2012-02-19

EXTREM LAUT UND UNGLAUBLICH NAH

"Extrem laut und unglaublich nah" habe ich schon vor ein paar Tagen gesehen. Ich musste ihn aber etwas wirken lassen, bevor ich darüber schreiben wollte. Direkt nach dem Film war ich mir nämlich nicht sicher, was ich jetzt davon halten sollte. Der Mann fand ihn gut: "Es ist halt ein modernes Märchen." Und die Schwester war sowieso begeistert, weil sie großer Tom Hanks Fan ist. Keiner von uns hat bis jetzt das Buch gelesen (es liegt aber schon bei der Schwester auf dem Nachttisch). Ich muss es jetzt lesen. Weil ich noch mehr über die Geschichte wissen will als zwei Stunden Schnelldurchlauf.

Vor einem Jahr hat Oskar (grandioser Name übrigens) seinen Vater bei den Anschlägen auf das World Trade Center verloren. Oskar ist zehn Jahre alt und ein absolutes Papakind. Sein Vater hat mit ihm Expeditionen gemacht, er hat ihm Rätsel gestellt und den verängstigten und neurotischen Oskar immer wieder herausgefordert. Jetzt ist er nicht mehr da. Und das bloß, weil er einen Termin im 106. Stock des World Trade Centers hatte. Oskar macht sich viele Vorwürfe, hat seinem Vater einen Schrein gebaut und hört sich immer wieder seine letzten Nachrichten auf dem Anrufbeantworter an. Bis er sich ein Jahr nach den Anschlägen traut, das Ankleidezimmer des Vaters zu betreten und Kisten anzuschauen. Dabei fällt ihm ein Schlüssel in die Hände, der sich in einem Umschlag mit der Aufschrift "Black" befindet. Oskar glaubt, die letzte Aufgabe seines Vaters gefunden zu haben und will nun unbedingt herausfinden, in welches Schloss der Schlüssel passt. Also besucht er alle Personen mit dem Namen Black in New York. Eine etwas größere Aufgabe...

Thomas Horn spielt den Oskar ganz grandios. Ein kleiner, neugieriger Junge, der sich aber nur mit Schellenkranz am Ohr traut, eine Brücke zu überqueren. Und U-Bahn fährt er sowieso nur mit Gasmaske. Auch Max von Sydow, der den Untermieter spielt, hat mir super gefallen. Er wohnt bei Oskars Großmutter und spricht nicht mehr. Trotzdem will er Oskar auf seiner Suche unterstützen. Der schwedische Schauspieler ist mit Recht für die beste Nebenrolle bei den Oscars nominiert. Ohne Worte so toll spielen zu können, fand ich sehr beeindruckend. Eher enttäuschend dagegen fand ich Sandra Bullock. Sie war zwar da, aber irgendwie blass und farblos. Auch der Soundtrack von U2 war für meinen Geschmack etwas zu viel des Guten. Die tolle Geschichte macht diese Dinge aber locker wieder wett. Der Film ist insgesamt für zwei Oscars nominiert: Neben dem besten Nebendarsteller auch für den besten Film. Bester Film wird er angesichts der Konkurrenz nicht werden. Wer aber auf groß inszenierte Märchen steht, der ist bei dem Film genau richtig. Diejenigen, die mir schon tausendmal von dem Buch vorschwärmten, werden wahrscheinlich eher ein wenig enttäuscht sein. Aber das ist mir egal. Ich fand's gut, so nach dem Sackenlassen. Für mich war der Film der Anlass, endlich das Buch zu kaufen und zu lesen. 

Kommentare:

  1. Das Buch ist genial - absolut empfehlenswert - und wer es noch nicht gelesen hat, dem kann ich es nur dringlichst ans Herz legen.
    Ich glaube allerdings nicht, dass der Film dem wirklich gerecht werden kann, denn was das Buch ausmacht ist nicht die Geschichte selbst, die zuweilen fast etwas klischeehaft amerikanisch daher kommt, sondern diese raffiniert arrangierte Detaildichte, aus und mit der Safran-Foer sein Werk gefertigt hat.
    Dieses Buch empfinde ich als Stück Weltliteratur der Gegenwart.

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  2. Foer ist mein aller absoluter Lieblingsautor,
    der meiner Meinung nach sämtliche Literaturpreise überhaupt verdient hat,
    und wenn der Film/Junge einen Oscar bekommt, wär' ich wahrscheinlich ein bisschen im Himmel ;)

    "Extremly loud and incredibly close" würde ich übrigens auch auf Englisch empfehlen, obwohl mir "Alles ist erleuchtet"(Everything is illuminated) eigentlich besser gefällt.

    Genieß' die Lektüre! ;)

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  3. oooh! mein lieblingsbuch, liebe ninia!
    es heißt bloß "extrem laut und unglaublich nah", da hat sich ein kleiner dreher in der überschrift eingeschlichen.
    so rum hört es sich aber mindestens genau so gut an.
    danke für die schöne filmbeschreibung, jetzt bekommt ich sogar lust auf den film,
    obwohl ich mich bisher gewehrt hatte, weil doch eigentlich nichts so schön sein kann wie das buch.
    der herr foer ist einfach zu gut für diese welt.
    liebste grüße!

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    1. Upsi!! Vielen Dank, schon geändert :). Ich habe mir jetzt dieses Buch und "Alles ist erleuchtet" bestellt und werde sie so schnell wie möglich lesen.

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