2013-01-14

ICH WILL EINE FRAUENQUOTE. EINE STARKE FRAU REBELLIERT GEGEN DEN FOCUS.

Wie läuft das ab in einer Redaktion, wenn am Ende so ein Artikel und dieses Cover rauskommen? Wie muss ich mir das vorstellen (bitte Beckmann-like lesen!)? Sitzen da alle RedakteurInnen in einer Konferenz und überlegen, womit man mal wieder so richtig viel Aufmerksamkeit bekommen könnten?

"Nazis?"
"Nee, gab's in letzter Zeit zu oft und der Prozess gegen die Zschäpe läuft ja auch noch nicht."
"Hm... FDP?"
Alle gähnen.
"Oder hier, ich hab's! Kann Steinbrück noch Kanzler werden?"
"Ach, hör doch auf..."
Nach zwei endlosen Minuten, fällt es dem einen männlichen Redakteur wie Schuppen von den Augen. Hat er doch letztens wieder was von dieser unsäglichen Frauenbewegung gelesen.
"FEMINISMUS! QUOTE!" ruft er in den Raum.
"Oh ja!" antwortet der Rest ganz entzückt. 
"Damit hauen wir mal wieder richtig einen raus. Und damit es glaubwürdig klingt und unser Cover sich gut verkauft, packen wir lauter bekannte Frauen drauf, die sich gegen die Quote aussprechen."
Alle applaudieren und gehen Kaffee trinken.


Und dann folgt ein provozierendes Cover und ein polemischer Artikel, in dem bekannte Frauen zu Wort kommen, die eine Quote in ihrem Leben nie nötig hatten oder haben werden, oder ihren Erfolg einem Familienunternehmen zu verdanken haben. Außerdem unser aller Freundin Kristina Schröder, die, vielleicht hat sie das schon wieder vergessen, ebenfalls von einer Quote profitiert hat.

Die Mädchenmannschaft hat diesen schönen Tweet von Lara Fritzsche dazu gefunden: 


In allen Artikeln in diesem Internet, die sich auf den Focus-Artikel beziehen, können all die eklichen KommentatorInnen sich dann wieder richtig schön auslassen. Höh, dann sollte es aber auch eine Männerquote geben! Das entspricht nicht dem Grundgesetz! Frauen sollten lieber ihre Kinder großziehen, dafür danken diese ihnen dann auch ein ganzes Leben lang!!111!!11

So bekommen all die Frauen, die es bis jetzt nicht geschafft haben, ihre Karrierepläne umzusetzen, einen schönen Stempel auf die Stirn: Du bist zu schwach und nicht so stark wie diese ganzen Grazien auf dem Focus-Cover. Ätsch. Es ist deine eigene Schuld.
Und dann fragen sich diese Frauen zu Recht, warum sie das mit dem Kind eigentlich damals gemacht haben, jetzt, wo sie nicht mehr eingestellt werden oder nur Teilzeit arbeiten dürfen. Denn: Wer kümmert sich denn dann um das Kind? Ich habe übrigens noch nie einen Mann kennengelernt, der das in einem Vorstellungsgespräch gefragt wurde.

In meinem Freundeskreis gibt es Menschen, die mir erklären, dass eine Quote nichts bringen würde. Denn erst müsste sich "die Gesellschaft ändern". Eine Gesellschaft ändert sich aber nicht von heute auf morgen, wenn ihr nicht ein bisschen in den Arsch getreten wird. Dann gibt es Menschen, die sagen: "Ja, aber die Betreuung..." Und das nervt mich. Ist denn nur die Frau zuständig dafür, dass ihr Kind anständig betreut wird? Und abgesehen davon: Wenn Unternehmen gute Frauen und (!) Männer einstellen wollen, dann müssen sie sich über kurz oder lang vernünftige Lösungen für eine Kinderbetreuung ausdenken. Da kann die Politik mithelfen, aber man kann sie nicht allein dafür verantwortlich machen. Unternehmen können von sich aus betriebsinterne Kindergärten einrichten, Arbeitsplätze so gestalten, dass ein Arbeiten von zuhause auch möglich ist usw.
Und dann wiederum gibt es Menschen, vorrangig Frauen, die etwa zehn Jahre jünger sind als ich und mir erklären, dass sie eine Quote gar nicht nötig hätten. Denn bis jetzt hätten sie noch nicht gemerkt, dass sie benachteiligt sind. Bis jetzt haben sie auch noch keine Kinder bekommen und noch in keinem Unternehmen länger gearbeitet. Merkste selber, ne?!

Das Ärgerlichste am Focus-Artikel ist, dass er diese Diskussion an einem Punkt aufnimmt, von dem ich dachte, dass wir ihn längst überwunden haben. Und dass er, um möglichst authentisch und gut zu wirken, Frauen nach vorne stellt, um allen zu zeigen, dass ja selbst DIE FRAUEN eine Quote nicht wollen. Denn wenn das für die Frauen im Artikel gilt, dann muss das schließlich auch für alle gelten. Und er benutzt Argumente, die so scheinheilig sind, dass man den Artikel in nur wenig Schritten umschreiben könnte und man hätte ein astreines Pamphlet FÜR die Quote. So aber bekommen alle Zukunftsverweigerer und Maskulisten wieder nur eine Bestätigung von oben, von der großen, weißen, männlichen Macht, dass sie doch Recht haben. Und dass diese niedlichen Frauen, die sich so sehr bemühen, auch mal ein bisschen bestimmen zu dürfen, ja doch wirklich niedlich sind, aber eben auch nur das. 

P.S.: Wie immer bei solchen Artikeln gilt: Ich lasse mich in den Kommentaren auf keine bekloppte Diskussion ein. Dinge, die mir zu weit gehen, lösche ich. Das darf ich, weil das mein Blog ist. Und das ist auch gut so.

Kommentare:

  1. Vor sieben Jahren hätte ich noch stolz gesagt, nee, Quote ist doch auch diskrimierend, das möchte ich nicht, ich hab das auch gar nicht nötig.

    Sieben Jahre Lebens- und Arbeitserfahrung später bin ich der Meinung, dass wir sehr, sehr dringend eine Quote brauchen, weil sich sonst überhaupt gar nichts ändert. Und das, obwohl (oder vielleicht auch gerade weil) ich selber einen gut bezahlten Job in einer Männerbranche habe.

    (Die Auswahl der Frauen ist lächerlich. Ernsthaft jetzt, halten die uns für dumm?)

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  2. Uneingeschränkte Zustimmung. Die Gesellschaft ändert sich nicht von alleine, die ist eine träge Masse. Zumal ja grosse Teile der Gesellschaft gar keinen Bedarf für Änderungen sehen - aus Mangel an Erfahrung, oder um ihre eigenen Interessen zu schützen.

    Ich gehe sogar noch weiter: eine Mütter- bzw. Elterquote bei Einstellungen halte ich für sinnvoll. Und da es Alleinerziehende besonders schwer haben, überhaupt noch irgendwo in Lohn und Brot zu kommen, sollten die - analog zu Behinderten - bevorzugt werden. Dass besonders letzteres für Kontroversen sorgt, ist mir bewusst. Aber da ich alleinerziehend bin mit 3 relativ kleinen Kindern (4, 6, 12) und schon 2 Jahre Arbeit suche, bin ich davon überzeugt, dass bei vorhandener Qualifikation nur eine Quote den "Arschritt", von dem du schreibst, vollbringt.

    Herzlichen Gruss, Christine

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    1. Hallo Christine, eine "Alleinerziehenden"-Quote finde ich gar nicht schlecht. Wäre vielleicht auch lösbar, wenn Kinder in der Bewerbung keine Rolle mehr spielen dürften. Außer, dass Unternehmen bietet eine eigene, gute Kinderbetreuung an, was ja leider noch sehr selten ist.

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  3. Zustimmung. Habe den Artikel noch nicht gelesen aber das Thema mit dem für und wieder der Frauenquote nervt. Wir brauchen eine. (PUNKT)!

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  4. yay! danke fürs auf den punkt bringen!!! :)

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