2011-12-29

Vom leichten Leben


Während der Feiertage hat der Blog eine kleine Pause gemacht. Jetzt geht's weiter! Ich genieße gerade meine freien Tage. Das ist schön. Und nebenbei schreibe ich die letzten Monatsrückblicke.

No. 6//Vom leichten Leben//Juni

Es ist Sommer überall und ich treffe Hunde, die ich nicht mag. Ich lese, lade ein, lasse andere lesen und freue mich. Ich will jeden Tag aufwachen und denken, nur noch einmal schlafen, dann geht der Flieger. Ich will dieses Vorflieger-Urlaubs-Kribbelgefühl jeden Tag im Bauch haben.  Ich treffe Urlaubsvorbereitungen und höre nur noch schöne Musik. Ich überlege, wie man diese Wohnung einrichten könnte, die da bald kommt. Und ich bin einfach ein bisschen glücklich, weil mir die Sonne aus dem Arsch Popo scheint.


Lykke Li - I'm Good, I'm Gone from Lykke Li on Vimeo.


2011-12-22

Der Christbaummann

Auf dem Platz an der Kirche, dort wo tagsüber in den letzten Tagen vor dem Fest sehr viele Menschen vorbeikommen, steht Eberhard jedes Jahr. Dort steht er und wartet. Um ihn herum stehen furchtbar viele Tannen. Nur noch Nordmanntannen. „Fichten rentieren sich nicht“, sagt Eberhard. Eberhard steht nun also dort und verkauft Weihnachtsbäume. Bis alle Bäume weg sind. In den letzten Jahren kommen oft Menschen vorbei, die erst einmal ein bisschen meckern. Über die Preise und dass doch hier eine Nadel abgebrochen ist und dort ein Ast krumm gewachsen. Aber Eberhard macht das nichts aus. Er weiß, dass die Menschen sich dann doch freuen, wenn sie den Baum zuhause stehen haben. Wenn er dann geschmückt ist und die Familie drum herum sitzt und mindestens alle sehr strahlende Augen haben.

Eberhard braucht keinen Baum. An Heiligabend muss er noch ziemlich lange arbeiten. Es kommen Geschäftsmänner vorbei, denen eingefallen ist, dass ja bald, also eigentlich jetzt, Weihnachten ist und sie noch einen Baum mitbringen müssen. Es kommen junge Paare vorbei, die vorher keine Zeit hatten, sich um dieses Weihnachtsgedöns zu kümmern und nun aber doch ein wenig konservativ im Herzen werden. Und es kommen Menschen vorbei, die ein bisschen so einsam sind wie Eberhard und sich wenigstens mit dem Baum am Heiligen Abend unterhalten wollen. Wenn dann alle Bäume verkauft sind, geht Eberhard in die Kneipe am Eck, um sich noch ein wenig zu stärken. Rosi hat auch an Heiligabend geöffnet und holt sogar eine Gans aus dem Ofen. Eberhard trinkt ein paar Bierchen und isst die leckere Gans von Rosi. Danach geht er nach Hause. Dort wartet niemand auf Eberhard. Er hängt seinen Mantel an den Haken im Flur, stellt eine Tasse mit Glühwein in die Mikrowelle und macht den Fernseher an. Dort sitzt er dann und schaut sich irgendeinen dämlichen, amerikanischen Weihnachtsfilm an, bis er einschläft. Der Glühwein in der Mikrowelle wird währenddessen wieder kalt.

An den anderen Tagen im Jahr arbeitet Eberhard als Betonmischer. Es ist ja so, dass die Menschen nicht das ganze Jahr über Weihnachtsbäume kaufen. Und deshalb braucht Eberhard noch einen Job außerhalb der Weihnachtszeit, der es zumindest zulässt, dass Eberhard seine Miete und ein paar Lebensmittel bezahlen kann. In der Betonmischerszene hat Eberhard ein paar Freunde. Die sind zumeist verheiratet und haben teilweise sogar schon Enkel. Enkel sind sicherlich was Schönes, denkt Eberhard. Er hätte auch gerne Enkel. Aber Eberhards Frau ist schon vor vielen Jahren gestorben. Bevor sie und Eberhard überhaupt die Chance hatten, Kinder zu machen. Eberhards Freunde sagen oft zu ihm, dass es doch schöner wäre, wenn Eberhard jemanden hätte, auf den er sich abends freuen könnte. Eine nette Frau, die wie er abends nach Hause kommt und sich auf ihn freut. Eberhard hätte das eigentlich gerne. Er weiß aber nicht ganz so genau, wie seine Frau das finden würde. Nur weil sie jetzt nicht mehr da ist, heißt das ja nicht, dass sie das nicht sehen würde. Manchmal hat Eberhard nämlich das Gefühl, sie würde auf ihn aufpassen. Von irgendwo schaut sie sich ihn an und lenkt ihn ein bisschen, damit er nicht ganz untergeht.

Am ersten Weihnachtsfeiertag geht Eberhard spazieren. Er hat jetzt ein paar Tage frei. Bäume braucht niemand mehr und die Betonmischzeit hat noch nicht angefangen. Eberhard verkauft immer so viele Bäume, dass er sich die paar freien Tage leisten kann. Das liegt auch daran, dass Eberhard immer ein bisschen Trinkgeld bekommt oder zumindest oft. Weil er so ein lustiges, faltiges Gesicht hat und Witze erzählt. Die erzählt er meist den Kindern, während die Eltern den Baum aussuchen. Und weil die Eltern froh sind, alles in Ruhe aussuchen zu können, zahlen sie ein bisschen vom-Kind-Befreiungsgeld an Eberhard. Eberhard geht also spazieren. Zum Glück hat es geschneit und alles ist weiß. Das findet Eberhard schön. Die Landschaft sieht dann viel ruhiger und beseelt aus. Und weil das hier eine Weihnachtsgeschichte ist, passiert jetzt etwas Schönes.

Plötzlich springt an Eberhards Bein ein kleiner Hund auf und ab. Der Hund sieht aus wie eine Mischung aus fünf verschiedenen anderen Hunden. Ein richtiger Rabauke. Aus der Ferne hört Eberhard eine Frauenstimme rufen: „Herr Minister! Herr Minister! Wo bist du?“ Nach kurzer Zeit taucht die Frau auf dem Weg auf. „Ach!“, ruft sie. „Das tut mir leid, er ist mir einfach ausgebüxt.“ Die Frau trägt weißes Haar und einen langen bunten Mantel. Sie hat rote Lederhandschuhe an und eine Leine in der Hand. „Der Hund heißt Herr Minister?“, fragt Eberhard lachend. Ja, so heiße er, bestätigt die Frau. „Und ich bin Hanni“, sagt sie und streckt ihm eine Hand hin, die sie schnell vom Handschuh befreit hat. „Eberhard“, sagt Eberhard und lacht immer noch. So schnell hört Eberhard auch nicht mehr auf zu lachen. Ungefähr für die nächsten zwanzig Jahre oder noch länger. Ab sofort braucht Eberhard auch jedes Jahr einen Weihnachtsbaum. Er ist schlau und sucht sich deshalb direkt am Anfang der Verkaufszeit den schönsten Baum aus. Den nimmt er dann gleich mit nach Hause und legt ihn bis Weihnachten auf den Balkon. Er und Hanni finden nämlich, dass man einen richtigen Weihnachtsbaum erst an Heiligabend aufstellt und schmückt. Und so machen sie es auch. Ab sofort. Und Herr Minister steht drunter und bellt.


Ich wünsche euch allen ein zauberhaftes Weihnachtsfest, mit viel Glitzer und Süßigkeiten und Ruhe! Vielen Dank, dass ihr mich immer wieder anklickt und so tolle Kommentare schreibt. Merry Christmas!

2011-12-21

Vom Planen



No. 5//Vom Planen//Mai

Mit der Liebe ist das ja so eine Sache. Bei mir ist es eine gute Sache. Das hilft, ganz viel darüber nachzudenken und beste, gute Filme zu sehen. Ich versuche verzweifelt, reimende Dinge nieder zu schreiben, um reimende Dinge vorzutragen. Es klappt nicht. Der Mann versucht, Urlaubsreisen zu planen. Das klappt. Und gemeinsam versuchen wir eine Wohnung zu finden. Das klappt auch. Im Kopf habe ich noch andere Dinge, die mich beschäftigen. Wie das mit diesem Job weitergehen soll. So jedenfalls nicht. Aber das wird sich ändern. Noch in diesem Jahr.

2011-12-20

Piratenherz

Zwischen all den Monatsrückblicken heute mal was anderes. Ich bin neu verliebt. In eine kanadische Dame. Ich kenne sie schon, aber jetzt kommt die Begeisterung plötzlich wieder. Diese Frau macht so tolle Musik. Das hört sich alles wunderbar an. Ich erinnere mich daran, wie ich als kleines Mädchen erklärt habe, dass ich später unbedingt französisch lernen möchte, weil die Sprache sich so elegant anhört. Als ich es dann in der Schule hatte, fand ich es schrecklich. Jetzt aber, und mit dem Geklimper dazu, fantastisch! 

Béatrice Martin ist 22 Jahre alt und kommt aus Montreal. Sie hat erst in einer Band gespielt und dann aber dieses alte Ding namens MySpace entdeckt (ihr erinnert euch, diese musikalische Social Network...). Umbenannt in Coeur de Pirate und schwupps, ging sie ab wie eine Rakete. Das Debutalbum läuft bei mir schon seit einigen Jahren auf und ab und nun endlich, endlich im Januar kommt auch ihr neues Album raus. Deswegen habe ich sie jetzt für mich wieder entdeckt und kann überhaupt nicht mehr aufhören, diese und andere Songs zu hören.


2011-12-19

Vom Treibenlassen


No. 4//Vom Treibenlassen//April

Ich komme rum. Und schreibe den Text. Es ist alles richtig, so wie es sich gerade anfühlt. Ich komme an. Bei dir und in mir selbst. Weiß nun, was das alles werden soll. Ich gucke immer viel zu viele Filme, die mir Leben zeigen, die es nicht gibt. Ich probiere aus. Bauchtanz, Gefühle und Kochen. Alles richtig. Ich denke nach. Über das Zurücktreten und warum fliehen nie eine Option sein kann. Und das mit dem Fliehen, das verwerfe ich auch ganz schnell, als die Sache mit dem Bier plötzlich aus dem Ruder läuft, auf eine gute Weise.

2011-12-18

Was bald kommt

Jetzt bald, nachdem der dicke Mann mit dem weißen Bart da war und alle furchtbar viel gegessen haben, sind da vier Tage, an denen ich absolut nur das tun werde, wozu ich Lust habe. Vier Tage frei, vier Tage, an denen es nur Termine gibt, die ich mir selbst gegeben habe. Also fast ausschließlich Termine, die in meinem Bett oder vor dem Fernseher stattfinden werden. Für diese Zeit wünsche ich mir mehr Dinge, als mir je jemand zu Weihnachten schenken könnte. Ich wünsche mir Zeit. Ich wünsche mir Zeit zum Schreiben. Zum mit durchwühlten Haaren im Bett sitzen und im Hintergrund läuft Mr. Fitzsimmons und ich schreibe Gedanken in das weiße Gerät, das dann auf der Bettdecke liegt. Direkt neben dem nackten Mann, der einfach vier Tage lang neben mir liegen wird und meine Heizung sein darf. Ich wünsche mir ganz viel Kakao und Lebkuchen mit so flüssigem Zeug drin.

Ich wünsche mir Badewasser mit Glitzerschaum und gute Bücher, die auf dem Badewannenrand liegen und gemeinsam mit dem Glühwein nur darauf warten, dass ich mal aus dem Bett steige und in die Badewanne umziehe. Ich wünsche mir gute Gespräche mit Freundinnen, die vorbei kommen und auch viel Kakao haben wollen. Wir sitzen dann auf dem Riesensofa und bewundern den leuchtenden Stern am Fenster oder die ganzen Kerzen, die ich in völliger Ruhe nach Weihnachten gekauft habe. Ich wünsche mir, plötzlich furchtbar gut Ukulele spielen zu können und dann ein Video nach dem anderen aufzunehmen. Ich singe Adele und spiele mir die Finger wund und werde ein großer YouTube-Star. In nur vier Tagen.

Und dann wünsche ich mir, dass das Ganze nicht nur vier Tage dauern würde, sondern für immer. Und für immer Spaß machen würde. Das wird ja auch nicht langweilig. Meine Haut würde etwas schrumpelig werden und möglicherweise verhungere ich irgendwann, wenn ich das Haus nicht verlasse. Aber mein Gott, man muss manche Dinge auch hinnehmen können, ohne zu meckern. Ich versinke in meinem eigenen Nach-Weihnachts-Glitzer-Traum und bin für immer glücklich.



2011-12-16

Vom Verlorengehen


 No. 3//Vom Verlorengehen//März

Die Frage, die ich mir ganz oft stelle, lautet, wie kann ich mich davonstehlen. Was heißt das überhaupt, davonstehlen. Ich klaue mich selbst. Klaue mich selbst weg und bin nicht mehr da. Menschen gehen ins Fundbüro und fragen nach mir, aber ich bin nicht da. Regal 45/7 ist leer, da sind immer die Menschen drin, die verloren gehen. Aber zur Zeit können sich alle zusammenreißen. Alkohol kann helfen, kurz weg zu sein und dann wieder zu kommen. Aber wozu eine Rückkehr?
Die Luft ist rau und ich schalte Herdplatten aus und Erfolg ein. Der Mann und ich reisen durch's Land und ich treffe eine gute Stadt, die mir außerordentlich gefällt und im Kopf bleibt. Und wir denken, dass es an der Zeit ist, etwas anders zu machen. Dass wir vielleicht Möbel zusammenschmeißen. Demnächst.

2011-12-15

Where to go?


No. 2//Wo waren wir?//Februar

Zeit rast. Und ich weiß einfach nicht mehr, was los war. Ich wusste auch nicht, wohin es gehen sollte. Alles war unsicher. Bis auf das wir. Du musst da sein, egal, was passiert. Manchmal steigst du mir zu Kopf. Du hast auch einen Bart, was gut ist. Was ich sage, denken viele und alles explodiert. Traurige Geschichten wandern auf Papier und warten auf den Frühling, in dem alles besser werden soll. Und ich überlege, wann ich Kisten packen werde, in diesem Jahr.

2011-12-13

24/12. 2011, wie ging's dir eigentlich?

Eine Person, die ich unbedingt mal ohne Bits und Bytes kennenlernen muss, ist die zauberhafte Kathrin von drueberleben. Und die Madame hat sich jetzt ein Projekt ausgedacht, bei dem ich gerne mitmachen möchte. Die nächsten 12 Tage wollen wir in 12 Geschichten, Erinnerungen oder Erlebnissen reflektieren wie dieses Jahr, das jetzt vorbei geht, eigentlich war. Ich hoffe, dass ich es jeden Tag schaffen werde, wenigstens eine Erinnerung zu posten. Ich mache das für mich selbst, um nochmal zu sehen, was in diesem großen Jahr eigentlich passiert ist. Was ich abhaken und aus dem Kopf schmeißen will und was besonders toll war. Ich finde die Idee super und hoffe, dass noch viele andere von euch mitmachen werden. Hier nun also der Anfang vom Projekt.



No. 1//Alles neu//Januar

Frisch geschlüpft. Alles beginnt wie immer mit Herrn Lehmann. Nicht die Elektrolyte vergessen. Ein Ritual. Neujahr. Ich plane und beginne zu reisen. Ich bereise Bühnen. Laute Bühnen, leise Bühnen. Viele neue Bekanntschaften und endlich Mut im Bauch, um Texte in die Welt hinauszurufen. Das virtuelle Baby bekommt ein neues Outfit und wird zum Sprachrohr. Es ist so viel Buntes in mir und so viele Ideen. Und es hört nicht mehr auf zu schneien. Keine Vorsätze machen alles einfacher.

2011-12-12

Blue Valentine

"You'll always hurt the ones you love."

Endlich haben dieser Film und ich zusammen gefunden. Als er im Kino lief, wohnte ich nämlich noch in Göttingen und der Film lief in der "näheren" Umgebung nur in Kassel und Hannover (yeah, Göttingen, willkommen in der Stadt der geschlossenen Kinos). In großer Vorfreude habe ich ihn deswegen bei Amazon vorbestellt und vor einigen Tagen bekommen. Und ich wurde nicht enttäuscht. 

Dean und Cindy treffen sich das erste Mal in einem Altenheim. Es ist die Geschichte einer anfangs romantischen und später fast unerträglichen Liebe, die Regisseur Derek Cianfrance in einzelnen Rückblicken erzählt. Gerade noch auf der Straße gestepptanzt, bekommen die beiden ein Kind, heiraten und ziehen zusammen. Vor allem Cindy hat sich ihre Zukunft anders vorgestellt. In der gegenwärtigen Rahmenhandlung fahren Dean und Cindy in das "Zukunftszimmer" eines Motels, betrinken sich bis zur Besinnungslosigkeit und realisieren langsam, dass ihre Beziehung kaum noch zu retten ist. Vor allem die Szenen im Motel sind für den Zuschauer fast nicht zu ertragen. Sowohl Michelle Williams als auch Ryan Gosling spielen extrem gut und sehr realistisch. Wenn man frisch verliebt ist, sollte man sich den Film vielleicht nicht anschauen. Wer aber auf intensives Schauspiel und ein sehr nah erzählte Story steht, dem sei dieser Film sehr ans Herz gelegt. Ich werde ihn mir bestimmt noch einige Male anschauen.

2011-12-07

Die Suche nach der guten Luft


Es war fast so, als hätte das alte Wohnmobil nur darauf gewartet, von Herrn Köstelmaier gefunden zu werden. Das Wohnmobil trug ein blasses Gelb und stand wahrscheinlich schon seit Jahren an diesem Platz, ohne dass jemand gewusst hätte, wem es gehört oder wer es einst dorthin gestellt hatte. An diesem Morgen nun spazierte Herr Köstelmaier mal wieder durch den Wald, während Frau Köstelmaier daheim das Mittagessen zubereitete. Er freute sich schon auf eine ordentliche Portion Rotkohl. Es war Herbst und da Herr Köstelmaier so gerne Rotkohl aß im Herbst, kochte Frau Köstelmaier jeden zweiten Tag etwas mit Rotkohl. Frau Köstelmaier konnte das ganz gut, das mit dem Rotkohl. Sie schnippelte noch ein wenig Apfel rein, warf nur eine kleine Prise Zimt hinzu und hatte noch zwei, drei andere Geheimzutaten, die den Rotkohl so machten, dass Herr Köstelmaier ihn gerne aß.

Als Herr Köstelmaier an diesem Morgen so tollkühn gewesen war und einen anderen Weg als üblich einschlug, kam er am Ende auf einen kleinen Parkplatz. Dort stand nur das alte Wohnmobil. Sonst nichts. Herr Köstelmaier wunderte sich erst und spazierte ein wenig die enge Straße hinab, die zu dem Parkplatz führte, aber er konnte weit und breit niemanden entdecken. Also schlich er sich zurück zum Wohnmobil und luchste heimlich in die Fenster. Man hörte ja so einiges von Wohnmobilen, die verlassen an engen Waldstraßen standen. Herrn Köstelmaier war auch nicht ganz wohl bei der Erwartung im Wohnmobil gleich eine, wohlmöglich, nackige Dame zu entdecken, die nur darauf wartete, dass er hereinschaute. In dem Wohnmobil aber war es nur sehr staubig. Überall Staubkörnchen, aber keine Menschenseele. Es sah nett aus dort drinnen. Pastellfarbene, kleine Ledercouch, ein enges Bett und zwei kleine Herdplatten. Insgesamt sah es so aus wie die Küche von der Tante von Herrn Köstelmaier. Damals, Ende der 40er, als Herr Köstelmaier Frau Köstelmaier nur als „das blonde Zopfmädchen von nebenan“ kannte.

Da kam Herrn Köstelmaier eine famose Idee. Frau Köstelmaier war schon längere Zeit etwas krank und sprach abends während der Tagesschau immer davon, dass sie eigentlich gerne nochmal eine andere Luft riechen wollte. Was das genau bedeutete, wusste Herr Köstelmaier nicht so richtig, denn die Luft war ja überall die gleiche und in Wirklichkeit wollte er auch gern hören, was der Reporter aus Ägypten gerade erzählte. Aber nun schien er eine kleine Ahnung zu haben, wovon Frau Köstelmaier immer sprach. So schnell ihn seine gebrechlichen Beine tragen konnten, lief er heim.

„Goldlöckchen“, rief er, als er die Küchentür aufriss. „Pack deine kleine Reisetasche, es geht los.“ „Zieh du erst einmal deine Schuhe aus“, antwortete Frau Köstelmaier und putzte sich die Hände an der Schürze ab. „Was soll das heißen, es geht los? Das Essen ist gleich fertig.“ „Das ist ganz egal“, sagte Herr Köstelmaier. „Ganz egal. Wir suchen jetzt die andere Luft.“ „Ich glaube, du hast andere Luft inhaliert, alles in Ordnung?“ fragte Frau Köstelmaier und begann schon mal den Tisch zu decken. „Nein, nein, Goldlöckchen, hör mir zu: Du stellst jetzt den Herd aus, packst dein Nachthemd und was du noch so brauchst, ein und dann fahren wir los.“ Frau Köstelmaier fand das alles sehr amüsant. Wie stellte er sich das denn vor? Andererseits, wegen dieser Verrücktheiten hatte sie sich damals in ihn verguckt. Warum nicht jetzt endlich mal die olle Tristess durchbrechen. „Na gut“, sagte Frau Köstelmaier. „Wann sind wir denn wieder da?“ „Das kann man nicht sagen“, sagte er Köstelmaier und räumte die Teller zurück in den Schrank. „Wenn wir die gute Luft gefunden haben.“

Zwei Stunden später kamen Herr Köstelmaier, Frau Köstelmaier und Rabauke, der kleine Rauhaardackel, am Wohnmobil an. Herr Köstelmaier hatte schon viele Sendungen über Einbrecher gesehen und zuhause genau das richtige Werkzeug eingepackt, um jetzt in null komma nichts die Tür des Wohnmobils aufbrechen zu können. „Aber das dürfen wir doch nicht, das ist verboten“, flüsterte Frau Köstelmaier, die sich, weil Herr Köstelmaier das so wollte, noch schnell eine Strumpfmaske übergezogen hatte. Sie fand das recht dumm, weil die Maske ihre Locken platt drückte, aber wenn Herr Köstelmaier das gerne so wollte, sollte es ihr recht sein. „Schnell, schnell, steig ein“, sagte Herr Köstelmaier da schon und Frau Köstelmaier kletterte in das Wohnmobil.

Herr Köstelmaier startete den Motor. Er war sehr aufgeregt. Frau Köstelmaier hatte noch schnell den gröbsten Staub weggewischt, damit sich Rabauke auf die kleine gelbe Couch legen konnte. Jetzt saß sie neben Herrn Köstelmaier auf dem Beifahrersitz und hatte sich die Strumpfmaske in die Haare geschoben. „Huh, was das wohl wird, wo willst du denn überhaupt hin?“ fragte sie. „Ich weiß es nicht“, sagte Herr Köstelmaier. „Aber das Wohnmobil wird schon wissen, was wir brauchen.“ Erstaunlicherweise ließ sich das Wohnmobil ohne Probleme starten, es war sogar noch genug Benzin im Tank, um wenigstens bis zur nächsten Tankstelle zu kommen. Und so drückte Herr Köstelmaier ein wenig zittrig auf das Gas und steuerte das Wohnmobil aus dem kleinen Waldstück hinaus.


[Fortsetzung folgt]

2011-12-05

Wie ich fast ein Nilpferd streichelte.

Hier. Mein neuer Kumpel.

Heute waren der Mann und ich im Winterzoo. Was das genau ist und was man da machen kann, erfahrt ihr auf stadtanderleine. Auf jeden Fall bin ich riesiger Nilpferd-Fan. Und als ich gerade an der Scheibe stand, schwamm das Nilpferd ganz oft vorbei und auf mich zu und drehte sich und machte Faxen. Ich bin fast ausgeflippt. Das war richtig toll. Die Dinger sind ja echt riesig! Und auch eklig, die schwimmen nämlich in ihrer Kacke herum. Macht aber nichts, ich finde die trotzdem gut. Die Eisbären haben sich dann mal ein bisschen geprügelt, als wir kamen. Was für eine Show! Das müssen übrigens krasse Raucher sein, so gelbe Haare wie die hatten. Und dann hat plötzlich auch noch ein kleines Känguru-Baby aus dem Beutel seiner Mama herausgeschaut und sich geputzt und wir standen direkt daneben!! Hach, das war alles toll. 

Im Winterzoo kann man dann auch Schlittschuhlaufen. Schisshäsin Ninia hat natürlich vorher total rumgenörgelt. Am Ende sah ich eleganter aus als der Mann. Ging doch ganz gut. Und hat Spaß gemacht. Partyweihnachtsmucke und bunte Lichter. Was für ein schöner Tag ♥!

Da guckt ein Baby aus dem Beutel!!! Und wir standen direkt daneben. Knaller!

Prügelei!

Die nächsten Lieblingstiere. ERDMÄNNCHEN. Die sind auch dumm. Lassen sich mit Schlüsselklappern anlocken, weil sie denken, es gibt Futter. Hihihi. 
Mama und die beiden Jungs.