2013-06-03

THE GREAT GATSBY - EIN RAUSCHENDES FEST

Am Wochenende habe ich mir endlich "The Great Gatsby" anschauen können. Ich war gespannt, hatte ich doch vorher schon einige enttäuschende und negative Kritiken gelesen. Zunächst: Ich habe all die anderen Verfilmungen (noch) nicht gesehen und auch das Buch nie gelesen. Was mich ins Kino zog, war nicht die Geschichte, sondern der Regisseur und sein Hauptdarsteller. Ich liebe die opulenten Inszenierungen von Baz Luhrmann (u.a. Romeo und Julia, Moulin Rouge). Und ich liebe Leonardo Di Caprio. Und ja, das mag daran liegen, das er einfach da war und niedlich aussah, als ich noch zwölf Jahre alt war. Seitdem verfolge ich seine Karriere und schaue, wenn möglich, jeden Film, in dem er mitspielt. Für mich ist er derjenige, dem man einfach mal so einen Oscar geben könnte - für alle Rollen zusammen, die er jemals spielte. 

Jetzt ist Leo älter und es hängt kein Poster mehr von ihm in meinem Zimmer. Und jetzt spielt er den Gatsby. Einen einsamen Mann, der in einem riesigen Palast neben dem Mann wohnt, der die Geschichte erzählt: Nick Carraway (Tobey Maguire). Dieser Nick zieht in all seiner jugendlichen Hoffnung ins New York der zwanziger Jahre und beginnt an der Börse zu arbeiten. Eigentlich wollte er Schriftsteller werden, aber weil es an der Börse gerade sehr rund geht, versucht er sein Glück zunächst dort. Außerdem leistet Nick sich eine kleine Hütte auf Long Island. Gegenüber von Nick und Gatsby wohnt Daisy (Carey Mulligan), Nicks Cousine und, wie der Zuschauer bald erfahren wird, Gatsbys große Liebe. Leider ist Daisy verheiratet und Gatsby spannt Nick in seinen Plan ein, Daisys Herz zu erobern.

Die Story ist nicht ungewöhnlich: große Liebe, inklusive einigen Verwirrungen und Intrigen. Nebenbei erfährt der Zusehende noch einiges über den Alkoholschmuggel in den USA der Zwanziger und überhaupt scheinen fast alle nice guys in Wirklichkeit böse Jungs gewesen zu sein. Der einzig wirklich wichtige weibliche Charakter ist Daisy und diese ist alles, aber nicht feministisch. Darüber brauchen wir also gar nicht erst nachzudenken, kümmern wir uns um den Film an sich.

Die Inszenierung: groß. Tolle Kostüme und beeindruckende Bilder. Auch wenn ich die Darstellung in 3D nicht als besonders nötig empfand. Mag daran liegen, dass ich eh kein großer 3D-Fan bin. Die meisten Filme gefallen mir auch so ganz gut. Bei Luhrmann ist alles wie gewohnt over the top. Zu viel Bunt, zu viel Glitzer, zu viel von allem. Das habe ich aber erwartet und genau deswegen fand ich es gut. Mein persönliches Highlight: Die Kombi von Bild und Filmmusik. HipHop, Neu-Interpretationen von Lana Del Ray, Florence und anderen passten perfekt zu der Stimmung, die der Film vermitteln wollte. 
Leo als Gatsby hat mir gut gefallen. Er kann das einfach, diese kuriosen, innerlich total zerissenen Charaktere spielen. Bei Carey Mulligan als Daisy bin ich zwiegespalten. Sie spielt das gut und ist mir aber viel zu passiv. Ob das an der Geschichte an sich oder eben an dieser einen Inszenierung liegt, kann ich nicht beurteilen. Man möchte Daisy die ganze Zeit schütteln und anschreien, andererseits verstehe ich aber vollkommen, wieso sie sich den ganzen Film hindurch so benimmt. Daisy sagt einen Schlüsselsatz, den ich als sehr wichtig empfand. Als sie über ihre Tochter spricht, sagt sie: "Ich hoffe, sie wird ein Dummchen. Etwas besseres kann ihr in dieser Welt nicht passieren." Hier wird ganz kurz klar, dass Daisy (allein schon dieser Name) keines dieser Dummchen ist, für das sie die anderen halten, aber wohl nicht weiß, wie sie sonst durch ihr Leben kommen soll. Joel Edgerton als Ehemann von Daisy fand ich super. Er trägt diesen fiesen Gesichtsausdruck als Schutzschild durch den Film und lässt nur ganz selten gekonnt durchschimmern, dass er auch Gefühle hat. Spiderman Tobey Maguire: Ebenfalls nett. Vielleicht ein bisschen blass im Gegensatz zu Leo und Joel, aber ich kann mir auch niemand Besseren in der Rolle vorstellen. 

Gesamturteil: Gut. Ich hatte Erwartungen, die wurden erfüllt und ich bin glücklich aus dem Kino gegangen. Luhrmann zeigt den Gatsby als einziges, riesiges Märchen. Wer das weiß und keine tiefsinnige Story erwartet, der/die wird wahrscheinlich genau den gleichen Eindruck haben wie ich. Eine schöne Abendunterhaltung, die ohne 3D genauso funktioniert hätte.


Kommentare:

  1. Wir - meine Frau und ich - waren ebenfalls im Film und in der Tat hat er auch in 2D gut "gewirkt".
    Die Filmkritik unterschreibe ich so. Kleine Abweichung: Tobey Maguires Rolle fand ich so vollkommen in Ordnung, weil er schliesslich "nur" der Erzähler ist. Es Erzählt die Geschichte der anderen Menschen. In dieser Rolle gehört er eine ganze Ecke in den Hintergrund.

    AntwortenLöschen
  2. Ich muss unbedingt auch noch. Allein wegen der Inszenierung. Das reicht mir schon!

    AntwortenLöschen
  3. ich werd ihn mir die tage auch auf jeden fall angucken! dieses ganze 3D gedöns immer, da haste sowas von recht. ich geh auch in 2D, ist ja auch billiger :D

    AntwortenLöschen
  4. Oh bitte das Buch lesen. Mich gruselt es schon, wenn ich nur den Trailer sehe...fairerweise muss ich sagen, dass einem perfekten und sprachlich brilliantem Buch wie Fitzgerald es geschaffen hat, wohl kaum ein Film gerecht werden kann (NYT/HuffPost) http://so-nur-in-frankfurt.blogspot.de/2013/05/liebenswertes-myrealgatsby.html

    AntwortenLöschen