2013-05-14

CHRISTIAN RITTER: GESCHLECHTSVERKEHR - EINE EINFÜHRUNG

Foto: Anna-Katharina Besserer


Was will die Frau mir mitteilen? Sie fragt noch einmal, schon etwas verunsicherter: 
"Soll ich das normal schneiden?"
Da sie anscheinend wirklich eine Antwort erwartet, tue ich ihr den Gefallen:
"Nein! Schneiden Sie das bitte völlig abnormal! Pervers! Grotesk! Lassen Sie Ihrer Phantasie da mal ganz freien Lauf!"

In der Szene aus Christian Ritters neuem Buch "Geschlechtsverkehr: Eine Einführung" geht es um einen stinknormalen Wursteinkauf. Und das ist typisch Ritter. In vierzig Geschichten beschreibt er den Alltag eines Studenten, der eigentlich nur ein bisschen faul sein will und dabei allerlei witzige Sachen erlebt. 
Ritter begleitet sein literarisches Ich durch Kindheit und Studium. Er erzählt über Aufklärung, erklärt tatsächlich auf logische Weise den pubertären Titel und ließ sich u.a. auch in Reykjavík inspirieren. 

Eines meiner persönlichen Highlights ist die Geschichte von Jenny, die ein Referat hält. Ich habe das damals im Studium schon selbst gehasst. Wenn da vorne jemand stand und anfing den Lebenslauf eines Autoren, einer Autorin zu flüstern. Irgend jemand meldete sich und forderte mehr Lautstärke und der oder die Referent_in antwortete IMMER mit: "Ich versuch's." Jenny also versucht ein Referat zu halten und scheitert schon zu Beginn völlig.

Ebenfalls sehr lustig: seine Abhandlung über YouTube-Stars. 

"Der Vorwurf, ich sei trotz mangelnder Perfektion zu sehr von mir selbst überzeugt, langweilt mich übrigens mittlerweile sehr..." Ritter spielt mit seinem großen Ego und es macht Spaß, ihm dabei "zuzulesen". Er nimmt sich viele Stereotype vor, die ihm so oder ähnlich im Studium, im Zug oder auf Reisen begegnet sein müssen. Das ist meistens witzig, manchmal aber fast ein bisschen zu sehr Schubladendenken. Wer tatsächlich Wert auf hochintelligente Nobelpreis-Literatur legt, der sollte sich nicht mit Ritter beschäftigen (sorry, Christian). Wer aber einfach nett unterhalten werden will und Witz in gut verpackten Portionen sucht, der ist bei ihm genau richtig.

Ritter ist ein Slamkollege von mir und hat mich bereits mit seinem Vorgängerwerk "Dichter schlachten" (einem Krimi aus der Slamszene) begeistert. Er veranstaltet die Slams in Bamberg und Würzburg und die Slamshow "Bube, Dame, Ritter". Sehr lustig sind übrigens auch seine gesammelten merkwürdigen Dialoge.

Geschlechtsverkehr gibt es im Buchladen eures Vertrauens oder beim [bösen] Online-Händler. (Hihi. Lustiger Satz.)

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