2013-03-15

WIE DER GESCHIRRSPÜLER BEI UNS EINZOG.

Hier steht er schon an seinem richtigen Platz.
Als wir zusammenzogen, waren der Mann und ich schon viel zu sehr aneinander gewöhnt als dass uns tatsächlich irgendetwas besonders geschockt hätte. Als wir zusammenzogen, waren wir bereits drei Jahre und drei Monate zusammen, hatten zwei Auslandsurlaube miteinander gemeistert und bereits drei Jahre und drei Monate beieinander gelebt. Wir hatten zwei Wohnungen in einer Straße und schliefen immer zusammen in einer der beiden Wohnungen.

Und vielleicht ist es auch deshalb so langweilig, wenn ich einfach mit „Nein“ antworte, wenn mich jemand fragt, ob wir denn krasse Probleme gehabt hätten, als wir zusammengezogen sind. Das einzige Problem, das wir hatten, hieß „Geschirrspüler“ und steht jetzt an seinem Platz in der Küche.

Der Geschirrspüler wohnte vorher in der WG vom Mann. Und als die Zeit gekommen war, dass der Geschirrspüler genau wie alle anderen Dinge in der WG seines Weges gehen musste, da beschloss der Mann, dass der Geschirrspüler doch gut in unsere neue Wohnung passen würde. Am letzten Tag vor der Wohnungsübergabe lieh er sich abends ein Auto und fuhr in die alte Stadt. Der ehemalige Mitbewohner half ihm, den Geschirrspüler aus dem dritten Stock nach unten und dann ins Auto zu wuchten und der Mann fuhr mit dem Geschirrspüler wieder in die neue Stadt. Als er in der neuen Stadt ankam, zeigte die Uhr bereits eine Zeit weit nach Mitternacht an und es regnete in Strömen. Ich lief nach unten zum Auto, um mit dem Mann Geschirrspüler in die Wohnung zu tragen und dann schnell schlafen zu gehen. Alles kein Problem, dachte ich.
Der Mann lud den Geschirrspüler unter großen Anstrengungen auf einen Getränkeschuber und wir fuhren in vor unseren Haustür. Dort meisterten wir die erste Treppenstufe. Im Haus angekommen, machten wir uns an die nächsten Treppen. Der Geschirrspüler schien in der Zwischenzeit gewachsen zu sein und war plötzlich furchtbar schwer. Der Mann konnte ihn nicht alleine tragen und ich konnte überhaupt gar nichts tragen. Unter sehr großem Lärm wuchtete der Mann den Geschirrspüler von Stufe zu Stufe, als ich ihm erklärte, dass er dies zu so einer Uhrzeit nicht machen könne, wenn wir uns irgendwann noch einmal mit den neuen Nachbarn verstehen wollen. Wir wussten weder ein noch aus und deshalb begann ich zu weinen, weil ich vielleicht dachte, dass das hilft oder weil ich einfach müde war. Ich saß auf der Treppenstufe und weinte und weinte und ärgerte mich über meine nicht vorhandene Muskelkraft. Nachts um halb zwei wurde mir im Hausflur der neuen Stadt bewusst, dass ich zu nichts zu gebrauchen war, noch nicht einmal einen Geschirrspüler konnte ich tragen. Ich fragte mich, wie der Mann sich jemals in mich verlieben konnte.

Dieser hing derweil auf der Treppe und kam weder hoch noch runter. Egal wie er den Geschirrspüler anfasste, er konnte ihn nicht so umklammern, dass er ihn vernünftig heben könnte. Und während ich noch so herumweinte, dachte ich, dass es jetzt vielleicht mal an der Zeit wäre zu beten. Ich bin nicht gläubig, aber ich versuche in unregelmäßigen Abständen, Gott dazu aufzufordern, sich zu zeigen, damit er sich mal wieder beweisen könne. Also flehte ich um Hilfe und bat darum, dass doch jetzt, mitten in der Nacht, jemand vorbeikommen würde, um uns zu unterstützen.

Drei Minuten später hörte ich ein paar Stimmen und der Nachbarsjunge mit seinen Kumpels betrat das Haus. Der Nachbarsjunge und der Mann trugen innerhalb von dreißig Sekunden den Geschirrspüler nach oben. Der Nachbarsjunge wollte nichts dafür haben, weder Bier noch Geld und verabschiedete sich einfach nur. Ich war furchtbar glücklich und weinte nun nicht mehr.

Der Geschirrspüler steht nun immer noch da und macht fröhlich seinen Dienst. Er hat dafür gesorgt, dass ich ganz kurze Zeit an meinem Leben mit Mann, ohne Auto in einer Stadt, in einem Haus ohne Fahrstuhl gezweifelt hatte. Ganz kurz.

1 Kommentar:

  1. Und ihr habt es doch geschafft, dass ist alles was zählt, egal ob du helfen konntest oder nicht.
    Man kann alles meistern, aber manchmal muss man sich eben auch Hilfe holen :)

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