Ich stehe auf. Zähne putzen. Anziehen. Haare kämmen. Das alles ist schon zu viel Aufwand um den Tag zu rechtfertigen. Die Menschen im Bus sind mir unangenehm fremd. Ich presse mich gegen das kalte Fenster, um den Menschen neben mir nicht zu berühren. Die Leute steigen ein und bleiben stehen. Sie lassen niemanden nachkommen und gehen nicht weiter. Sie regen sich darüber auf, dass sie keinen Sitzplatz bekommen. All das ist anstrengend. Hier muss ich aussteigen. Ich bleibe sitzen. Heute fahre ich den ganzen Tag mit dem gleichen Bus im Kreis. Nach acht Stunden steigen wieder die gleichen Menschen ein wie am Morgen. Es geht von vorne los. Nur dass es jetzt dunkel ist draußen.
Ich telefoniere nur aus Höflichkeit. Sprechen ohne jemanden zu sehen, überfordert mich. Deshalb mache ich Dinge nebenbei. Ich blättere durch eine Zeitschrift oder sehe in den stummen Fernseher. Dabei rede ich und höre zu. Ich wünschte, ich könnte allen Menschen nur noch schreiben. Kurze Sätze, in denen ich im Gesamtergebnis mitteile, dass ich noch lebe und es mir gut geht. Auch wenn es mir nicht gut geht, soll man doch denken, dass es so sei. Das ist für das allgemeine Wohlbefinden besser. Rituale helfen mir. Brille ablegen, Handy anschließen, Wecker stellen, hinlegen, Handy kontrollieren, Licht aus, schlafen. Immer wieder. Rituale helfen mir.
Der einzige Ort, an dem ich mich wirklich wohl fühle, ist der Hafen. Ich blicke weit und sehe nur Meer. Der Wind pfeift uns um die Ohren und deine Handschuhhand wärmt meine Finger. Ich mag das. Wenn die Wellen sehr hoch sind, stelle ich mir vor, wie ich als Meerjungfrau dazwischen herumhüpfe. Oder wie ich als Seebär versuche, mein Schiff zu bändigen. Das hier ist Freiheit. Und wenn du neben mir sitzt und die Freiheit vom Horizont winkt, dann ist alles in mir sehr ruhig.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen