2011-09-28

Einmal kurz nachdenken.

Heute mal ein ernstes Thema. Ich hab schon einen. Schon lange. Und weil ich, seitdem mir mal die Geldbörse (niemand kann Portemonnaie schreiben...) geklaut wurde, zwei Geldbörsen habe, habe ich auch zwei Ausweise. Auf diesen Ausweisen kann man eintragen, ob man Organe spenden möchte, wenn ja, welche oder wer darüber im Notfall entscheiden darf. Was ihr ankreuzt, ist natürlich ganz und gar eure Sache. Ich will nur, dass ihr mal kurz überhaupt darüber nachdenkt und dass ihr wisst, dass ihr euch im Internet schlau machen könnt und sogar einen Ausweis ausdrucken könnt. So sieht's aus!

2011-09-27

Ich möchte sehen, wie du stirbst.

Manchmal denke ich, ich möchte sehen, wie du stirbst. Ich möchte, dass jemand den Raum betritt und irgendetwas macht, dass dich sterben lässt. Und ich schaue zu. Manchmal wünsche ich mir nachts, du würdest aufhören zu atmen. Einfach um zu wissen, was dann passiert. Ich will gar nichts dazu beitragen. Es soll einfach so passieren. Und dann will ich sehen, wohin deine Seele geht. Und sobald ich das denke, weiß ich, dass das Gedanken sind, die man nicht denken darf.

Wir sitzen am Küchentisch und du hast gekocht. Ich habe Wein mit nach Hause gebracht. Du hast mich angeschaut und so gelächelt, wie ich es hasse, wenn du lächelst. Es ist dieses „Och, also, nee“-Lächeln, das mich erniedrigt und mich wissen lässt, dass du der einzige bist, der überhaupt weiß, wie das Leben funktioniert. „Och, also, nee“, hast du gesagt. „Du kannst doch keinen Chianti dazu trinken. Also, manchmal hast du echt Ideen.“ Und ich denke: ‚Ich hasse dich.’ Und sage: „Wieso nicht?“ Tststs, du schüttelst den Kopf und erklärst mir was von trockenen Abgängen und zusammen mit dieser speziellen italienischen Pasta, also nee. Ich reiße dir die Flasche aus der Hand, öffne sie und nehme drei große Schlücke, direkt aus der Flasche. Einige Tropfen landen auf meinem Shirt und mein Mund sieht aus, als hätte ich Marmeladenbrote gegessen. Du schaust mich an und flüsterst: „Manchmal übertreibst du es echt.“ Ich flüstere: „Ich möchte sehen, wie du stirbst.“ Und du meckerst: „Was? Ich habe dir schon hundert Mal gesagt, dass ich nichts verstehe, wenn du flüsterst.“ „Ich möchte sehen, wie du rührst, ich mag die Bewegung deiner Arme.“ Du hältst mich für verrückt. Und ich mich auch.

Am nächsten Tag sitze ich weinend auf dem Stuhl und du hast die Schere in der Hand. Überall liegen Haare, kurz und lang und ausgefranst. Du warst fünf Minuten zu spät. Weiß ich doch nicht, dass der Bus kurz anhalten musste, weil ein kleines Kind mit dem Dreirad nicht von der Straße runtergefahren ist. Du warst fünf Minuten zu spät. Weiß ich doch nicht, dass du sofort versucht hast, mich zu erreichen, ich aber nichts gehört habe, weil ich aus dem Fenster starrte und das Telefon nicht da war. Du warst fünf Minuten zu spät. Weiß ich doch nicht, dass das normal ist, wenn man sich mal verspätet und Menschen sich keine Sorgen machen müssen, wenn das mal passiert. Du warst fünf Minuten zu spät. Fünf Minuten zu spät.
Ich dachte, du magst mich nicht mehr und habe mir im Bad alle Haare abgeschnitten, die ich auf die Schnelle greifen konnte. Dann hast du die Tür aufgeschlossen und mich erst nach zwei kurzen Momenten gesehen. Wie ich da stand. Nur im Unterhöschen und mit schlotternden Beinen. Die Haare stehen wild vom Kopf ab, weil sie jetzt ganz unterschiedlich lang sind. In der einen Hand die Schere und in der anderen die Wut. Und überall liegen Haare, kurz und lang und ausgefranst.
Du hast mich angeschaut. Ungläubig, zweifelnd. Hast mich gefragt, was ich da mache. „Mich schön machen. Mich schön machen, damit du heimkommst“, habe ich gesagt. „Du bist fünf Minuten zu spät.“ Dann hast du den Stuhl geholt, mich drauf gesetzt und meine Haare auf eine Länge geschnitten. Dabei hast du mir die Geschichte von dem Kind mit dem Dreirad erzählt. Und ich habe die ganze Zeit geweint.

„Weißt du, wo Seelen hingehen, wenn man stirbt?“, frage ich dich einige Zeit später. „Was soll das, Mimi, wo sollen Seelen denn hingehen?“, sagst du. „Meinst du, die fliegen dann einfach aus dem Körper raus?“ Ich zucke mit den Schultern, während sich unsere Zigaretten im Balkonaschenbecher treffen. Du hast wieder angefangen, weil ich nicht aufhören konnte. Und nur zuschauen, das ist nichts für dich. „Ich springe jetzt hier runter und dann guckst du mal, wo meine Seele hinfliegt“, schlage ich vor. „Hör auf mit dem Scheiß“, sagst du nur.

Du riechst komisch. Das habe ich schon vor einiger Zeit festgestellt. Plötzlich hast du anders gerochen und jetzt riechst du komisch. Deshalb kann ich jetzt nicht mehr meinen Kopf auf deinen Bauch legen, wenn wir vor dem Fernseher sitzen. Und weil ich das nicht tun kann, kann ich keine Haare mehr zählen und mich vom bekloppten Fernsehprogramm ablenken. Es prasselt alles auf mich ein und ich kann nichts einordnen. Du fragst plötzlich in den Fernsehlärm hinein, ob ich mich schon beworben habe. Und ich denke: ‚Nein. Ich habe so viele Dinge zu tun. Zum Beispiel Nachdenken. Da kann ich mich nicht auch noch bewerben.’ Mein Mund sagt: „Ja ja, zwei Sachen, mal schauen, wann die sich melden.“ Du machst den Ton aus und schaust mich an: „Du musst dich langsam sputen.“ Ich antworte: „Ich möchte, dass du stirbst.“

Ich hätte dir gerne gesagt, dass ich Hilfe brauche. Aber Gedanken sind anders als Worte.

2011-09-26

Ein schweinisches Gewinnspiel



Ein bisschen aufgeregt bin ich schon. Einfach weil ich mich sehr, sehr freue, mit diesen tollen Menschen auf einer Bühne zu stehen. Und zwar am Donnerstag, ab 20:30 Uhr im Nörgelbuff in Göttingen. Marc Domin, Rikje Stanze und ich lesen Dinge vor. Und Benjamin Kaiser spielt dazu. Und er spielt schön. Für lausige fünf Euro seid ihr dabei und wenn ihr noch studiert, sogar für drei Euro. Kommet & staunet!



Außerdem verlose ich an dieser Stelle 1x2 Gästelistenplätze für dich und eine/n Freund/in. Unter allen Kommentaren unter diesem Post (und auf meiner Facebook-Seite) werde ich in glitzeriger Glücksfee-Manier eine/n glücklich/n Gewinner/in ziehen. Das Gewinnspiel endet am Mittwoch, um 18 Uhr!

2011-09-25

So, mal gucken, wie's hier aussieht.

Vor kurzem kam ich von der Arbeit nach Hause und der Mann und ich beschlossen, noch einen kleinen Spaziergang zu machen, um unsere neue Hood zu inspizieren. Ich hatte natürlich meine kleine Kamera dabei, um die ersten neuen Eindrücke festzuhalten. Es ist doch ziemlich schön hier. Und: Selbst das Handelsblatt hat unser Viertel letztens bei den Trendvierteln in Hannover (sollte es so etwas hier überhaupt geben...) auf Platz eins gepackt. Yeah, we're hipster deluxe!

Um das zu verstehen, muss man das Logo von Eintracht Braunschweig kennen. Dem Verein, der hier in Hannover äußerst beliebt und anerkannt ist. Wie man sieht.

Wasser. Mit Booten. Also: Wasser. Ist das nicht super! Ein bisschen Hansestadt vor der Haustür. Yeah.

Noch mehr.

Ich mag Fleisch. Immer noch. Aber das Schild fand ich nett.

Hier in Hannover rutschen die Leute morgens ruckizucki aus'm Fenster auf den Fußweg. Es gilt, keine Zeit zu verlieren.

Selbst die Lädchen haben hier nette Namen.

Also los.

2011-09-23

Pleased to meet you... Mr. Derrick Brown.

Vor kurzem bin ich nach fünf Jahren Abwesenheit wieder in meine alte Studienheimat Marburg zurückgekehrt. Nur für einen kurzen Moment. Einen Bühnenmoment. Dort, wo ich früher englischsprachige Musicals geschrieben und einstudiert hab, fand ein Slam statt. Überhaupt. Nicht nur ein Slam. Wirklich, und das muss man mal frei heraus sagen, ein wirklich schöner Slam. Es ist alles ganz eng und die Leute sitzen dir fast auf dem Kopf und mit dir auf der Bühne, aber ich mag das ja. Und Kinder, ich habe in der Vorrunde fünfmal die zehn bekommen. Das ist ungefähr ein Ritterschlag für mich gewesen. Davon und von den schnuckeligen Moderatoren Bo und Lars mal ab, durfte ich Derrick Brown kennenlernen. Der war nämlich als Special Guest da. Ein unglaublicher netter Mensch, mit Tattoos am Arm (hach) und ein grandioser Poet. Ich war hin und weg. Der Mann war mit den Cold War Kids auf Tour. Als Vorband-Poet. Als Poet! Das könnte doch noch was werden mit meiner Rockstar-Karriere, nur dass ich dann eben Gedichte vortrage und andere Schlagzeug spielen lasse. Derrick arbeitet auf der Bühne mit Licht und Musik und seinen Texten. Und das ist einfach wunderbar. Schaut euch seine Seite an, vor allem die Clips, saugt sie ein und lauft in Scharen dorthin, wo dieser Mann auftritt. Es lohnt sich.

2011-09-21

Herzmann.


Das ist der Mann. Neben gut aussehen während die Sonne untergeht, kann er auch andere Dinge. Zum Beispiel Käsesuppe kochen, Jalousien aufhängen, *piiiieeeep* und basteln! Schaut doch mal in seinen Shop!

A Creature You Should Know


via

Als ich Laura Marling das erste Mal hörte, war sie noch ein Teenager, kein Mensch wollte Folk hören und ich war ein bisschen in sie verliebt. Inzwischen ist ihr drittes Album namens "A Creature I Don't Know" erschienen und sie ziert das Cover des Kulturspiegels. In ihrer Heimat ist sie sowieso schon bekannt und beliebt (2011 erhielt sie den BRIT Award als beste britische Solokünstlerin), nicht zuletzt des Gossips wegen: Laura ist die Freundin von Marcus Mumford, dem Sänger von Mumford and Sons. An sich soll sie in ihrem bisher kurzen Leben schon viele Musikerherzen gebrochen haben. Kein Wunder, bei der Stimme und dem feenhaften Aussehen. Inzwischen ist Folk-Musik auch wieder ganz hip und während draußen die ersten Blätter von den Bäumen fallen, der kalte Wind langsam um die Häuserecken biegt und der erste Schnupfen Einzug hält, passt ihre Musik perfekt zur Stimmung. Ich kann euch nur empfehlen, mal reinzuhören. Ach so, und dass ich jetzt wirklich mal Gitarre lernen will, ist ja wohl auch klar.



2011-09-19

Sexismus deluxe: Abnehmtee für Frauen & Bikinischönheiten

Eine Freundin gab mir letztens einen Aufregertipp: Bei DM gibt's Tee zur Unterstützung beim Abnehmen, mit dem schönen Namen "Frauentee", denn Männer trinken keinen Tee und müssen ja auch nicht abnehmen. Schnell gegoogelt und der Konzern "Bad Heilbrunner" bringt tatsächlich zwei Sorten Tee unter der Reihe "Frauentee" heraus: Wohlfühlen (während der Regel) und Vitalität (während des Abnehmens). Die erste Variante kann ich ja sogar noch nachvollziehen. Wobei man als Frau während der Tage auch einfach stinknormalen Tee trinken kann, wenn man möchte. Aber gut, irgendwie muss man das Zeug ja verkaufen. ABER: Vitalität beim Abnehmen? Und dann auch noch nur für Frauen? In der Welt von Bad Heilbrunner scheinen Männer weder mehr Vitalität noch Abnehmen nötig zu haben. "Männertee" führen sie übrigens nicht in ihrem Sortiment. Was ich ziemlich gemein gegenüber teetrinkenden Männern finde. Ich hätte da einige Produktvorschläge für Bad Heilbrunner, damit sie auch ja nie aus ihrer verklärten Welt herauskommen:

- Männertee mit Biergeschmack! Für mehr Gemütlichkeit beim Fußballgucken!
- Männertee mit Testosteron-Extra! Für noch mehr Bartwuchs.
- Männertee mit kleinen Papier-Bikinischönheiten anstatt den langweiligen Papierschnipseln, wo eh nur drauf steht, wie lange der Kram ziehen soll. Wenn die Olle nackig ist, kann der Beutel rausgenommen werden.

Na gut, lassen wir das. Nicht, dass die tatsächlich noch ne Idee von mir klauen!

Apropos Bikinischönheiten: Max Scharnigg von jetzt.de hat einen Artikel geschrieben, den man mit einem Satz zusammenfassen könnte: Eine Frau geht angeln. Weil das aber langweilig klingt und niemand lesen würde, hat er folgende Überschrift gewählt: "Barschexpertin im Bikini". Aha, obacht! Hier gibt's ne Frau im Bikini zu sehen! Und schon wandern die Klickzahlen nach oben. Von den dümmlichen Kommentaren mal abgesehen ("Kann mal jemand den Fisch auf dem Bild entfernen"). Außerdem wird im Artikel noch mehrmals erwähnt, dass das Mädel hübsch ist ("Für die Firma ist sie nicht nur ein exotischer Hingucker"). Klaro, egal wie gut die Frau in dem ist, was sie macht, hauptsache, sie ist nebenbei auch noch hübsch. Das ist wichtig. Gähn.

Ich hab ja länger nichts mehr in die Richtung gebloggt, weil mir die Kommentare und Mails dazu meist auf die Nerven gehen. Aber scheiß drauf. Das musste raus. Morgen gibt's dann wieder was Neutrales: Schöne Musik.


2011-09-18

Arte WebSlam

So, Fans, Freunde & Wegbegleiter: Beim Arte WebSlam geht es diesmal um den allerletzten Startplatz für die Deutschen Meisterschaften im Poetry Slam! Ihr könnt jedem Beitrag 1 bis 5 Punkte geben (wobei die 5 natürlich das Beste ist) und dabei mitbestimmen, wer an dem riesigen Spektakel in Hamburg teilhaben darf. Der Vorverkauf läuft übrigens schon, falls ihr also live dabei sein wollt, müsst ihr euch sputen. Kommen wir zum Sinn dieses Posts: Ich bin auch dabei! Beim WebSlam. Ich würde euch also mit Glitzer bewerfen und in meine Gebete einschließen, wenn ihr für mich abstimmt. Das Rennen läuft noch bis zum 3. Oktober!

2011-09-15

Automaten sind böse.


Alle Automaten sind meine persönlichen Feinde. Als ich nach einem Slam in den letzten Tagen spät abends am Bahnhof herumlungerte, überkam mich der Wunsch nach Elektrolyten. Ich ging also zu einem dieser Süßigkeiten-Automaten und warf Geld hinein. Ich tippte eine Nummer. Die 13 (sic!). Die oberen Eisenklammern bewegten sich. Die Chipstüte fuhr nach vorne, sie fiel. Und blieb an einer Capri-Sonne, die neckisch aus ihrem Gefängnis hervorlugte stecken.
Gut, dachte ich, das ist ja blöd jetzt. Ich bollerte ein bisschen an dem Automaten herum. Wollte allerdings auch nicht auffallen, da kurz zuvor, sechs Polizisten durch den Bahnhof schlichen. Wobei: Wieso müssen sich um 23 Uhr sechs Polizisten im Bahnhof in Hamm aufhalten? Das machte mir dann wiederum ein bisschen Angst. Änderte aber nichts an der Tatsache, dass ich immer noch Hunger hatte. Klug wie ich bin, überlegte ich mir, dass ich ja möglicherweise noch eine Tüte ordern könnte. Diese würde dann ebenfalls noch unten fallen und durch diesen schweren Schlag, würden dann beide Tüten ganz nach unten durchfallen und deren Inhalt in meinen Magen wandern. Gedacht, getan.

Auch die zweite Tüte blieb an der Capri-Sonnen-Grenze stecken. Ich pocherte wieder ein bisschen am Automaten herum. Hinter mir ging ein Mann vorbei, weshalb ich wild anfing zu pfeifen und so tat, als würde ich mir gerade erst aussuchen, was ich gerne haben möchte und sowieso ein ganz ein fröhlicher Mensch wäre. Wie peinlich wäre es, wenn der Mann merken würde, was ich hier für einen Blödsinn fabrizierte.
Es passierte nichts mehr. Diese beiden Tüten klemmen da wahrscheinlich immer noch. Ich hasse Automaten.

Automaten machen prinzipiell nicht das, was ich möchte. Außerdem sind sie viel zu langsam. Ich tippe wie eine Wilde auf deren Tatsch-Screens herum und die Automaten geben nach kurzer Zeit auf. Sie wissen, dass ich schneller bin. Eine besonders schlimme Variante von Automaten ist dieser Kinderfänger auf dem Rummelplatz. Ich meine diese Glaskästen, die bis oben hin vollgestopft sind mit kleinen Kuscheltieren. Kleinen, unförmigen Kuscheltieren, damit auch ja niemals jemand es schafft, die Teile mit dem Greifarm wirklich zu erwischen. Man weiß, dass das nie klappen kann. Trotzdem glaubt jeder, er wäre der einzig Auserwählte, der nun dazu bestimmt sei, dieses scheiß Ding zu überlisten. „Ah, komm her, Schätzeken, der Papa holt dir da mal was raus.“ Und dann fängt der Papa nach spätestens 15 Minuten und 20 Euro weniger an zu schwitzen. Er wird knallrot, die Flecken am Hemd immer größer, aber er hat es doch versprochen. Und, zur Hölle, dieset Teil muss doch irgendwann auch mal funktionieren!
Es funktioniert nicht. Das einzige, was die Greifarme schaffen, ist, den Eltern das Geld aus der Tasche zu ziehen und mehr nicht. Selbst wenn man mal ein Teil gegriffen hat und die Freude schon groß ist, fällt das Ding spätestens kurz vorm Ziel wieder zurück zu seinen Freunden. Die Person, die dieses Ding erfunden hat, gehört verklagt wegen Unglück über die Welt bringen oder so.

Auch einer meiner Lieblingsautomaten sind Fahrkartenautomaten jeglicher Art. Zum Beispiel die von der Deutschen Bahn. Treffen diese Automaten auch noch mit einem Menschen zusammen, der absolut nicht in der Lage ist, Automaten zu bedienen, ist Hopfen und Malz verloren. Endbahnhof. H A N… ach ne, Mist, jetzt habe ich mich vertippt, wo ist denn die Löschen-Taste, ich will doch nach Hamburg. Ach du großer Gott. Also noch mal von vorne. H A M („Sie können dann jetzt auch schon Hamburg auswählen!“) WAS?! Oh nein, jetzt habe ich mich schon wieder vertippt, lenken Sie mich bitte nicht ab. Hamburg. Ok. Da möchte ich hin. Ab sofort. Ja. Egal welcher Zug. Sitzplatzreservierung. Ach Gott, brauche ich eine. Ach, das kostet Geld, nee nee, zurück. So. Was heißt das, das ist nicht die Fahrkarte? Nur die Verbindung? Ach Gott, also noch mal von vorne…

Nein. Automaten sind böse. Der einzig gute Automat ist der Kaugummi-Automat. Der ist aber erst jetzt gut. Denn als kleines Kind war ich zu schwach, um das Drehteil ganz rumzudrehen. Das Geld war weg und kein Kaugummi in meiner Hand. Na, das hat sich der Bahnhofs-Automat ja gut abgeguckt!

2011-09-14

Roadtrip. Mit dir ist überall richtig.




Manchmal sitzen wir zwei in meinem Kopf in einem alten Auto und fahren ostwärts. Der Wind weht über mich hinweg und unser Hund passt hinten auf das Gepäck auf. Und ich mache eine dieser Filmszenen. Meine Nägel sind rot lackiert und mein Arm streckt sich über das heruntergekurbelte Fenster. Meine Hand spürt den Wind und die Finger rühren Luft.

Das Auto ist grün. Nicht irgendein Grün. Eines dieser Grüns, das ein bisschen dunkler ist als ein normales Grün. So ein Oldtimer-Grün. Und weil es schön ist, wenn in einem dunkelgrünen Auto hellbraune Ledersitze sind, sind in unserem dunkelgrünen Auto hellbraune Ledersitze. Aus dem CD-Player erklingt das Intro von diesem einen Turbonegro-Lied. Weißt du noch? Das beste Intro aller Zeiten. Und dann ist die Straße ganz lang und endlos und an den Seiten nichts als Felderflächen. Am Horizont stehen lange Häuserwände, die einst vor vierzig Jahren gebaut wurden und nun darauf warten, dass die letzten Bewohner zum Sterben in moderne Heime gehen.

Meine nackten Füße ruhen auf dem Handschuhfach. Die Fußnägel haben die gleiche Farbe, wie die Finger, die gerade noch kalte Winde durchwühlten. Meine nackten Beine sind angewinkelt. Die Jeansshorts zerrissen und unter dem weißen Top trage ich keinen BH. Das alte Tuch meiner Mutter bändigt meine Haare. Und du weißt, dass ich keine Sonnenbrillen mag. Ich sauge Sonne auf mit Augen.

Die alten Lederkoffer liegen hinten drin, obwohl wir gar nicht wissen, wo es hin gehen soll. Nur irgendwo, wo es anders ist als überall. Und als das Kribbeln gerade durch meinen Bauch bricht und ich mich zu dir drehe, blickst du mich an, mit beiden Händen am Steuer und lächelst. Mit dir ist überall richtig.

2011-09-12

Tourleben

Am Wochenende war ich wieder unterwegs. In Braunschweig durfte ich den skandinavischen Poetry-Slam-Meister Oskar Hanska kennenlernen. Ein schnuckeliger, netter Kerl, der als Featured einen grandiosen Text gemacht hat. Der Mann ist beim World Cup sogar Vierter geworden und hat nette Stories von schwedischen Slams erzählt (die sind da nämlich angeblich gar nicht so gut besucht wie hier und es kommen nicht so viele Menschen, die "very hot" sind...). Samstag und Sonntag war ich dann in Erfurt beim Himmelszeichen-Festival. Dort gab's einen Open-Air-Slam mit sehr netten Kollegen und Strandliegen, auf denen wir übernachten durften (aber das ist eine andere Geschichte...). Erfurt ist ganz im Ernst eine der schönsten deutschen Städte, die ich kenne. Die Innenstadt ist zuckersüß und alt. Na und der Dom ist ja sowieso ein Knaller. Drumherum gab's auch noch ein Mittelalterfest, was das Ganze noch ein bisschen stimmungsvoller gemacht hat. Sonntag ist es vorm Finale schlagartig düster geworden und bei mindestens Windstärke 23 sind uns Kastanien und Behilfsdächer um die Ohren geflogen. Spontan wurde der Slam abgebrochen und endete als gemütliche Zusammenkunft im Haus, in dem Martin Luther mal vier Jahre gelebt hat. Nur die richtige Gesellschaft für uns. Ansonsten habe ich Dinge gemacht, die berühmte, hippe Menschen wie ich nun mal machen: Fotos, die mit einem modernen Handy gemacht wurden, aber alt aussehen.

Dieses Bild hängt im Arbeitszimmer meiner Eltern, wurde einst von meinem Opa koloriert und wird irgendwann von mir entwend... äh, ich mag es.

Immer wichtig: Genug Nudeln im Magen haben. Eine unerlässliche Sache.

Die Hauptstadt Thüringens von ihrer schönsten Seite. Ich probierte übrigens Kirschbier auf dem Markt. Kann man mal machen.

Erfurter wissen, was gut ist.

Mrs. Hofmann zeigt, was Sache ist. Das war eine der Künstlerwohnungen. Nicht unsere.

Dieser krasse Typ steht den ganzen Tag in der Wohnung herum und passt auf. Auf den Tisch, der schon 180 Jahre überlebt hat und nicht kaputt gehen darf. 

Ganz anders als die Slammer-Wohnung: Das Slammergefährt. Damit dürfen aber nur Menschen fahren, die einen Titel inne haben. Wie der Deutsche Meister 2010 Herr Salmen und der Deutsche Vize-Meister 2009 Herr Ritter.

Und als ich zu Hause war, hing dort ein Duschvorhang, die Kommode hatte hübsche Knäufe, mein Lieblingsfoto hing eingerahmt herum und ich bekam einen selbstgebastelten Ring geschenkt. Ich sollte öfter wegfahren.

2011-09-10

Le conte de fées de Le Havre

Ein ganz großer Vorteil an dem Umzug ist, dass es in der neuen Stadt viel mehr schöne Kinos gibt als in der alten. Kinos, in denen man noch richtig viel Platz zum Rumflätzen hat. In denen man nicht zwanzig Minuten vorher schon Karten abholen muss und, und das vor allem, in denen Filme laufen, die ich sehen möchte. Am Donnerstag lief der neue Film des finnischen Regisseurs Aki Kaurismäki an: "Le Havre". Und der Mann und ich machten gleich mal das erste Date in der neuen Stadt draus. Zwischen tief betagten Menschen, die "große Kaurismäki-Fans" sind oder "heute morgen noch bei NDR Kultur einen Bericht über ihn gehört haben" standen wir und zwei andere Hipsterpärchen, die wahrscheinlich genauso irgendwo aus Zufall von dem Film gehört hatten wie wir. Sogleich flüsterte ich dem Mann ins Ohr: "Wir gehören jetzt zur intellektuellen Elite der Stadt!" Aber: Ich bin jetzt auch Kaurismäki-Fan und muss unbedingt seine alten Werke sehen. Das geht wahrscheinlich gar nicht anders, wenn man mal einen Film von ihm gesehen hat.

Le Havre also. Le Havre ist, laut Auskunft einer Freundin, eine ziemlich hässliche Stadt. Im Film sieht man allerdings nur den Hafen, viele Container und eine Straße mit türkisen und roten Häusern. Zeitlich konnte ich den Film gar nicht richtig einordnen. Aktuelle Autos im Hintergrund, die Geschichte könnte heute auch genauso passieren, die Einrichtung der Häuser, der Kriminalpolizist und das Krankenhaus allerdings schienen direkt aus den 50ern in den Film gehüpft zu sein. Und auch Kameraeinstellung, Musik und Dialoge erinnerten stark an die 50er. Reine Liebe daher auf meiner Seite. Kurz gefasst: Idrissa kommt in einem Container aus Afrika mit vielen anderen Menschen in Le Havre an. Der Container wird von der Polizei geöffnet und der Junge flüchtet. Er findet Unterschlupf bei Monsieur Marcel Marx. Der ist Schuhputzer und liebt seine Frau über alles. Die wiederum liegt gerade im Krankenhaus. Marcel nimmt es als seine Hauptaufgabe an, Idrissa zu helfen, nach London zu kommen und (fast) alle seine Mitmenschen unterstützen ihn dabei.

Der Film ist sowas von wunderschön. Ihr müsst ihn alle sehen. Viele kleine versteckte Lacher, eine wirklich schön-romantische Komödie mit starken Charakteren und grandiosen Schauspielern. Ich hüpfte am Ende Amélie-haft aus dem Kino und war ganz überzuckert.

2011-09-08

Was ich mit 28 gelernt habe

Mit 14 dachte ich, mit 28 sei man steinalt. Das war für mich ein Alter, in dem dann auch der letzte Spaß vorbei ist. Ich hatte da eine ziemlich feste Vorstellung: Meist hat man dann ein Studium oder Ausbildung hinter sich, arbeitet tagein tagaus in irgendeinem langweiligen Bürokomplex, hat eine gefestigte Beziehung, die so gefestigt ist, dass man schon am Pups des anderen erriechen kann, welcher Wochentag heute ist, weil man weiß, was es mittags beim anderen in der Kantine gab. Mit 28 hat man bestimmt voll viel Verantwortung und so, muss alles alleine können und war schon dreimal in wahnsinnig spannenden Ländern irgendwo im Ausland. Man hat alles erlebt, den Berlin-Wahnsinn hinter sich gelassen und das letzte Billig-Bier getrunken. Die Festivalbändchen sind alle nicht nur abgeschnitten, sondern auch von der Pinnwand verschwunden. Da steht nämlich jetzt dran, wann der nächste Vorsorgetermin bei der Frauenärztin ist und welche Dinge man abends nach Trennkost-Art nicht essen darf. Auf Partys und Diskotheken geht man jetzt nicht mehr, außer es gibt eine lustige 90’s-Revival-Feier. Ansonsten könnte man ja die Auszubildenden oder seine Schüler treffen und das wäre dann wohl mehr als peinlich. Die Bandshirts sind nach dem letzten Umzug irgendwie heimlich und von selbst in den Keller gezogen und plötzlich stehen auf der Küchenfensterbank statt einem Aschenbecher und drei halbvollen Wodkaflaschen, vier gesunde Kräutertöpfe.

Vor Jahren prophezeite ich einem Freund, dass Kinder ja eigentlich nichts für mich wären, zumindest nicht jetzt und mit 28 aber, da möchte ich dann schon das erste Kind bekommen. Man will dann ja auch nicht eine dieser alten Mütter sein und schon 40 bei der Einschulung. Mit 28 ist man dann erwachsen genug, um sich um Kinder zu kümmern und dann kann man Kinder auch bezahlen.

Vor ziemlich genau einem Monat hatte ich Geburtstag. Ich bin 28 geworden. Ich habe kein Kind. Mein Bauch sieht zwar langsam so aus, als kündige sich eines an, es kommen aber nur komische Verdauungsgeräusche und andere unangenehme Dinge raus. Eigentlich sind Kinder nichts für mich. Zumindest nicht jetzt. Mit 32 vielleicht. Man will ja auch nicht eine dieser alten Mütter sein und schon 45 bei der Einschulung. Mit 32 habe ich dann vielleicht auch einen Job in einem langweiligen Bürokomplex, mit dem ich Kinder bezahlen kann. Ich meine, ich habe jetzt schon einen Job in einem langweiligen Bürokomplex, aber davon kann ich keine Kinder bezahlen. Die Germanisten und Historiker wissen, was ich meine. Im Prinzip ist man mit 28 natürlich erwachsen genug, um sich um ein Kind zu kümmern und wenn jetzt „etwas“ passieren würde… mit etwas meine ich Sex, bei dem versehentlich einer dieser kleinen Biester es bis zu meiner Gebärmutter schafft, dann wäre ich ja irgendwie auch zu alt, um zu sagen, dass ich noch zu jung dafür bin.

Stattdessen höre ich auf meinen Körper und überlege, was er nur will. Alle sagen, dass man das jetzt tun muss. Mit 28 stellt sich der Kreislauf um. Kein Mensch weiß, was das genau bedeutet, aber es sagen doch immer alle, dass sich das Leben alle sieben Jahre verändert. Passiert das von selbst oder muss ich da nachhelfen? Habe ich nur alle sieben Jahre die Chance auf den Veränderungszug aufzuspringen und danach muss ich wieder warten? Und woran erkenne ich, dass der Zug gerade vorbeifährt? Plötzlich fangen Freundinnen an, Joga zu machen oder ihre Ernährung umzustellen. Sie erkennen ihre künstlerischen Talente oder eröffnen einen Cupcake-Laden, in dem sie natürlich nur mit Bio-Produkten backen. Ihre kleinen Lottas und Finns spielen im Kinderladen nebenan, der wiederum von den Freundinnen betrieben wird, die nicht so viel Talent zum Backen haben, dafür aber für moderne Kindererziehung. Moderne Kindererziehung bedeutet, dass Kinder nichts mehr selbst machen dürfen. Nicht mal herumrennen. Alles ist gefährlich. Vor einigen Tagen waren der Mann und ich bei Ikea. Viele Kinder waren auch da. Jonathan spielte in der Hotdog-Schlange an einem Geländer herum. Er hing sich dran, schaukelte drunter durch. Er machte dabei keine Geräusche und störte niemanden. Jonathans Mama aber rief sogleich: „Jonathan, lässt du das jetzt bitte sein? Du fällst gleich hin.“ Na und?! Dann fällt Jonathan halt hin. Dann merkt Jonathan, dass er hingefallen ist, dass es weh tut und dass man vielleicht nicht an einem Geländer im Möbelladen herumschaukeln sollte. So dachte sich Jonathan wohl eher: „Was fragt die mich so’n Scheiß, natürlich lasse ich das nicht sein.“

Na klar, ich habe keine Kinder. Ich weiß also nicht, wie schwierig das alles ist und so. Und die, die keine Kinder haben, wissen es natürlich immer am besten. Und das stimmt. Ich weiß es besser. Mein Jonathan wäre erstens gleich im Småland gelandet und hätte somit lieber mit richtigem Kinderkram gespielt, als mit einem langweiligen Geländer. Und zweitens hieße er nicht Jonathan.

Plötzlich fangen Freundinnen an, sich Gedanken um ihre Hochzeit zu machen. Sie verschicken niedliche Safe-the-Date-Cards bereits ein Jahr im Voraus und überlegen sich, welche Farbe die Tischblumen haben müssen, damit sie gut zu den Servietten passen. Sie laden hunderte Menschen ein. Mit achtzig Prozent der Gäste hatten sie die letzten fünf Jahre nichts mehr zu tun. Aber klein feiern? Das kommt nicht in Frage. Sie bestellen fünfstöckige Hochzeitstorten und ein riesiges Feuerwerk. Einer filmt, der nächste fotografiert und der dritte achtet einfach drauf, dass alles richtig abläuft, alle das richtige tragen, alle richtig stehen und richtig lächeln. Und am Ende fahren sie in die Flitterwochen im Schwarzwald. Ich hab nichts gegen das Heiraten. Inzwischen finde ich diese Idee sogar recht romantisch. Aber wenn, dann kriegt der Mann mich nur mit einer klitzekleinen, süßen Zeremonie und darf noch am gleichen Tag mit mir in die Südsee düsen. Ich heirate für uns. Nicht für andere. Nichtsdestotrotz bin ich bei diesen Riesenfeiern sehr gerne Gast. Ich habe einen Grund, mir neue Kleidung zu kaufen. Ich genieße eine Hochzeit. Ich kriege leckeres Essen. Ich darf ein bisschen für das Brautpaar trällern und ich darf zwei Menschen, die ich gerne mag, bei ihrem Glück zuschauen. Hach. Und wenn ich dann zuhause bin, mache ich drei Kreuze in den Kalender, dass ich es bis jetzt durch eine mehr als dreijährige Beziehung geschafft habe, ohne das Schiff vollkommen gegen die Wand zu setzen.

Mit 14 mussten wir im Unterricht aufschreiben, wie wir uns unser Leben in 20 Jahren vorstellen. Ich schrieb, ich würde auf einer kleinen Insel in der Ostsee wohnen und als freie Journalistin arbeiten. Ich hätte ein, höchstens zwei Kinder und einen supersportlichen Mann. Und ich würde einen Mazda MX5 fahren, das schönste Auto der Welt. Jetzt bin ich 28 Jahre alt. Ich habe also noch sechs Jahre, um mir den ganzen Kram anzuschaffen. Aber eigentlich würde ich es gerne so belassen, wie es jetzt ist. Einen guten, klugen Mann zuhause, der sich genau wie ich ab und zu einredet, Fahrradfahren wäre auch Sport. Kein Auto, weil es auch ohne geht und allen Leuten, die gerne Inlandsflüge nehmen ein schlechtes Umweltgewissen einreden. Ich habe immer noch Festivalbändchen am Arm und keine Kräuterpötte in der Küche. Ich fahre auf Konzerte und habe aus Versehen ab und an auch Bandshirts an. Ich bin kein Stück vernünftig, aber trotzdem in der Lage, Verantwortung zu übernehmen. Weil man nämlich, um steinalt und erwachsen zu sein, nicht unbedingt langweilig und verkrustet sein muss. Und das ist das Beste, was ich mit 28 gelernt habe.

2011-09-05

Als wenn das Leben im Bus sitzenbleibt, wenn man an einer anderen Station aussteigt.

Ein letztes Mal sitzt du jetzt in dieser Wohnung. Ein letztes Mal steht der Sessel an diesem Platz. Ein letztes Mal dein Blick vom Bus raus auf diese Straße. Genieß das alles, es kommt nie wieder.

Wieso machen wir das? Kurz vor meinem Umzug habe ich die ganze Zeit gedacht, das ist jetzt also das letzte Mal, das du in dieser Runde zusammensitzt, in dieser Kneipe, mit diesem Getränk. Das ist jetzt das letzte Mal, das du diese Strecke pendelst, mit diesen Gesichtern vor Augen und dieser Reihenfolge, in der die Bilder vorm Fenster vorbeiziehen. Dabei ist immer alles das letzte Mal. Nichts wiederholt sich so, wie es einst war. Statt sich von Situationen zu verabschieden, sollten wir uns auf neue Abenteuer freuen. Und doch verabschieden wir alle uns in einer Tour. Als wenn Freundschaft ortsgebunden wäre. Als wenn das Leben im Bus sitzenbleibt, wenn man an einer anderen Station aussteigt.

Bei mir läuft das jetzt anders. Ich freue mich ab sofort, wenn ich das erste Mal diesen krummen Baum entdecke, der vor unserem neuen Haus steht. Wenn ich das erste Mal neben dem Mann in der neuen Wohnung einschlafe. Wenn ich das erste Mal endlich in dem Bus sitze, der in die richtige Richtung fährt.

„Schau nicht klagend in die Vergangenheit zurück. Sie kommt nicht wieder.“ (Henry Wadsworth Longfellow)

2011-09-03

Freunde und so weiter

Als ich das erste Mal nach BOY googelte, fand ich... nichts. Und dann, mit einem Senkrechtstart, wurde die kleine, feine Band von Valeska und Sonja plötzlich ganz bekannt. Gott sei Dank! Ich liebe die beiden, vor allem die Texte und Valeskas Stimme. Und hübsch sind'se auch noch. Na! Gestern kam ihr Album "Mutual Friends" raus. Endlich, endlich. Da habe ich nämlich ein dreiviertel Jahr drauf gewartet. Sofort der Schwiegermama in spé mitgebracht (die hat nämlich mit mir gefiebert) und selbst auch gleich besorgt. Genau die richtige Musik, um Regale einzuräumen, Schränke zu wischen, Badezimmer zu putzen... alles, was zum Einzug dazugehört eben. Jetzt mit schweizerischer Begleitung. Ich möchte euch die beiden wärmstens ans und ins Herz legen.

Die neue Single ♥



Hach ♥♥



2011-09-01

Das Beste

So, wir sind umgezogen, haben schon ein Vermögen bei Ikea ausgegeben und räumen fleißig ein und um. Am Wochenende kommt unsere Küche, die zwar gebraucht ist, aber dafür kostenlos. Und vielleicht lackiert der Mann sie irgendwann noch in einer schönen Farbe (ich bin für Türkis, er für Aubergine, was sagt ihr?). Alles ist schön und wir fühlen uns schon richtig wohl. Trotzdem habe ich natürlich zur Zeit nicht sonderlich viel Zeit für mein Baby hier. Weil ich aber in letzter Zeit viele neue Leser dazu bekommen habe (herzlich Willkommen ♥!) habe ich mal eine Auswahl meiner besten  Slam-Texte gemacht. Denn man klickt sich ja selten seitenweise durch den Blog und meine Slamtexte sind ja nirgends zusammengefasst. Wenn ihr die übrigens mal live hören wollt, müsst ihr zu einem Auftritt kommen. Am Sonntag geht's wieder los und dann bin ich richtig viel unterwegs im September, ich freu mich schon. Hier gibt's eine Übersicht aller Termine.

♥ Silvester 1989 ... oder wie ich zum Modeopfer wurde
Feuer, Feuer! Drei Grundsätze zum Verlassen der Wohnung
Der Künstler
Und ganz ganz viele Doofe ...über ein Leben aus der anderen Perspektive
Wenn du und ich die Revolution erproben - ein Gedicht
Wüsst ich's - noch ein Gedicht
Shitstorm ...was passiert, wenn man einen Tag nur das macht, was man will
Zuckerwattezuckerklumpen
Oh, süß! Eine Babymade!
Und hinter Fenstern Leben

Viel Spaß beim Lesen! Es gibt natürlich auch noch andere Geschichten, aber dafür müsst ihr euch dann wirklich durchblättern oder die Schlagworte anklicken. Ich freue mich übrigens immer sehr über eure Kommentare!