2014-03-25

SULAIMAN MASOMI: EIN KANAKE SIEHT ROT

Die Erde war stinksauer. Er hatte seinen Schlüssel für den großen Wagen verloren, torkelte rotzbesoffen über die Milchstraße und nestelte unbeholfen an seinem Asteroidengürtel herum. "Fickt euch doch! Fickt euch doch alle! Hört ihr mich oder seid ihr taub auf euren Meteohren?", schrie die Erde alle Sterne des Himmels an, als plötzlich sein Asteroidengürtel aufschnappte, die Hose runterrutschte und sein Äther sich über die Milchstraße ergoss.

Wenn Sulaiman und ich uns in den Backstage-Räumen der Bühnen dieses Landes treffen, freue ich mich immer sehr. Und das, obwohl wir gar nicht viel reden. Nein, wir spielen einfach ohne Pause gegeneinander Quizduell. Ab und an macht er oder ich ein kommentierendes Geräusch und das war's dann auch schon wieder mit der Unterhaltung. Das ist so schön. Jetzt hat mein härtester Duell-Gegner seinen ersten Prosaband rausgebracht. In "Ein Kanake sieht rot" vereint seine besten Geschichten der letzten zehn Jahre. Und darunter sind neben der titelgebenden Geschichte auch noch einige andere Perlen. Zum Beispiel die oben zitierte Geschichte über die Erde und ihre Schullaufbahn. Oder die Geschichte aus dem Finale der deutschsprachigen Slam-Meisterschaften 2013: Die Bombe, in der der Erzähler grandios mit den Vorurteilen des Publikums spielt. Und eben alle anderen Geschichten, die der Schriftsstellerm Poet, Rapper und Poetry Slammer regelmäßig in der ganzen Welt zum Besten gibt.

Warum dieses Buch nicht schon viel früher erschienen ist, weiß kein Mensch. Umso wichtiger, dass es jetzt jede/r liest. "Ein Kanake sieht rot" ist mit Abstand die beste Kurzgeschichtensammlung, die ich in diesem Jahr bisher gelesen habe. Und wir haben immerhin schon Ende März.

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