dir verlinkte Dossier im Missy Magazine war auch sehr interessant. Wir betreiben einen Blog, der sich mit Frauen im Film und im Filmgeschäft befasst, von dem her bin ich in der Richtung sehr interessiert.

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