2012-04-14

ANKOMMEN, ABLADEN, AUSRUHEN


Lisa hat einen sehr schönen Text zum Thema „Heimat“ für den Spiegel geschrieben. Das hat mich dazu veranlasst, selbst darüber nachzudenken, was der Begriff „Heimat“ eigentlich für mich bedeutet.

Anker. Mag ich. Ich mochte Anker schon als sie nur dicke, bärtige Seemänner auf dem Oberarm trugen. Ein Anker ist für mich das Sinnbild des Ankommens. Ich werfe den Anker aus. Gehe hier nicht mehr weg und bin gekommen, um zu bleiben. Ein Anker steht am Schluss einer wilden Reise durch Berg- und Talfahrten. Und dann ist es zu Ende.

Heimat ist für mich dort, wo mein Anker fest in der Erde steckt. Ich habe viele Anker. An diesen Orten sind Dinge, die ich brauche, um ich selbst zu sein. Der erste Anker ist mein eigener. Ein kleiner, aber sehr wichtiger Anker. Mein Seelenkompass zeigt auf Reisen immer in diese Richtung. Da sind vier Wände, die so aussehen, wie ich es mir vorstelle und die mich beschützen. Da ist ein Geruch, den ich in- und auswendig kenne und der mir sagt: „Hier bist du sicher.“ Da ist Luft, die alle Gefühle von mir speichert und Erinnerungen portioniert wegschließt. Das ist also der Ort, an dem ich nach Hause komme. An dem ich die Tür aufschließe, Schuhe in die Ecke werfe und gemütliche Klamotten anziehe. An dem ich in der Badewanne sitze und schräge Lieder singe. Oder an dem ich einfach im Bett liege, an die Decke blicke und mir Traumwelten ausmale.

Der zweite Anker steckt immer noch tief in der Erde des Ortes, an dem ich aufgewachsen bin. Dabei geht es gar nicht direkt um den Ort an sich. Dabei geht es ums Jungsein, um erste Erfahrungen, um prägende Erlebnisse und um Familie. Familie ist ein kleiner Extraanker, der an dem zweiten Anker dranhängt. Ein kleiner Extraanker mit Brilli. Heimat ist auch das, was mich ausmacht. Und das wurde zum Großteil von diesem Anker geprägt.

Der dritte Anker ist in Wirklichkeit ein Krakenanker. Ein Anker in mir drin mit vielen Greifarmen nach überall auf der Welt. Das sind Freunde. Weil Freunde ja nicht immer da sein können, wo ich auch bin, sind sie eben woanders, aber werden von mir festgehalten. Das funktioniert auch andersherum. Wenn es mir schlecht geht, dann merken das die Krakenankerfreunde und halten mich. Freunde als Heimat sind wichtig. Selbst wenn ich nirgends zuhause bin, bei Freunden bin ich doch am Ende immer daheim.

Der beste Anker von allen ist der Mann. Bei ihm kann ich so sein wie ich bin. Immer. Das macht ihn zu meiner Heimat. Egal, wo wir sind. Dieser Anker hat auch eh immer so ein bisschen was von allen anderen Ankern dabei, was ihn besonders komplett macht. Bei ihm kann ich ankommen, abladen, ausruhen. Ankommen, abladen, ausruhen. Das ist Heimat in ihrer reinsten Form.

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