2013-05-16

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Täglich lese ich Dinge in diesem Internet, die ich für besonders großartig halte. Sie stimmen mich nachdenklich, euphorisch, fröhlich, traurig, wütend und vieles mehr. Deshalb habe ich gedacht, das wär ja toll, wenn ihr diese Texte auch lesen könntet. Natürlich vertwittere ich auch vieles, oder poste es bei quote.fm, aber so gesammelt und an einer Stelle und mit Kommentaren, die dann einfach mal raus müssen, bietet sich das als regelmäßige Sache hier ganz gut an. Ich bin natürlich nicht die erste, die so etwas macht: Journelle, Herr Buddenbohm und Das Nuf zeigen unter anderem auch ihre Quellen und Empfehlungen. Das finde ich immer spannend und gut und deshalb mache ich das jetzt auch. (Und ein kleines bisschen auch für mich, damit ich gute Texte, aus denen ich noch etwas machen wollte, tatsächlich auch mal wieder finde.) Ich weiß noch nicht, in welchen Zeitabständen sich das für mich anbietet. Wahrscheinlich wird es eine wöchentliche Geschichte. Oder immer dann, wenn ich genug zusammen habe. Aber egal wie oft und wann - es wird bestimmt gut!

Julia Friedrichs hat für die ZEIT vier Monate lang Mitarbeiter_innen des Jobcenters in Braunschweig begleitet. In Braunschweig habe ich 19 Jahre meines Lebens gewohnt. Dort bin ich aufgewachsen und habe alle großen Dinge, die man so zum ersten Mal macht, zum ersten Mal gemacht. Allein deshalb fand ich den Artikel natürlich sehr interessant. Nichtsdestotrotz (was für ein blödes Wort eigentlich) hätte diese Reportage wahrscheinlich auch in jeder anderen stinknormalen Stadt stattfinden können. Die Methoden in der Arbeitsagentur sind ja spätestens seit dem Blog von Inge Hannemann ein Thema, das alle plötzlich wieder total interessant finden. Ich auch. 
Bis jetzt musste ich mich zum Glück nur einmal mit der Arbeitsagentur auseinander setzen. Das Wintersemester 2008/2009 war mein letztes an der Uni in Göttingen. Ich hab meinen Abschluss im Dezember gemacht und war dann eben noch bis Ende März immatrikuliert. Bis zum Februar habe ich auch noch als studentische Aushilfe in einem Übersetzungsbüro gearbeitet. Dann wurde ich am Knie operiert. Es war ein guter Zeitpunkt. Mein Volo ab Mai hatte ich fast sicher und das Studium war fertig. Ich würde nirgends lange fehlen. Für April und Mai benötigte ich dann also die Hilfe der Arbeitsagentur. Da ich dann nicht mehr immatrikuliert war, ging es mir hauptsächlich um die Krankenkasse, die irgendwie bezahlt werden musste. Von Miete und Lebensunterhalt ganz zu schweigen. Also humpelte ich auf Krücken zur Arbeitsagentur in Göttingen. Ich habe unter anderem Germanistik studiert, aber das, was ich da alles auf den Formularen ausfüllen sollte, überforderte mich. Mehrmals fragte ich in Familien- und Freundeskreis herum, was mit diversen Ausdrücken wohl gemeint sein könnte, meistens wussten die aber auch nicht weiter. Das Nuf hat dazu gerade einen guten Artikel veröffentlicht. Nach einigen Besuchen (imemr auf Krücken!) und Abgabe aller Informationen über mein komplettes Leben (beschwert euch noch einmal über die Datensammelei im Netz!), bekam ich dann auch das Arbeitslosengeld für April. Im Mai sollte mein Volo beginnen. Meine Beraterin fragte mich, wann ich denn mein erstes Gehalt bekommen würde: "Noch im Mai oder im Juni?" So rief ich also bei meinem zukünftigen Arbeitgeber an und fragte, wann denn mein erstes Gehalt überwiesen werden würde (obwohl ich bis dato noch nicht einmal angefangen hatte!). Im Mai. Tja. Dann könne mir die Arbeitsagentur leider für den Mai kein Geld mehr überweisen. Huch. Ich klärte sie darüber auf, dass ich meine Miete zu Beginn des Monats zahlen müsse und das Geld dafür aber erst am Ende bekäme. Mit dem Geld für April hätte ich also über zwei Monate kommen müssen. Unmöglich. Ich fragte nach einem Kredit oder anderen Möglichkeiten. Ja, so etwas habe es mal gegeben, jetzt aber nicht mehr, das sei schwierig, es wäre wohl besser, wenn ich einen reichen Onkel oder so hätte. WTF?! Am Ende habe ich mir das Geld von meinem Vater geliehen und es ihm zurückgezahlt. Die Frage bleibt: Wie machen das Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, die ich in dem Moment hatte?

Deshalb fand ich den Text natürlich besonders spannend. Ich finde die Zustände, die Friedrichs beschreibt erschreckend. Mir ist klar, dass die Mitarbeiter_innen sich nicht jeden "Fall" (aka. Mensch) zu Herzen nehmen dürfen. Dass sie die "Fälle" nicht mit nach Hause nehmen dürfen. Aber so kaltschnäuzig über andere zu urteilen und sich der eigenen Macht bewusst sein, das finde ich schon ziemlich hart. 


Auf freitag.de beschreibt die Autorin Katharina Finke ihr Leben ohne Besitz und festen Wohnsitz und erkennt, dass 'frei' auch ein Synonym für 'einsam' sein kann. Ich mag die Idee, die hinter Finkes Lebensstil steckt. Ich lese gerne Berichte von Menschen, die einfach alles Materielle, was sie besitzen, verschenken und wegschmeißen und sich dann plötzlich komplett unbelastet fühlen. Ich mag die Berichte vielleicht auch, weil ich mir wünsche, ich könnte so etwas auch. In unzähligen Versuchen habe ich es nie geschafft, wirklich alles, was ich nicht mehr benötige oder benutze, zu entsorgen. Ich besitze sogar noch Etuis aus der Schulzeit! In meinem Schrank stapeln sich viel zu viele Klamotten, die ich nie wieder tragen werde, aber dann kommt doch wieder diese Gedanke: "Wenn du mal streichen musst, dann vielleicht dieses Shirt...!" Was natürlich völliger Quatsch ist. Ich werde nie streichen. Und gerade deshalb finde ich Finkes Text so toll, weil sie trotz allem positivem Gefühl auch zugibt, dass es wirklich schwer ist, so zu leben und immer auf Reisen zu sein. 

So. Das war es für's Erste. Sind zwar nur zwei Links, aber dafür viel Palaver von mir. Das ist ja auch was. Sammelt ihr auch Quellen? Dann postet mir eure Links gerne in die Kommentare!

Kommentare:

  1. Meine Quellen sammele ich eigentlich nicht (bzw. muss ich das je nach Thema nicht, weil ich das einfach eh nie vergessen werde), sondern schreibe mir höchstens Stichworte. Zwar dann oft so, dass ich selbst nicht mehr weiß, was ich damit sagen wollte, aber dann denke ich an das, was mir meine Mutter immer gesagt hat: Wenn du's vergisst, war's nicht wichtig...

    Bei dem ersten Teil fiel mir sofort dieser SPON-Artikel wieder ein: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/universitaet-hildesheim-forschungsprojekt-und-netzwerk-fuer-care-leaver-a-896344.html
    Es geht um Studenten, die keine elterliche Unterstützung haben, weil sie entweder Waisen sind oder aus diversen anderen Gründen ins Heim gekommen sind. Was die für Probleme haben, hat mich sprachlos gemacht. Wenn die 18 sind, hat sich der Fall für das Arbeitsamt etc. erledigt. Und das Bafögamt weiß auch nicht, was man da machen soll, wenn man mit seinen leiblichen Eltern keinen Kontakt mehr hat (weil man misshandelt o.ä. worden ist und schon vor Jahren zu einer Pflegefamilie kam!). Es ist einfach unglaublich, dass es hierfür keine Sonderregelungen gibt!

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    1. Danke für den Tipp! Werde ich so schnell wie möglich lesen :).

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  2. Peter KrawatteMai 16, 2013

    „Täglich lese ich Dinge in diesem Internet, die ich für besonders großartig halte.“

    „Großartig“ ist das neue „gut“

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  3. Den Artikel über das Jobcenter habe ich neulich nur überflogen, weil mir die Thematik zur Zeit ziemliche Bauchschmerzen bereitet. Es hat gereicht, mich auf meinem Blog auszukotzen ;)

    Aber danke für den anderen Artikel, ich werde ihn mir mal zu Gemüte führen!

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  4. Ich sag dir, was Menschen ohne "reiche Onkel" oder einen freundlichen Vater mit etwas Geld machen: alle Möglichkeiten (jobcenter, ARGE, Student_innenwerk) abklappern und nach zig dummen Kommentaren und Heulanfällen dann: nüscht. Sich von Nudeln ernähren. Tafel. Container. Pfand sammeln. Hunger und Stress mit der Vermietung haben. Und wissen, dass es Möglichkeiten gäbe- wenn es den Menschen, die darüber entschieden haben, an dem speziellen Tag nicht so schrecklich egal gewesen wäre.

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    1. Dieses System ist echt so ekelhaft! Allein diese Erwartungshaltung von Politik und Amt, dass es so schon funktionieren wird. Danke für deinen Kommentar!

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