2014-04-25

WEITER SAGEN – ERSTE HANNOVERSCHE INTERNATIONALE POETRY SLAM TAGE

Slam-Superheld Tobias Kunze
(Foto: Daniel Jeschke)
Unter dem Motto "Weiter sagen" finden ab 30. April in Hannover die ersten hannoverschen, internationalen Poetry Slam Tage statt. Mein Nachtbarden-Kumpane und Super-Slammer Tobi Kunze organisiert das Ganze und hat mir im Vorfeld ein paar Fragen beantwortet. Solltet ihr irgendwie in der Nähe sein, kommt auf jeden Fall rum – das wird nämlich sicherlich total großartig.

Moin Tobi! Du organisierst in Hannover die ersten hannoverschen internationalen Slam Poetry Tage. Los geht’s am 30. April – was erwartet die Zuschauer_innen in den fünf Tagen?
In den fünf Tagen kann man fünf völlig unterschiedliche Veranstaltungen erleben. Am 30. April gibt es im 3Raum den klassischen Slam, mit der Ausnahme, dass auch die Fremdsprachler im Wettbewerb teilnehmen. Aus 3er-oder 4er-Gruppen werden wir die Finalisten „erklatschen“, einen Sieger küren und dann in den Mai tanzen. Am 1. Mai sind wir auf der Hofbühne „bei Faust“ zu sehen, dort wird es erfahrungsgemäß nicht nur bunt-international, sondern auch sehr trubelig zugehen. Wir haben dort zwei Open-Mic-Shows von 16-17 und von 18-19 Uhr. Am 2.5., auf diesen Tag freue ich mich ganz besonders, werden wir ab 12 Uhr offene, kostenlose Workshops in der Jugendkirche (das ist die Lutherkirche in der Nordstadt) halten! Ich wette, dort entsteht eine ganz neue hannoversche Slam-Szene, denn die Internationalen Poeten geben ihre Schreib- und ihre Bühnen-Erfahrung weiter und am Abend treten alle gemeinsam auf.
Am Samstag ziehen wir nach Lehrte. Dort gibt es ja seit über zehn Jahren die Offene Bühne im Anderen Kino – ein schöner Lichtspielsaal und vor allem ein toller Verein, der sich um Kinofilme und Kultur kümmert. Da ich aus Lehrte komme, möchte ich, so verloren die Stadt auch wirkt, sie trotzdem nicht auslassen. Diesmal gibt es also eine Internationale Offene Bühne mit zehn Minuten pro Beitrag: man kann machen was man möchte! Und am letzten Abend, dem 4. Mai sind wir im Pavillon. Dort findet eine großer Abschluss-Show statt (der einzige nicht-partizipative Abend!) Leider fahren schon einige Poeten vorher wieder heim, aber ich habe Ersatz besorgt. Es wird in jedem Fall bombastisch, denn wir bieten hier ein Multimedia-Programm auf: Texte mit Projektionen, Musik und Begleitung.

Du holst elf internationale Wortkünstler_innen nach

Hannover – wie hast du sie ausgewählt und auf wen freust du dich besonders?
Ich habe sie in erster Linie ausgewählt, weil ich sie alle von meinen eigenen Reisen zu internationalen Poesie-Festivals in andere Länder kenne. Es gibt auch eine europäische Slamszene, in der man oft auf bekannte Gesichter trifft. Ich hätte gerne noch mehr Kolleginnen und Kollegen eingeladen, aber das ist natürlich eine Budgetfrage. Ich kann jedenfalls nicht so sehr sagen, dass ich mich speziell auf jemanden freue, weil ich mich wirklich auf alle freue – auf den estnischen Lautpoeten Jaan Malin wie auf die italienische Rampensau Sergio Garau, auf den schwedischen Rap-Poeten Oskar Hanska wie auf die polnische Künstlerin Weronika Lewandowska, auf die türkischsprachige Autorin Çiğdem y Mirol wie auf den Londoner Publikumsliebling Harry Baker, auf den Slam-Comedian Dani Orviz aus Barcelona, auf die mallorquinische Poetin Annalisa Pegrum und auf die Jungs von Slam Tribu aus Reims. So unterschiedlich sie sind, werden sie alle die Bühne rocken und ich hoffe, das Publikum teilt meine Begeisterung für die vielsprachige Poesie.

Am 2. Mai gibt’s in Hannover einen Workshop mit allen – wer kann dabei sein und was muss ich tun, wenn ich mitmachen will?
Alle können dabei sein, egal ob sehr oder gar nicht Slam-erfahren. Du musst dich nur anmelden. Jedenfalls solltest du noch Zeit mitbringen, denn der Workshop ist von 12-17 Uhr angesetzt, dann gibt es eine Essens- und Übungs-Pause, und ab 19 Uhr öffnen sich dann die Türen fürs Publikum – und für die Präsentation der Texte. Wir machen dann (je nach Vorliebe) ein Open Mic und einen Slam – und zwischendrin treten die Gäste auf. Das Auftreten ist natürlich kein Zwang. Eine Schreibkladde, Stifte und etwas individueller Proviant können nicht schaden. Snacks und Getränke haben wir aber auch da, und um die Lutherkirche herum gibt es ja auch eine Menge gute Gastro und Olli’s Kiosk. Ach, und wegen der Fremdsprache: Alle sprechen englisch. Du kannst dir aber auch einen Schwerpunkt raussuchen: französisch, spanisch, italienisch, türkisch ... wie du möchtest. Einige der Workshopleiter wie Annalisa, Sergio oder ich können aber auch gut deutsch. Und deinen Text schreibst du natürlich in der Sprache deiner Wahl. Jetzt musst Du nur noch kommen, Bleistift und Ohren spitzen und loslegen!

Du warst selbst schon in vielen Ländern mit deinen Texten. Machst du deine Texte dann auf Englisch oder auf Deutsch? Und wie ist deine Erfahrung, wie reagieren die Leute, wenn sie deine Sprache nicht verstehen?
Also, in den meisten Fällen performte ich meine Texte einfach auf deutsch. Allerdings suchte ich meine Texte nicht wie für deutsche Slams nach Inhalt, sondern eher nach Klang, Rhythmus und Performance aus, woran sich die Zuschauer dann (höchstwahrscheinlich) erfreuten. Manchmal wurden sie auf einer Leinwand hinter mir übersetzt (so wie wir das auch hier für die Veranstaltungen am 2., 3. und 4. Mai planen) und auf den jüngsten Reisen hatte ich einige Texte schon auf englisch übersetzt, sodass ich vorher keine Kurzreferate über die Inhalte halten musste ;) Ich hab auch häufig Versatzstücke in der jeweiligen Sprache eingebaut oder sogar mehrsprachig gefreestylt. Jedenfalls hab ich immer sehr positives Feedback bekommen, und nicht selten lobten die Leute dabei nur mein drolliges Umhergespringe auf der Bühne!

Wie siehst du das– gibt es inhaltlich oder technische Unterschiede bei Text und Performance zwischen internationalen und deutschen Künstler_innen?
Im Allgemeinen nicht, aber im Speziellen, würde ich sagen. Im Allgemeinen bedienen sich die internationalen Slampoet_innen der gleichen Stilmittel wie in Deutschland auch. Variierende Lautstärke und Betonung, Gestik, Mimik, Rhythmus, brüllen, flüstern, theatralische Performances, Publikums-Interaktionen... allerdings gibt es auf den Slams in anderen Ländern nur 3 Minuten pro Beitrag, wie im US-amerikanischen Original. Da sehen wir ausschweifenden, deutschen Geschichtenerzähler oft alt aus. In diesen drei Minuten geht es rasanter zu und viel öfter auswendig als bei uns, es gibt also kein „Blatt vor dem Mund“. Inhaltlich sind die Texte ernster, aber werden hier und da ebenfalls humorvoller, mit Pointen und Situationskomik gewürzt. Heraus stechen aber immer die wahren Wortkünstler_innen, die mehr als nur witzig oder nur ernst sind, nicht nur „issues“, Themen, nach Art des „box-ticking“ abarbeiten, sondern verdichten; die Poesie schreiben und auf der Bühne ein Ganzes ergeben, eine Kunstdarbietung, statt lediglich Text und Sprecher_in zu sein. Ein paar von denen habe ich eingeladen;)

Vielen Dank für das Gespräch und viel Spaß mit den Wortakrobat_innen!

Und hier nochmal alle Infos auf einen Blick:

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