2014-02-16

REICHWEITE BEZAHLT KEINE MIETE

Dieser Text existiert in leicht abgeänderter schon seit etwa einem halben Jahr und durfte damals seine Premiere bei den Nachtbarden feiern. Aus aktuellem Anlass kam er mir heute wieder in den Sinn und wird deshalb erst jetzt verbloggt. Zitate habe ich entsprechend verlinkt.

Wir stellen uns das ganz kurz vor.
Jemand klingelt bei mir.
Ich öffne die Tür.
Der Mann im Anzug und teure Designerschuhe tragend, der vor mir steht, lächelt und sagt: "Hallo, ich bin von Firma 'Bla'. Wir sind eine ganz tolle Firma und wollen genau Sie dabei haben. Sie bekommen ein eigenes Blog innerhalb unserer Plattform und kommentieren in regelmäßigen Abständen das politisch-gesellschaftliche Geschehen, Nagellackfarben und den unsinnigen Tod von Zootieren. IST DAS NICHT EIN SUPER ANGEBOT?"
Was mache ich?

Genau.
Ich freue mich ein bisschen und frage, was ich dafür bekommen würde.
Und dann antwortet der Mann folgendes: "Äh... Was Sie dafür bekommen? Ja, also, das müsste Ihnen doch klar sein! Aufmerksamkeit! Reichweite! Leserinnen und Leser!"
"Nein, nein, ich meine, was ich finanziell dafür bekomme."
"Ja, also, finanziell", stottert der Mann und fängt an, etwas von Budgetdingen zu erzählen.
"Aber Sie sind doch Bloggerin! Sie schreiben doch quasi freiwillig und sowieso immer. Da müssten Sie doch mit mehr Reichweite zufrieden sein."
"Nein."
"Doch. Und jetzt passen Sie mal auf! Das, das, das macht sich sicherlich auch gut in Ihrem Lebenslauf." (Obacht: Totschlagargument.)
"Oh ja, na gut. Da haben Sie natürlich Recht." Ich unterschreibe den Vertrag und alle sind glücklich.

Zwei Tage später ruft die Vermieterin an. Ich sei jetzt aber schon ziemlich im Rückstand und sie wolle die Miete in den nächsten zwei Tagen haben. Ich lache kurz auf. Ist ja jetzt kein Problem mehr. Ich antworte: "Kein Problem! Ich bezahle allerdings ab sofort mit der Reichweite, die ich von der Firma 'Bla' bekomme. Geht klar, oder?!" Am anderen Ende der Leitung bleibt es lange still. "Ähm, Frau LaGrande, ich verstehe nicht ganz, wovon Sie sprechen. Bitte überweisen Sie einfach den üblichen Betrag und alles ist in Ordnung." Sie legt auf. Ich bin verwirrt.

Um mich zu beruhigen, gehe ich erst einmal in die Stadt. Ich möchte einen neuen Rock kaufen. Im Geschäft suche ich mir einen wirklich entzückenden Rock aus und trage ihn voller Stolz zur Kasse. Die Kassiererin scannt das Preisschild ein und sagt: "49,90 Euro, bitte." Ich antworte: "Schon in Ordnung. Ich trage den Rock ja in der Öffentlichkeit." Dieses Mal ist sie verwirrt. "Ich trage den Rock. In. Der. Öffentlichkeit", antworte ich langsamer. "Ich mache damit Werbung für Sie. Ich laufe herum und erzähle allen, dass ich diesen Rock von Ihnen bekommen habe. So haben wir doch beide etwas davon." "Nein", antwortet sie. Ich werde langsam wütend und will ihr den Rock samt Tüte aus den Händen reißen, um zu gehen. Sie drückt einen Notknopf unter der Kasse und als ich von den Sicherheitsbeamten weggetragen werde, schreie ich ihr ein "DAS MACHT SICH BESTIMMT AUCH GUT AUF IHREM LEBENSLAUF" hinterher.

Ein etablierter Verlag, ein richtig richtiger Verlag, mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Sitz in Köln bietet Volontariate an, für die man sich besser nur bewerben sollte, wenn man zu viel Geld übrig hat (und dieser Verlag ist wahrscheinlich nur ein Beispiel von vielen). 500 Euro im Monat gibt es dort für eine Vollzeitstelle. Für jemanden, von dem ein abgeschlossenes Studium, Auslandserfahrung, weitere Erfahrung, noch mehr Erfahrung und Fremdsprachen erwartet wird. 500 Euro. Ein WG-Zimmer in Köln kostet übrigens um die 400 Euro. Bleiben noch 100 Euro für's Leben. Na, wenn das mal nichts ist. NEIN. HALT. Ich vergaß die "Verpflegungspauschale", die es zusätzlich gibt. Und hier zitiere ich Max Pahl, der sich telefonisch nach dieser Pauschale erkundigt hat: "Es handelt sich hierbei um 22 Euro. In Marken. Eine 1-Euro-Marke pro Tag." Na, dann ist das ja alles kein Problem mehr. Wahrscheinlich hat die Dame Max am Telefon auch erzählt, dass sich das richtig gut auf seinem Lebenslauf machen würde und er ja froh sein könne, überhaupt einen Job zu bekommen.

Genau.
Menschen, die davon leben, kreative Denkprozesse für andere Menschen zu erledigen, können wirklich froh sein, dass schöne Dinge auf ihrem Lebenslauf stehen. Die machen das alles aus Liebe zur Poesie und den Worten. Es ist im Prinzip eine wohltätige Aktion, überhaupt auf diese Menschen aufmerksam zu werden und nach Texten und anderen künstlerischen Produkten zu fragen.

  • Wir brauchen einen qualitativen Artikel zum Thema 'papperlapapp' und sind dabei auf Sie gestoßen. Wir würden auch Ihren Namen erwähnen, wenn Sie bloß ein, zwei Seiten schreiben. Geht auch bis morgen, oder?
  • Wir sind ein umsatzstarkes Unternehmen und würden gerne ein paar Produkte auf ihrem Blog platzieren. Den Text dazu schreiben Sie bitte selbst, aber nicht unter 1.200 Zeichen und vergessen Sie die Links nicht. Dafür schenken wir Ihnen auch einen Gutschein für unser Unternehmen. Das ist doch ein super Angebot, oder?
NEIN.

Dieter Nuhr hat irgendwann einmal gesagt, er hasse es, wenn Menschen ihm auf Partys sagen: "Du bist doch Komiker, erzähl mal einen Witz." Er würde doch auch nicht antworten: "Du bist doch Maurer, zieh mal ne Wand hoch." Und das ist der Punkt.

Das, was ich mache, nennt sich Arbeit. Auch, wenn sie für dich nicht so aussieht. Das, was du von mir willst, ist unverschämt und nennt sich Ausbeutung. Reichweite bezahlt keine Miete. Und für Aufmerksamkeit bekomme ich weder Lebensmittel noch Kleidung.

Kunst ist Kunst ist Kunst ist Arbeit. Und wenn du etwas davon abhaben willst, musst du den dafür angemessenen Preis bezahlen. Wie für die Sonntagsbrötchen, den Friseurbesuch und den neuen Fernseher auch. So einfach kann das Leben sein.



Nachwort: Dieser Text beschäftigt sich nur mit einer Berufsgruppe. Selbstverständlich gibt es noch viele weitere Berufsgruppen, die absolut ungerecht und unangemessen entlohnt werden, gemessen an dem, was sie tagtäglich leisten.

Kommentare:

  1. Ja! Einfach nur JA!
    Danke für diesen genialen Artikel.

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  2. Applaus, Applaus, Applaus!!!

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  3. Vielen Dank für den tollen Beitrag! Dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen!!!

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  4. Däumchen hoch! (: Toll geschrieben. Danke, danke, danke...

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  5. Wunderbar!!!
    Toll geschrieben
    *knutscha
    Scharly Klamotte

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  6. Danke für diesen tollen Beitrag!

    LG Roswitha

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  7. Yep, unterschreibe ich sofort!
    Auch schön : " Hey, du nähst doch, kannst du mir nicht mal.... ( Hosen kürzen, Gardinen kürzen, den Knopf annähen...etc.)"
    " Hey, Du hast doch Ahnung, gehst Du mal mit mir einen ordentlichen ..... ( Anzug, Kleid, Outfit......) kaufen!?"

    NEIN!

    Dankeschön :)
    .... übe jetzt noch ein bisschen das hübsche Wörtchen "nein" .
    LiebenGruß von Sandra

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  8. Sehr genial geschrieben. Solche Angebote kenne ich auch zur Genüge. :)

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  9. Hallo Ninia. Anfangs dachte ich, ach das liebe leidige Thema wieder in dem wir Blogger, und Redakteure uns über die fehlende finanzielle Wertschätzung beklagen - ein emotionales Thema was zugegeben Aufmerksamkeit hervorruft und eigentlich immer fuktioniert. Aber wie Du die Thematik mit Deinen Beispielen umgesetzt hast, klasse und kanllhart aber mit Wortwitz an der Realität. Sind wir unserer Zeit einfach nur voraus und es gibt einfach noch kein gescheites und funktionierendes System, welches uns rechtlich absichert und angemessen entlohnt? Wir können uns bei der VG Wort melden und einen kleinen Obolus erhalten, vorausgesetzt wir erreichen die "Reichweite" von so und so viel Klicks im Jahr. Es mag sicher auch noch andere Mittel und Wege geben sich hervorzuheben (ein paar erfolgreiche Blogger leben das vor)

    Würde es eine Art von Interessengemeinschaft (mit Durchsetzungskraft) geben - so wie verdi oder so , die sich für freiberufliche Texter, Redateure, Blogger (und Innen) einsetzen würde, ich wäre sofort dabei. Jetzt muss ich mich aber wirklich erstmal bei Flattr anmelden um diesen wunderbaren Artikel auch finanziell zu würdigen.

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  10. Vielen Dank für diesen tollten Text! Das trifft den Nagel auf den Punkt - ich arbeitete mal für einen Musikwettbewerb und war dort für die TeilnehmerInnen und Vorauswahl zuständig. Als Musikwissenschaftlerin (und ich bin gut, in dem was ich mache) wollte der Veranstalter natürlich nur bestes Personal. An einem Wochenende von Freitag bis Sonntag fand die Vorauswahl statt. Ich schrieb meine geleisteten Wochenende-Stunden auf und dann meine Rechnung (Selbstständigkeit, freie Mitarbeit). Die Vorauswahl lief so ab, dass ich für eine Vorjury die eingereichten DVDs der TeilnehmerInnen einlegte - 3 Tage lang, da sich so viele beworben hatten. Ich reichte dann meine Rechnung ein - die mir einfach so um mehr als die Hälfte gekürzt wurde mit der Begründung: "DVDs einlegen ist keine Arbeit" (O-Ton), und ich solle mich nicht so anstellen, denn "für ein tolles Projekt muss man eben zurückstecken". Als ich mit der Chefin sprach (die mir das Geld gekürzt hatte), testete ich sie: "Ich habe nen super Tipp für Sie: rufen Sie doch mal in der Freiwilligenzentrale an - da arbeiten die Leute ganz umsonst für Sie" - "Wie? Was? Das ist ja super - ach nein, die können ja nichts...und wenn ich gewusst hätte, dass Ihr [also ich und die anderen studierten Mitarbeiterinnen] nichts könnt, dann hätte ich Fachpersonal (!) [das ich bin] eingestellt, aber die kosten ja zu viel" (O-Ton) - wahrlich schizophren - ich habe mein Geld dann doch noch bekommen, nachdem ich Druck machte, wusste aber in der Zwischenzeit nicht, wie ich die Miete, Krankenkasse etc. der folgenden beiden Monate hätte bezahlen können. Beim nächsten "tollen Projekt" das mir von dort angeboten wurde, lehnte ich ab, auch wenn ich zunächst nicht wusste, wie es weitergehen sollte, denn in meiner Stadt sind solche Stellen unglaublich rar. Never again.

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  11. Dem gibt es absolut nichts mehr hinzuzufügen. Danke für den Artikel!
    LG Sandra

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  12. Super! Genau dieses Lied singe ich auch! :) Nur kann ich nicht so gut mit Worten umgehen.

    Lieben Gruß, Smila

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  13. Danke für diesen tollen Artikel...herzliche Grüße emma

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  14. Schön geschrieben, keine Frage.

    Aber: Die Bösen sind keineswegs nur die ach so kapitalistischen Arbeitgeber, sondern auch all jene, die diese Angebote tatsächlich annehmen. Denn sie legitimieren den Unfug erst. Und wenn nach dem fünften quasi kostenlos arbeitenden Praktikanten schon die nächsten zwei warten und gern dort weitermachen, wo jener aufhörter: warum sollte der Arbeitgeber da nicht weich werden und deren verlockende Angebote annehmen? Er muss sogar.

    Also, bitte, bitte: für mehr Preisschilder an Arbeit, die ein Preisschild verdient.

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  15. Sehr schöner Beitrag dem ich zu 100% nur zustimmen kann! Als Grafikerin hört man auch ständig "Du kannst das doch, mach doch mal einen hübschen Flyer - geht ja schnell..." *räusper

    Die Menschheit wird leider immer unverschämter und in unserer digitalisierten Welt wird es ihr manchmal einfach zu leicht gemacht...

    Liebste Grüße,
    Nadine

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  16. Toller Artikel und mal wieder den Nagel mit gekonnt charmanter Schreibe auf den Punkt gebracht! Applaudiere gerade vor meinem Rechner :)

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  17. Ich verstehe das nicht. Geht es darum Nein zu sagen, wenn jemand einen bedrängt etwas für umsonst zu machen? Ich lese keine Blogs und würde niemals dafür zahlen. Wenn ich für einen anderen eine Leistung bringen soll und der nicht zahlen will, kann ich nein sagen. Will keiner für meine Leistung zahlen, dann lass ich es sein. Sollte echte Nachfrage nach meiner Arbeit bestehen, dann wird auch jemand zahlen. Ach was solls-- Einmal kurz reingeschaut und wieder weg. Nicht meine Welt. Also kurz gefasst: Will jemand Arbeit von dir und dich über den Tisch ziehen, da er deine Arbeit unentgeltlich für sich nutzen will: Dann sag NEIN! Wie bin ich bloß hierhin gekommen. Irgendein Link. Sehr unangenehm.Kurz meine Meinung sagen und bin dann wieder weg. Mir kommt das ganze recht dämlich vor. Oder soll ich für den Kommentar jetzt auch Geld verlangen?

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  18. Sehr schön! Bin freie Journalistin und habe 20 Jahre für eine Aufwandsentschädigung bei Zeitung und Radio gearbeitet! "Wie? 24 Euro reichen nicht pro Arbeitsabend? Kriegst doch den Eintritt gratis!" Davon wurden meine Kinder nicht satt! Soviel zu dem Thema :-)
    LG
    Frau H.

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  19. Supergut! DAS muss ne groooße Reichweite bekommen! ;-) Deine Schreibweise gefällt mir!
    Hört man als Fotograf auch ständig, bring deine Kamera mit, ach geht das grad in Photoshop zu machen, wie das Shooting kostet 150 euro?? usw.
    Ach, mir fehlt die Form ;-) erste Zeile :D

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  20. Kommt mir bekannt vor. Als ich noch als Übersetzerin tätig war, entgegnete ich das dem Auftraggeber auch immer,wenn dieser fragte: was sie wollen sooo viel dafür.Für das bißchen übersetzen?

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  21. Danke für diesen sehr treffenden Beitrag! - Die Anfrage, ob ich für eine Agentur bloggen könnte, bekam ich auch - vor zwei Jahren. Drei Blogposts pro Woche für 500 EUR im Monat. Habe ich sofort abgelehnt und wurde dabei sehr deutlich. (Diese Agentur wird mich nie wieder buchen wollen, womit ich leben kann!) Um ehrlich zu sein, halte ich es für ein ganz großes Problem, dass sich viele Journalisten/Blogger aus der Not heraus auf diese unverschämten Hungerleiderlöhne einlassen - frei nach dem Motto: lieber der Spatz in der Hand...! Das ist ein Fehler. Wenn alle an einem Strang ziehen und nicht für ein indiskutables Zeilenhonorar arbeiten würden, sähe das wieder anders aus. Ich habe auf meiner Webseite von Anfang an meine Preise aufgeführt. Wer damit nicht klarkommt soll sich eben jemand anderen suchen. Für lau gibt's meine Arbeit jedenfalls nicht. Für kein Renommee dieser Welt! Never.

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  22. Ich stimme dem inhaltlichen Tenor und dem Anliegen des Textes generell zu. Mit einer Einschränkung: Ich habe meinen Lebensunterhalt überwiegend als freier Journalist bestritten und hatte nie etwas zu verschenken. Dennoch gab es Momente, in denen ich zumindest einen kleinen Teil meiner Arbeitszeit als Marketinginvestition abschrieb.

    Als Musikjournalist z. B. erzielte ich den größten Teil meiner Einkünfte durch Rundfunk- und TV-Beiträge für öffentlich-rechtliche Anstalten (Letzteres ist ein Begriff, den ich Jahrzehnte später immer noch lustig finde). Artikel für Musikzeitschriften waren weitaus weniger lukrativ. Ich schrieb aber immer parallel zu Radio und TV auch für Print, weil dadurch mein Name in der Szene präsenter war. Artikel in einer Ausgabe von MusikExpress/Sounds, die einen Monat lang etwa bei Plattenfirmen herumlag, hinterließen einen größeren Eindruck als weitaus besser bezahlte Hörfunkbeiträge, die sich irgendwann an einem Werktag nachmittags auf WDR 1 oder beim Deutschlandfunk "versendeten". Die Artikel generierten "Reichweite" bei einer Zielgruppe, die mir Aufträge (= Redakteure) oder interessante Künstler (= Plattenfirmen, Manager) zuschanzen konnten.

    Maurer oder Bäcker (zwei Berufsgruppen, die in Ninias Text erwähnt werden), haben nichts davon, Mauern oder Brötchen zu verschenken. Für Journalisten, für andere Kreative, für Künstler kann es sich in manchen (wenigen) Konstellationen lohnen, kostenlos zu arbeiten. Genauso, wie es sich für Modeproduzenten lohnen kann, potenzielle Multiplikatoren (z. B. Musiker, welche die betreffenden Klamotten im TV tragen) mit kostenlosen Mustern zu versorgen. (In dem von Ninia beschriebenen Fall, der sich um Endkunden dreht, gilt das natürlich nicht.)

    Letzten Endes geht es darum, einerseits genug Selbstbewusstsein zu haben, um sich nicht unter Wert zu verkaufen (wie durch das erwähnte 500-Euro-Volontariat), und andererseits so gut durchzublicken, dass man einschätzen kann, wann es ratsam ist, potenziell honorarpflichtige Arbeit kostenlos oder unterbezahlt zu leisten, weil sich der damit verbundene Werbeeeffekt für die eigene Marke bezahlt macht (oder bezahlt machen könnte).

    Aus diesem Grund schreiben manche von mir geschätzte Profikollegen (die die einschlägigen Tarifverträge und Honorarrichtlinien kennen) kostenlos für die Huffington Post. Mangels Erfolgsgeschichten kann ich nicht abschließend beurteilen, ob ich das gut finde. Aber ich kann verstehen, dass Reichweite manchmal wichtiger als Cash angesehen wird.

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  23. toll toll toll geschrieben, danke!!!

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  24. Sehr schöner Artikel, unterschreibe ich.

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  25. Wahre Worte, sehr schön verpackt. Kompliment :)

    LG
    Mimi

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  26. Ich kam von Godfrina zu dir. Großartig geschrieben und inhaltlich einfach Fakt.

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  27. Amen!
    Und das ist nicht nur bei Bloggern der Fall...
    Ich bin studierte PR-Frau und "erst" seit zwei Jahren am arbeiten - das Gehalt ist trotzdem ein Witz! Und dann soll man glücklich darüber sein, sich zum Geburtstag oder zu Weihnachten (statt Weihnachtsgeld) ein paar der Luxusprodukte aus dem Bestand aussuchen zu dürfen.
    Danke, meine Haare sind jetzt zwar hübsch aber essen oder in Urlaub fahren kann ich von einem Shampoo auch nicht...
    Wie schon einige Vorredner geschrieben haben - die digitale Welt dient jedem Arbeitgeber als Mittel zur Ausbeutung... Meine studierte 400-Euro Praktikantin kann ein Lied davon singen - in Vollzeit!

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    1. „studierte PR-Frau“ vs. „als Mittel zur Ausbeutung... “

      Ich denke, da greifen einfach naturgerechte Marktmechanismen: Wenn ich etwas anbiete, was wenig Wertschöpfung hat (PR), und ich bei weitem nicht die einzige bin, die das tut, sinkt mein Wert und die Entlohnung. Das ist ganz normal und kein Grund sich zu beschweren. So funktioniert unsere Welt.

      Sollten sie aber sagen können: „Ich kann ein Flugzeug bauen.“ dann würden Ihre Einnahmen vermutlich schlagartig um ein Vielfaches steigen.

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  28. Da stimmt ich Dir 100%ig zu! Auch im Bereich der Geisteswissenschaften bekommst Du sowas oft zu hören. Ich hab u. a. Germanistik und Kommunikation studiert und kann das "Du kannst das doch, kannst Du nicht mal schnell ..." nicht mehr hören. Und wenn man dann nach der Vergütung fragt, dann >.<

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  29. „Der Mann im Anzug (…)“

    Meinen Sie, dass Sie mit diesem Bild noch aktuell sind?
    Nach meiner Erfahrung träfe „Frau mit Hermes-Schal (…)“ eher.

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  30. ich mag deinen schreibstil !!
    das mit der giraffe war in der tat unsinnig, schlimm und ethisch FALSCH.
    ich bin für zoos OHNE tiere, wie hier beschrieben ; )
    http://betterymagazine.com/stories/a-zoo-without-animals/

    Grüss und auf bald, ich schau mal wieder vorbei : )
    gefält mir hier !
    Mathilda

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