2013-07-29

BITTE KLICKEN SIE AUCH HIER! TEIL IV


Vor einiger Zeit startete ich den ersten Teil meiner Linktipps und versprach regelmäßig weiter zu machen. Das ist endlich wieder der Fall. Es geht weiter. Falls jemand wissen möchte, woher ich den guten Stuff kriege: Die meisten interessanten Artikel werden mir via Twitter oder quote.fm in die Timeline gespült.
[Hier geht's zu Teil I, Teil II, Teil III]

Ganz am Anfang meines Kunstgeschichtsstudiums wurde mir bewusst, dass ich dieses Ding fast ausschließlich mit anderen Frauen zusammen mache. Es gab kaum männliche Studierende. Aber fast ausschließlich männliche Dozenten. Ich war jung und noch ein bisschen naiver als heute und fragte mich natürlich, wie das sein kann. Eines Tages fragten wir unseren Professor im Einführungskurs, wieso es so viele Studentinnen, aber nur so wenig Professorinnen gäbe. Seine Antwort: "Das war schon immer so. Früher haben die Damen das studiert, weil es was Schickes war. Dann kamen die Jura-Studenten in die Kurse, suchten sich eine zum Heiraten aus und der Drops war gelutscht. Ich hoffe, dass es bald anders wird." Das ist jetzt zehn Jahre her. An der Zahl der Professorinnen hat sich nichts geändert. "Deutschlands Kunstszene stecke in der Geschlechterfrage in den fünfziger Jahren". In dem Artikel geht es nicht nur um Dozentinnen, sondern um die gesamte Kunstszene. Wo sind die zeitgenössischen Künstlerinnen? Wo ihre UnterstützerInnen? Es fehlt die Aufklärung über frühere Künstlerinnen und deren Werk. Natürlich haben Künstlerinnen früher auch unter männlichen Künstlernamen gearbeitet oder im Namen ihres Mannes Werke veröffentlicht. Aber das wir heute, zumindest in Deutschland, noch kaum einen Schritt weiter sind, finde ich sehr traurig. Nach meinem Gefühl existiert auch immer noch die Ansicht, weibliche Kunst sei gleich feministische Kunst. Nach dem Motto: Wenn eine Frau als Künstlerin bekannt wird, dann muss sie ja etwas "Feministisches" machen, weil sie es in diesem hart umkämpften Markt geschafft hat. Es wäre schön, wenn wir Erfolge ohne Prädikate feiern könnten.
Natürlich könnte man mich jetzt fragen, warum ich denn nicht Professorin geworden bin, wenn ich doch auch Kunstgeschichte studiert habe. Das könnte man aber jede/n AbsolventIn fragen, der nicht die wissenschaftliche Laufbahn eingeschlagen hat. Ich hatte keine Lust, ewige Jahre in Bibliotheken zu sitzen, lange Zeit von Brot und Wasser zu leben, bis ich in diesem verrücktem Unibetrieb vielleicht irgendwann einmal eine Chance gehabt hätte. Das Praktische ist eher meins. Und eine Gastprofessur ist ja immer noch drin.

Ich hatte in der letzten Woche Urlaub und habe am ersten Tag komplett das Blog von Jessy durchgelesen. Es passiert mir tatsächlich relativ selten, dass ich einen Blog entdecke, den ich so grandios finde, dass ich gleich alles lesen einatmen muss. Hier war das der Fall. Jessy macht nach ihrer überstandenen Krankheit eine Weltreise und schreibt über die einzelnen Stationen. Sie schreibt so bildlich, als wäre man selbst mit auf die Reise gegangen. Und sollte die Dame noch nicht bei irgendeinem Verlag unter Vertrag sein und jemand von einem Verlag hier mitlesen, dann gebt ihr bitte ganz schnell die Möglichkeit ein Buch zu veröffentlichen. Ich bin die erste Käuferin.

Christiane Jörges aka "die Frau, die früher immer vor den Simpsons im Fernseher saß" schrieb einen wichtigen und guten Text über "Die Stille nach dem #aufschrei".

Und zu guter Letzt hat Milenskaya nach ihrem Besuch beim Splash! alles zusammengefasst, was ich an Festivals mag. Mein erstes Festival für dieses Jahr musste leider ausfallen: Das Omas Teich wurde abgesagt. Dort wäre ich als Poetin aufgetreten. Schade, schade, nicht zu ändern. Aber da wartet ja noch das Dockville im August!

1 Kommentar:

  1. Naja, scheinbar geht's vielen Kunstgeschichtestudentinnen so, dass sie eben nicht den Weg in die oberste Etage des Elfenbeinturms wollen, sondern heiraten, oder auch nicht jahrelang in Bibliotheken sitzen wie die Autorin.
    Das liegt dann aber nicht an der reaktionären 50-er-Jahre-Verschrobenheit des Kunstbetriebes, sondern an der individuellen Wahl der Frauen, die sich den Stress nicht antun wollen.

    (Dass es für die, die es sich DOCH antun wollen, eine Gläserne Decke gibt, geschenkt. Aber anscheinend ist der Pool von vornherein nicht so gigantisch.)

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