Lisa hat einen sehr schönen Text zum Thema „Heimat“ für den
Spiegel geschrieben. Das hat mich dazu veranlasst, selbst darüber nachzudenken,
was der Begriff „Heimat“ eigentlich für mich bedeutet.
Anker. Mag ich. Ich mochte Anker schon als sie nur dicke,
bärtige Seemänner auf dem Oberarm trugen. Ein Anker ist für mich das Sinnbild
des Ankommens. Ich werfe den Anker aus. Gehe hier nicht mehr weg und bin
gekommen, um zu bleiben. Ein Anker steht am Schluss einer wilden Reise durch
Berg- und Talfahrten. Und dann ist es zu Ende.
Heimat ist für mich dort, wo mein Anker fest in der Erde
steckt. Ich habe viele Anker. An diesen Orten sind Dinge, die ich brauche, um
ich selbst zu sein. Der erste Anker ist mein eigener. Ein kleiner, aber sehr
wichtiger Anker. Mein Seelenkompass zeigt auf Reisen immer in diese Richtung. Da
sind vier Wände, die so aussehen, wie ich es mir vorstelle und die mich beschützen.
Da ist ein Geruch, den ich in- und auswendig kenne und der mir sagt: „Hier bist
du sicher.“ Da ist Luft, die alle Gefühle von mir speichert und Erinnerungen
portioniert wegschließt. Das ist also der Ort, an dem ich nach Hause komme. An
dem ich die Tür aufschließe, Schuhe in die Ecke werfe und gemütliche Klamotten
anziehe. An dem ich in der Badewanne sitze und schräge Lieder singe. Oder an
dem ich einfach im Bett liege, an die Decke blicke und mir Traumwelten ausmale.
Der zweite Anker steckt immer noch tief in der Erde des
Ortes, an dem ich aufgewachsen bin. Dabei geht es gar nicht direkt um den Ort
an sich. Dabei geht es ums Jungsein, um erste Erfahrungen, um prägende
Erlebnisse und um Familie. Familie ist ein kleiner Extraanker, der an dem
zweiten Anker dranhängt. Ein kleiner Extraanker mit Brilli. Heimat ist auch das,
was mich ausmacht. Und das wurde zum Großteil von diesem Anker geprägt.
Der dritte Anker ist in Wirklichkeit ein Krakenanker. Ein
Anker in mir drin mit vielen Greifarmen nach überall auf der Welt. Das sind Freunde.
Weil Freunde ja nicht immer da sein können, wo ich auch bin, sind sie eben
woanders, aber werden von mir festgehalten. Das funktioniert auch andersherum.
Wenn es mir schlecht geht, dann merken das die Krakenankerfreunde und halten
mich. Freunde als Heimat sind wichtig. Selbst wenn ich nirgends zuhause bin,
bei Freunden bin ich doch am Ende immer daheim.
Der beste Anker von allen ist der Mann. Bei ihm kann ich so
sein wie ich bin. Immer. Das macht ihn zu meiner Heimat. Egal, wo wir sind. Dieser
Anker hat auch eh immer so ein bisschen was von allen anderen Ankern dabei, was
ihn besonders komplett macht. Bei ihm kann ich ankommen, abladen, ausruhen. Ankommen,
abladen, ausruhen. Das ist Heimat in ihrer reinsten Form.
Schön. Sehr schön
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