2013-01-28

AB WANN BIN ICH FEMINISTIN? VON SCHWURBELIGEN FORMULIERUNGEN UND DEM BÖSEN MANN.

Im Rahmen der #aufschrei-Debatte gab und gibt es so viel Texte zum Thema. Ein Punkt, der mir immer wieder aufgefallen ist und der mich überrascht hat, war, wie viele Menschen sich in diesem Zusammenhang vom Begriff "Feminismus" distanzieren oder beschreiben, wie sehr sie mit sich hadern, sich als FeminstIn zu bezeichnen. Das beschäftigt mich. Woran liegt das? Hat der Begriff so einen schlechten "Ruf", dass mensch den Grundprinzipien zwar zustimmt, sich aber weigert, sich selbst so zu bezeichnen?

An einigen Stellen las ich "der Feminismus", "die FeminstInnen" und wollte gerne sofort in den Computer springen, um vor Ort zu erklären, dass es "den Feminismus" nicht gibt. Das ist die Auffassung der großen Medien, die zu jedem Thema, dass Frauenrecht, Sexismus und anderes auch nur anschneidet, immer nur Alice Schwarzer als "die Feminstin" befragen. So einfach ist die Welt nicht. Es gibt so viele Strömungen und Ausformungen des Feminismus, dass es zu schwierig ist, sich auf DEN EINEN Feminismus zu einigen. Das ist gut und wichtig! Sonst würden wir nicht mehr diskutieren können. 

Für mich ist ein/e FeminstIn ganz einfach ein Mensch, der/die sich für die Gleichberechtigung der Geschlechter in allen Bereichen einsetzt. Ich mag Männer. Ich finde die oftmals sogar richtig gut. "Feministin sein" heißt für mich nicht, gegen den "bösen Mann an sich" zu kämpfen. "Feministin sein" heißt für mich nicht, Pornographie, Sex und alles, was dazugehört zu verteufeln (ganz im Gegenteil). "Feministin sein" heißt für mich, für mich einzustehen und Ungerechtigkeiten aus der Welt zu schaffen, von einem gewaltfreien Miteinander zu träumen und Belästigungen jeglicher Art zu verhindern versuchen. Und viele meiner Freundinnen und Bekannten kommen ins Stottern, wenn sie erst behaupten, sie benötigen "den Feminismus" nicht mehr und ich sie dann nach bestimmten Situationen frage, in denen ihnen aufgeht, dass sie dort aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt wurden. 

"Ich kann mich als Frau auch so durchsetzen, ich bin auf diesen Feminismus nicht angewiesen." --> Aber genau zu dieser Aussage kommt mensch doch nur, weil es Feminismus gibt. Genau das ist Feminimus: Du setzt dich durch, "obwohl" du eine Frau bist. Ob du das jetzt so nennen möchtest oder nicht. Ich hoffe, ihr versteht, worauf ich hinaus will.

Man muss keine Königin der Theorie und Geschichte sein, um sich als "Feministin" zu bezeichnen. Ich kenne mich zugegebenermaßen nur sehr wenig bis gar nicht mit Feminismus- und Geschlechtertheorie aus. Das geht mir zu tief, das können andere besser und ich lasse es mir dann gern erklären. Genauso halte ich es mit der Sprache. Viele fühlen sich offensichtlich abgeschreckt von schwierig-schwurbeligen Formulierungen, die sie in ihren alltäglichen Sprachgebrauch nicht einbauen können. Dann lasst es. Aber nur, weil es euch zu weit geht, bedeutet das nicht, dass man andere für ihre Sprache angreifen muss. Dialog ist hier das Stichwort. Versucht zu verstehen, benutzen können es andere.

Ein weiterer Punkt in dieser Diskussion ist der Einbezug der Männer* in alle Debatten rund um Feminimus, die Recht der Frauen und Sexismus. Ich lese auch gerne Texte von Männern* zu diesen Themen. Häufig ist es mir sogar ziemlich egal, welches Geschlecht der/die AutorIn des Textes hat, den ich gerade lese. Ich sehe das nicht sehr eng und empfinde viele kluge Texte von allen Geschlechtern zu einem Thema wichtiger als wenig kluge Texte nur von Frauen. Das liegt aber an meinem eigenen Erfahrungsschatz und meinem eigenen Verhalten,  meistens Texte von Frauen sowieso eher weiterzuempfehlen. Genauso verstehe ich Menschen, die sich darüber aufregen, dass zwischen all den tollen Texten von Frauen, einer von einem Mann am häufigsten empfohlen wird. Seximus und die Gleichberechtigung der Geschlechter sind keine neuen Thematiken. Kaum aber schreibt ein Mann mal etwas darüber, weil es gerade en vogue ist, sich dazu zu äußern, wird die Thematik plötzlich beachtet und alle tun sehr überrascht. Das verletzt die, die sich schon seit Jahren versuchen, Gehör zu verschaffen und die immer geblockt und kleingeredet wurden.

Euch als "FeministIn" zu bezeichnen, bedeutet nicht, dass ihr ab sofort in Latzhosen auf Demonstrationen gehen müsst und allen Männern abzuschwören habt. Ich hoffe inständig, dass dieses Bild von "FeministInnen" sowieso schon fast ausgestorben ist. Es bedeutet, euch eurer Rolle und der anderer in unserer Gesellschaft bewusst zu werden, sie zu reflektieren und zu versuchen, die Gleichberechtigung der Geschlechter voranzutreiben. Und das klingt doch prinzipiell erstmal gar nicht schlecht, oder?!


Lektüretipps zum Einstieg:

- "Wir Alphamädchen: Warum Feminismus das Leben schöner macht" [Meredtih Haaf; Susanne Klingner; Barbara Streidl], 7,95 Euro
- "Fleischmarkt: Weibliche Körper im Kapitalismus" [Laurie Penny], 9,90 Euro 

Kommentare:

  1. Hallo Nina - ich glaube, das Bild der Feministin wird gerade "renoviert". Denn die jungen Frauen, und damit meine ich die unter 30, sind ja in dem Irrglauben aufgewachsen, den Feminismums bräuchte es nicht mehr, und er sei etwas für die von dir so schön beschriebenen Latzhosenträgerinnen und Männerhasserinnen. Wenn als Feministinnen Frauen zukünftig wie du und ich gelten, dann bin ich schon ein bisschen optimistisch. :)

    Lieben Gruss, Christine

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  2. Huch, mir ist im Eifer des Gefechts das zukünftig verruscht. Wärst du so nett, zu editieren?

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    1. Hallo "Mama arbeitet", das kann ich leider nicht, aber so versteht es ja auch jede/r ;).

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  3. Hallo Nina,
    Ich bin ein Mann und ich bin auch für die Gleichberechtigung der Geschlechter.

    Aber eben für die Gleichberechtigung nicht für einen Rachefeminismus in dem Männer erst mal für die Vergangenheit, also für dinge die weit vor ihrer Geburt geschahen bluten sollen.

    Gleichberechtigung heisst für mich, dass die Leistung zählt und das man Maßnahmen ergreift die dafür sorgen, dass auch wirklich die Leistung im Vordergrund steht.

    Also gleiches Geld für gleiche Arbeit aber dann auch bei gleicher Stundenzahl und gleicher Arbeitsbelastung. Männer schieben im Durchschnitt mehr Überstunden das wird oft vernachlässigt in Statistiken.

    Des Weiteren bin ich gegen Quoten man muss Maßnahmen treffen, dass die Leistung zählt also die Leistung fair beurteilen und nicht den schlechteren Menschen befördern nur weil dieser das "richtige" Geschlecht hat. Das ist ungerecht oder wie würdest du dich fühlen wenn jemand nur wegen des Geschlechts bevorzugt wird, und zwar richtig offen per Gesetz?

    Ich meine manche FeminstInnen haben das Ziel Männer gezielt und nachhaltig zu benachteiligen und zwar folgendermaßen:
    -Sie durch Quoten zu unterdrücken auch wenn sie besser sind.
    -Ihnen ein automatisches gemeinsames Sorgerecht vorzuenthalten.
    -Ihnen eine ungerechte Rente zu bezahlen da Männer eben kürzer Leben und somit weniger Geld pro eingezahltem Euro bekommen. Und das ist mittlerweile Gesetz. Pro Beitragseuro gibt es mehr Rente für eine Frau als für einen Mann das ist ungerecht aber das wollen Feministinnen so.

    Echte Gleichberechtigung sieht anders aus aber darum geht es FeminstInnen nicht, sondern darum Männer strukturell zu benachteiligen.

    Ich würde mir mehr Gleichberechtigung und Fairness wünschen. Denn Sexistische Sprüche oder jemanden zu belästigen finde ich nicht in Ordnung dagegen setze ich mich ein.

    Was ich bei Quoten so ungerecht finde ist das es um eine Quote nicht für Neueinstellungen geht sondern um eine Quote insgesamt das bedeutet, dass eine ganze Generation von Männern in den Vorständen nicht vertreten sein wird, da um die Quote zu erreichen kurzfristig nur Frauen neu in Vorstände kommen und um das ganze noch zu verschlechtern gibt es ja ohnehin weniger weibliche Bewerber.

    So das die Chancen einer Frau wenn sie sich auf einen Vorstandsposten bewirbt genommen zu werden ungleich größer sind wie die eines Mannes und das ist nicht Gerecht. Sondern Unfair.

    In der Politik zeigt sich ähnliches es gibt in der CSU 19% Frauen in der CDU 25%. Trotzdem stellen Frauen 50 % der auf CDU/CSU entfallenden Kabinettssitze:
    Frauen: Angela Merkel,Ursula von der Leyen,Ilse Aigner,Kristina Schröder (geb. Köhler),Annette Schavan
    Männer: Hans-Peter Friedrich,Wolfgang Schäuble,Thomas de Maizière,Peter Ramsauer,Peter Altmaier

    Statistische individualgerechtigkeit läge dann vor wenn die Anzahl der Sitze im Kabinett die Mitgliederverteilung wiederspiegelt. Männliche CDU/CSU mitglieder haben nur eine weniger als halb so große chance auf einen Kabinettssitze wie weibliche Mitglieder.

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    1. "Das ist ungerecht oder wie würdest du dich fühlen wenn jemand nur wegen des Geschlechts bevorzugt wird, und zwar richtig offen per Gesetz?" - Wäre ich Quotenfrau, hätte ich absolut kein Problem damit, auch unter diesen Bedingungen.
      Außerdem geht es in der Diskussion nicht darum, Menschen nur per Geschlecht einzustellen oder zu befördern, sondern Frauen den Durchbruch durch die gläserne Decke zu erleichtern.

      Die Menschen, die im Kabinett sitzen, sollen übrigens die gesamte Bevölkerung vertreten, also zur Hälfte auch Frauen. Unabhängig davon, wie viele Männer oder Frauen Mitglieder in der Partei sind. Das hat inzwischen auch jede Partei verstanden und eine Frauenquote eingeführt.

      Ansonsten werde ich mich hier nicht erneut auf eine Quotendiskussion einlassen.

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  4. Ich habe auch lange Zeit davor gescheut, mich als Feministin zu bezeichnen. Aber nicht, weil ich ein schlechtes Bild von Feministinnen hatte. Sondern auch noch als ich bereits viele tolle Feministinnen kennengelernt habe und auch im Internet viel von Feministinnen gelesen hatte.
    Aber häufig habe ich erlebt, dass auf feministischen blogs meine Worte verdreht wurden oder man gleich irgendwie abgestempelt wurde, da man dieses oder jenes Werk nicht gelesen hatte.
    Ich wollte einfach nicht mich selbst in einer Gruppe verorten, in der diese Leute sind.
    Und ein weiterer Punkt ist, dass es eben DEN FEminismus nicht gibt. Wenn ich sage, ich bin Feministin, dann versteht Person A das eine und Person B etwas völlig anderes. Da nutzt mir doch die Bezeichnung nichts.
    Viel lieber sage ich meine Meinung und dass ich mich für die Gleichberechtigung der Geschlechter einsetzte. Heute denke ich schon, dass ich auch Feministin bin, genau so wie du es in deinem Artikel beschreibst. So eine Feministn bin ich auch!

    Liebe Grüße,
    Miria

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