2011-08-30

Der Hund ist einsam

Du bist immer bei mir gewesen,
hast mir das Kleid zu gemacht,
kauftest mir Blumen in der Stadt
und jetzt bist du weg.

Du bist immer bei mir gewesen,
hast für mich gekocht und auch geputzt,
hast mir nicht nur beim Sex gut genutzt
und jetzt bist du weg.

Du bist gegangen, weil du nicht bei mir sein wolltest,
was ich nicht versteh.
Du bist gegangen, weil du allein sein musstest,
hab ich gesagt „Geh!“?

Du bist immer bei mir gewesen,
bist mit dem Hund raus gegangen,
viel mehr konnt’ ich von dir verlangen
und jetzt bist du weg.

Du bist immer bei mir gewesen,
hast sogar meinen Balkon liebevoll gepflegt,
und dich abends stumm neben mich gelegt
und jetzt bist du weg.

Du bist gegangen, weil du nicht bei mir sein wolltest,
was ich nicht versteh.
Du bist gegangen, weil du allein sein musstest,
hab ich gesagt „Geh!“?

Einst warst du immer bei mir,
die Blumen sind jetzt tot,
der Hund ist schon ganz einsam
und gekocht wird auch nicht mehr.

Ich liege nun alleine
hier in meinem Bett.
Neben mir kein Schweigen mehr,
denn du bist nun weg.

2011-08-29

Verankert

Armband von Vanewonderland

Vane hat einen sehr schönen Blog und macht außerdem schöne Fotos und guten Schmuck. Mit Seemannsdingen. Na, kein Wunder, dass mich das gleich gepackt hat. Neue Verankerungen gibt's ja jetzt bald genug in meinem Leben. 
Meine Oberlieblingsband ist übrigens diese hier ♥:

Lesebühne live

Gestern fand die dritte Ausgabe von Acrobat Readers statt. Viele Poetinnen und Poeten, noch mehr Publikum und wundergute Texte. Der Mann hat alles auf Videofilm gebannt. Da wir am Mittwoch umziehen, wird es hier wahrscheinlich ein bisschen ruhiger. Daher dauert es auch noch ein bisschen, bis alle Videos fertig sind. Hier aber schon mal ein kleiner Einblick von meinem Text. Denn da war ich jetzt mal ein bisschen egoistisch, weil ich dieses Video beim Arte WebSlam einreichen werde, wo es den letzten Startplatz für den die deutschen Meisterschaften zu gewinnen gibt. Ab 6. September könnt ihr da abstimmen. Aber keine Angst, ich werde ungefähr einhundert Mal darauf hinweisen, damit auch ja jeder seine Stimme (für mich ;)!) abgibt. Das nächste Mal bin ich dann am 29. September im Buff, dann mit dreifacher, zauberhafter Begleitung. Freut euch drauf!

2011-08-28

Acrobat Readers Vol. III

Heute Abend geht's endlich in die dritte Runde: Acrobat Readers! Eure Lieblingslesebühne startet um 20 Uhr im Göttinger Nörgelbuff. Und, soviel sei schon mal verraten: Auch, wenn ich nicht mehr in Göttingen wohne, geht die Lesebühne weiter. Die nächste Ausgabe gibt's dann am 30. Oktober. Am besten ihr bleibt dem Geschreibsel hier oder bei Facebook einfach treu, dann wisst ihr früh genug Bescheid.

Nun aber erstmal heute Abend! Ich erwarte sechs PoetenInnen, die sich bereits angemeldet haben. Wenn ihr kommt, werdet ihr sehen, wer noch spontan dazu kommen wird. Oder ihr lest selbst?! Warum es sich lohnt zu kommen? Weil unter anderem die zauberhafte Herdis das wahrscheinlich letzte Mal auftreten wird, denn auch sie wird die Stadt bald verlassen. Weil wir mehrere Premieren auf der Bühne haben werden und weil erstmals eine kleine Kamera dabei sein wird, die den ein oder anderen Auftritt aufzeichnet. Also seid dabei und zwingt alle eure Freundinnen & Freunde mitzukommen. Ich freue mich auf euch!

2011-08-26

Abschlussbericht: 546 Tage of Pendeling wis Deutsche Bahn



Als ich heute twitterte, dass nun der letzte Tag meiner Tätigkeit als Pendlerin angebrochen sei, antwortete mir jemand, ich hätte den Absprung früher geschafft. Er mache das seit elf Jahren. Elf Jahre. Der arme Mann.

Ich habe in dieser Zeit alles erlebt. Und ich habe die Deutsche Bahn lieben gelernt. Das ist kein Witz. Es verhält sich wie bei Süchtigen. Am Anfang findet man alles spannend und neu. Wuhuu, wieder eine neue Fahrt, steigen Sie ein und raten Sie, was heute passiert. Kommt der Zug? Wenn ja, wann? Und wenn er dann da ist, ob sich wohl die Türen öffnen? Werde ich schwitzen oder frieren? Wann weckt mich die „Kaffeee, Teee, kalte Getränke…. SNACKS!“-Frau? So viele Fragen. Irgendwann merkt man, dass das alles eigentlich gar nicht sooo witzig ist, wie man vielleicht dachte. Im Prinzip gar nicht witzig. Ziemlich scheiße sogar. Aber man kann nicht aufhören. Man versucht dann zu meckern. Ein paar Tage lang. Und dann ist man nach kurzer Zeit so unglücklich, dass man sich die Fahrerei schön redet. „Aaach, ich fahre voll gern Zug. Da kann ich einsteigen und entspannen, nicht so wie beim Autofahren.“ Und man lernt es, zu lieben. Ob man will oder nicht.

Wenn ich Leuten erzähle, dass ich eine Bahncard 100, also die sagenumwobene Black Mamba habe, kommt immer die gleiche Reaktion: „Geil, davon träume ich seit Jahren.“ Ich antworte meist: „Aaaach, das ist auch so praktisch. Ich kann mir am Freitag überlegen, dass ich das Wochenende gerne in München verbringen möchte und steige einfach ein.“ Hab ich nie gemacht. Und wenn ich es an einem Freitagnachmittag gemacht hätte, hätte ich eh nie einen fucking Sitzplatz bekommen. „Liebe Fahrgäste, unser Zug ist zurzeit leider etwas überfüllt. Auch in der ersten Klasse gibt es keinerlei Sitzplätze mehr. Es macht also keinen Sinn, dorthin zu gehen, um nach einem Platz zu suchen.“ Sie armen Würstchen.
Es waren jetzt so etwas weniger als eineinhalb Jahre, die ich fahren musste. Jeden Tag eine halbe Stunde hin und eine halbe Stunde zurück. Also nur im Zug die halbe Stunde. In dieser halben Stunde kann so viel Leben und Abenteuer passieren. Einmal ist der Zug einfach durch Göttingen durchgefahren. Wir stehen an der Tür, die Stadt zieht an uns vorbei. Nach gefühlt endlosen Minuten sagt eine Frau: „Ist der gerade durch den Bahnhof durchgefahren?“ Und alle so: „Yeah!“ Nee, stimmt nicht, alle haben sich nur gewundert. Dann kam endlich die vollkommen logische Erklärung der Zugbegleiterin: „Liebe Fahrgäste, aus menschlichen Gründen haben wir den Halt in Göttingen heute leider verpasst.“ Wir mussten dann bis Kassel, umsteigen und wieder zurück.
Ein anderes Mal sind wir irgendwann zum Stehen gekommen (das passiert ungefähr alle zwei Tage) und standen. Uns wurde dann Gott sei Dank gesagt, dass wir gerade stehen. Später wurde uns dann gesagt, dass wir immer noch stehen und man noch nicht wüsste, was passiert. Plötzlich wurden wir dann evakuiert. Alle Fahrgäste mussten durch eine einzige Tür über einen kleinen Steg in einen anderen Zug balancieren, der neben uns gehalten hatte. Die Passagiere in dem neuen Zug haben sich auch total gefreut, dass jetzt nochmal so viele Leute dazu kommen.

Überhaupt Passagiere. Die Deutsche Bahn bildet sich zuweilen ein, sie sei ein Flugunternehmen. Passagiere. Willkommen an Bord der Deutschen Bahn. Snack-Fahrzeuge. Sogar Kopfhörer verkaufen sie. Und ein Magazin haben sie auch. In dem so sympathische Menschen wie Herr Mehdorn und Herr Grube Interviews mit Prominenten führen. Und auf dessen Cover so sympathische Menschen wie Veronika Ferres und Xavier Naidoo abgebildet sind. In der Not frisst der Teufel Fliegen.

Zwei Sachen hasse ich, auch wenn ich die Bahn eigentlich liebe. Kinder und Rentner. Rentner stehen hier als Oberbegriff für hilflose Menschen aller Art. „Bei der Deutschen Bahn dürfen Kinder alles. Außer zahlen.“ Aha. So benehmen sich die meisten dann auch. Spielen um Beispiel auf den Gleisen der Deutschen Bahn, anstatt wie anständige Kinder zuhause vorm Computer zu sitzen. Zwei kleine Mädchen sind mir allerdings in sehr positiver Erinnerung geblieben. Beide etwa drei oder vier Jahre alt. Die eine stellt sich demonstrativ vor einen Vierer mit Anzugkaspern und singt: „Meine Herren, meine Herren, die Arbeit ist kein Frosch. Sie hüpft, sie hüpft, sie hüpft, sie hüpft uns nicht davon.“ Dabei ist sie wie eine Irre herumgesprungen. Die andere habe ich nur gehört. „So, ich male jetzt eine Fee. Mama, ich brauche SCHWARZ.“ – „Aber Schatz, du kannst auch mit rosa…“ – „NEIN!“
Rentner sind nicht mal lustig. Oder springen. Sie brechen in Panik aus, schon wenn der Zug angesagt wird (dabei lügen die ja meistens, von wegen fährt jetzt ein, und dann steht man da noch minutenlang, reine Hinhaltungstaktik). Sie verstopfen die Türen, damit ja niemand aussteigen kann, bevor sie eingestiegen sind. Sie steigen ein und bleiben sofort stehen. Koffer, Taschen und anderes Gepäck müssen im Gang stehen bleiben. Definitiv. Geht gar nicht anders. Wir hatten ja nichts.

Pendeln hat mich stark gemacht. Ich kann es prügelmäßig jetzt mit jedem aufnehmen. Ob es um einen Sitzplatz, einen guten Ausgangsplatz am Bahnsteig oder einen guten Platz in der Aussteigeschlange geht. Ich kriege ihn.

Und als Tipp für alle Selten-Fahrer: Nein, Rucksäcke und Taschen brauchen keinen eigenen Sitzplatz. Ja, man darf Leute, die schlafen unsanft aufwecken, damit sie sich so hinsetzen, dass noch ein Platz frei ist. Meistens kann man sich vorher informieren, wo sich der reservierte Sitzplatz befindet, damit man gleich dort einsteigen kann, wo dieser ist. Crazy World. Und es kommt bei den Mitfahrern tatsächlich nicht gut an, wenn man spontan ein Mettbrötchen, Hamburger, Döner oder anderes geruchsreises Essen auspackt und genüsslich verspeist. Genauso wenig wollen Menschen angesprochen werden, die Kopfhörer tragen und Musik hören. Diese Menschen sind fast nie an deinem Leben interessiert. Wenn ihr wirklich Spaß haben wollt, dann setzt euch gegen späten Abend ins Bordrestaurant. Da findet man immer neue Freunde.

Ich brauch das jetzt alles nicht mehr. Ich bin raus. Wie will rietsch sie end of trävelling wis Deutsche Bahn. Meine Damen und Herren, der Ausstieg ist in Fahrtrichtung Zukunft.


2011-08-24

Ein Schweinchen läuft in den Wald.
Oder: Das Leben ist Kunst.

Kunst von mir. Vielleicht was für die Documenta. Oder doch eher Mamas Wohnzimmerwand.
Meine Mutter hat mir viele gute Dinge mit auf den Weg gegeben, das kann man nicht anders sagen. Es gibt allerdings eine Sache, in der wir uns komplett unterscheiden und die mich in regelmäßigen Abständen zur Weißglut treibt. Und das ist unser unterschiedliches Verhältnis zur Kunst. Kunst, ja, was ist das überhaupt. Für mich ist Kunst, alles, wo eine gute Idee hintersteckt. Kunst kann provozieren, Kunst kann Tränen hervorrufen und Kunst kann einfach da sein und du bist in ihrem Bann. Für meine Mutter ist Kunst: „Etwas, das ich mir gut ins Wohnzimmer hängen könnte.“

Als ich vor Jahren das erste Mal einen Schreibwettbewerb gewann, rief ich sehr aufgeregt und halb über dem Boden schwebend Mama an: „Ich hab gewonnen!“ Mama: „Schön, welcher Text?“ – „Der über den Jungen, der nachts immer Laufen muss und am Ende am Grab seiner Liebe ankommt.“ – Mama: „Ach ja… das haste von mir.“ Ich: „??“ – „Ich habe deinem Onkel früher auch immer selbstausgedachte Geschichten erzählt. Zum Beispiel die eine, die ging so: ‚Ein Schweinchen läuft in einen Wald…’.“ Aha. Ein Schweinchen läuft in einen Wald. Welcher hochliterarische Text fängt nicht in dieser Art an?

Eine Jahre später zeigte ich meiner Mama einen Bildband über einige Exponate der Uni Göttingen. Wir Studentinnen (ja, es waren wirklich nur Frauen) haben jeder über ein Bild eine Hausarbeit geschrieben. Ich war komplett fasziniert. Da waren wirklich sehr interessante Gemälde dabei. Ich zeigte meiner Mutter mein Lieblingsbild. Es zeigte einen Blick in eine holländische Kirche, darüber hatte ich auch meine Hausarbeit geschrieben. Sie schaute kurz drauf und sprach allmächtig: „Nee, scheiße.“ Ich: „??“ – „Das ist scheiße, das kann man doch nirgends hinhängen.“ – „Darum geht es nicht, Mama.“ Sie fing an zu blättern: „Scheiße… scheiße… scheiße… ja, ok, das geht noch, von den Farben her.“ Ich riss ihr das Buch aus der Hand und stapfte davon.

Und dann immer dieser eine Satz, der unter anderem auch oft von meiner Mutter kommt und den ich hasse wie die Pest: „Ja toll, das kann ich auch.“ Und warum machst du es dann nicht? Es geht doch nicht darum, dass andere auch einen schwarzen Strich auf ein weißes Blatt malen können. Es geht darum, dass man es macht. Dass man das Blatt aufhängt und zur Kunst erklärt. Dass man seine Geschichte aufschreibt und zur Kunst erklärt. Das Leben ist Kunst.

Inzwischen habe ich gelernt, dass ihre pragmatische Sicht mir manchmal sogar ganz gut tun würde. Ein bisschen lockerer auf Dinge zuzugehen und einfach mal nach persönlichem Geschmack zu urteilen, das macht das Leben einfacher und vor allem witziger. Hierzu ein kleiner Tipp: Geht einfach mal zur Documenta (oder irgendeine andere Ausstellung) und erklärt laut vor den Plastiken und vermeintlichen Kunstwerken (ein LKW in einem dunklen Raum), wie UNGLAUBLICH beeindruckt ihr seid. Oder ihr geht einfach rein und lacht laut. Kommt immer gut.

2011-08-22

Deine Sinnkrisen mit meinen Stöhntönen überdeckt

Deine Sinnkrisen mit meinen Stöhntönen überdeckt

Der Peter will mit Heidi in Richtung Zukunft traben.
Drei Zimmer, zwei Jobs, eine Stadt. Alles zusammen.
Nur die Pferde fehlen.

Weißt du, dass ich mal dachte, wenn man alt ist, dann muss man auch so tun als sei man es. Man darf da nicht mehr drumrumreden oder sich Spielschleim kaufen. Man ist dann dafür zu alt. Man darf dann nicht mehr rumprusten und nachts auf schief verlegte Asphaltsteine kotzen. Man ist dann dafür zu alt. Man muss sich mal gründlich überlegen, wie viele Kinder auf welche Schule gehen sollen und welchen Bio-Brokkoli die essen müssen. Es gibt keine Entscheidung, die man nicht treffen muss.

Der Hubert wollte heute mal alles anders machen.
In der Kneipe bestellte er nur eine Cola und wartete ab.
Es fiel niemandem auf.

Weißt du, dass ich mal dachte, dass jeder Mensch etwas Besonderes ist. Jeder Mensch muss doch ein Talent haben. Und wenn er keines hat, dann muss er es entdecken. In Kursen, die einem dabei helfen. Mindestens kreativ musst du doch sein. Mindestens. Ansonsten.

Beim Sex liegt Brigitte immer oben.
Weil die das schon immer so gemacht haben.
Ändert auch nichts, dass jetzt nicht Werner, sondern Horst drunter liegt.

Weißt du, dass ich nie dachte, dass Sex ein Patentrezept ist. Wenn zwei sich nicht kennen und dann doch und einer ist traurig, dann haben sie, wenn sie sich dann kennen, manchmal Sex. Und manchmal ist er gut. Und oft nur ein Placebo.

Und dann stehen wir an dieser Brücke, an der wir vor Jahren das Mädchen trafen. Dieses Mädchen, das vielleicht das Mädchen war, von dem später in der Zeitung stand, es sei im Fluss ertrunken. Gesprungen. Hörst du sie rufen? Das Haar weht in mein Gesicht und ich weiß nicht, wem es gehört. Ich lächele trotzdem tapfer durch die Strähnen hindurch. Und wir halten uns an den Händen und warten, wer von uns über die Brücke geht.

Gabriele wollte das übrigens gar nicht,
Aber irgendwie hatte sie plötzlich dieses Messer in der Hand.
Und jetzt liegt da ein Kopf.

2011-08-21

Halt Miramis, halt!

Es gibt Tage, an denen möchte ich einfach im Bett bleiben und diese beiden Filme in Dauerschleife sehen. Und wie süß auch Christian Slater mal war. Hach.







2011-08-20

Analoges Dockville

Krönchen und Feenstab sorgten für diverse Geburtstagsständchen... und die furchtbare Frage nach dem Alter.

Hier haben wir gerne gesessen und uns in der Sonne geaalt.

Hach. Hafenzeugs mit Wasser.

I want you... to freak out.

Menschenmassen strömen zur Bühne.

Sonne. Ein eher seltener Augenblick.

Batgirl hat ihren Matrosen-Mann gefunden.

2011-08-18

Die Geschichte von dem Mädchen, das in den Wald lief und sich mit einem Reh anfreundete.

Ein alter, bärtiger Mann, der ein bisschen aussieht wie Petzi als alter, bärtiger Mann und wahrscheinlich ein Großvater ist, geht mit einem kleinen Mädchen, das kluge Mädchenzöpfe trägt und wahrscheinlich eine Enkelin ist in einen Wald ganz nah bei der Stadt.

Der Petzi-Opa hat dem Zöpfe-Mädchen schon alles beigebracht. Deshalb kann das Mädchen jetzt richtig gut schnitzen, Zwillen bauen und sich zur Not eine Übernachtungshütte im Wald einrichten. Der Opa würde natürlich niemals zulassen, dass das Mädchen alleine im Wald übernachten muss. Aber er findet es trotzdem gut, dass es weiß, wie es zur Not überleben kann. Im Wald ist es ein bisschen neblig. Kleine Wassertropfen legen sich wie Glitzer über alles und das Mädchen kommt sich vor im Traum. Kein Wunder, dass dann plötzlich ein Reh hinten am Horizont herumspaziert und winkt.

„Opa“, sagt das Mädchen. „Das war eben ein Reh, das mir gewunken hat.“ „Ein Reh, das gewunken hat?“, fragt der Petzi-Opa. „Na, das ist aber verrückt.“ Und da sieht das Mädchen schon wieder das Reh. Es steht dort in einem Nebel- und Glitzerkranz und schaut das Mädchen an. Da reißt sich das Mädchen von der Hand des Opas los und läuft in den Wald hinein. Immer, immer weiter auf das Reh zu. Von hinten hört es die Rufe des Petzi-Opas, aber kann schon nicht mehr verstehen, was er ruft. Die Luft strömt an den kleinen Ohren vorbei, so schnell rennt das Mädchen. Das Reh macht keine Anstalten zu verschwinden und nach ewig langen Minuten kommt das Mädchen endlich beim Reh an. „Hallo!“, ruft es, also das Mädchen. „Hallo, Reh!“ Das Reh schmiegt seinen Kopf unter den Arm des Mädchens und lässt sich genüsslich streicheln. Es spricht keine Worte. Denn würde das Reh sprechen können, dann wäre das hier ein Märchen und das ist es ja nicht. Also sagt das Reh nur mit ganz viel Gefühl, dass es eine Freundin sucht.

Hinter dem Reh hört der Wald auf. Das Gras wird grüner und die unheimlichen Eulen sind jetzt bunte Schmetterlinge, die über Wiesen hüpfen. Das Reh lässt sich unablässig streicheln, weil jede Berührung das Mädchen glücklicher macht. Dann deutet es mit dem Kopf in Richtung Wiese und gibt dem Mädchen zu verstehen, dass es ihm folgen soll. Ganz, ganz kurz muss das Mädchen an den Petzi-Opa denken und was er nur tun soll ohne es. Doch tief in seinem Inneren spürt das Mädchen, dass es mit dem Reh gehen muss. Und dann passiert etwas Seltsames. Kaum betritt das Mädchen die grüne Wiese verwandelt sich sein Bein mit viel Knisterei und kleinen Funken in ein Rehbein. Mit Huf! Die Verwandlung hört nicht auf. Mit jedem Körperteil, das in den Bereich der Wiese kommt, verwandelt sich das Mädchen mehr und mehr in ein richtiges kleines Rehkitz. Und als es gerade losspringen will, um dem anderen Reh zu folgen, spürt es im Rücken einen Blick. Das Reh-Mädchen dreht sich um und sieht weit hinten im Wald einen großen braunen Bären, der sehr zufrieden dreinschaut und die Hand zum Abschied hebt.

inspired by hamtiness

2011-08-17

Kakk... What?!

Ein bisschen kannte ich sie ja vorher schon, aber KAKKMADDAFAKKA zählten nicht zu meinen Favouriten für's Dockville. Das hat sich nach dem Konzert geändert. Knallerband. Die Jungs kommen aus dem sympathischen Bergen in Norwegen (nicht weit von der Heimat der Überband Turbonegro) und haben zwei Backroundsänger dabei, die Choreos tanzen. Das ist so schön, dass man nicht nur mitsingen und -springen muss, sondern die beiden dabei auch nicht aus den Augen verlieren darf. Die Shows sind wirklich der absolute Wahnsinn und wer die Chance hat, die Norweger auf ihrer Tour im Oktober durch Deutschland zu sehen, der sollte das unbedingt tun. Nicht nur, weil sie Beyoncé-Lieder besser interpretieren als Beyoncé selbst. Die Tickets sind sehr günstig und sie kommen sogar in kleinere Städte wie Osnabrück oder Marburg!


Kakkmaddafakka - "Restless" - official music video from Franck Annese on Vimeo.

2011-08-16

Du bist Lügen.

Du bist Lügen.
Der Schnee vor meinem Fenster wird schwarz.
Schnee und Lügen umhüllen dich.
Eine Membran, die ich nicht durchdringe.

Du bist Schatten.
Deine Sprache nur ein leises Echo in meinen Ohren.
Ekel holt dich ein.
Eine Mauer, die nicht fällt.

Du bist Ewigkeit.
Niemals fällt die Asche auf dein Haupt.
Nacktheit kühlt deinen Körper.
Gottlos.




2011-08-15

Carving the Mountains.

Zurück vom Dockville ruhe ich mich heute nur aus und entspanne. Die Waschmaschine läuft auf vollen Touren. Es war eine einzige Schlammschlacht! Und nun habe ich dieses Video gesehen und muss mir doch so'n Teil kaufen und das lernen. Un-be-dingt! Entdeckt habe ich das Video bei den Sonntagstipps der Mädchenmannschaft. Knaller! Wenn euch das gefällt, schaut euch auch noch die anderen Videos der Crew an.


2011-08-10

Zelt. Menschen. Musik = ♥



Morgen geht's für mich und ein paar Freunde nach Hamburg auf das zauberhafte Dockville-Festival. Ich freue mich schon die ganze Zeit wie bolle, weil ich letztes Jahr schon da war und es liebte. Schöne Menschen, Kunst und Musik. Außerdem auch noch ein Geburtstag. Meiner! Ich brauche also Partyhütchen, Seifenblasen und Glitzer. Musikalisch freue ich mich am meisten auf Those Dancing Days, Santigold, Bodi Bill, Fenech Soler und Editors. Aber auch viele andere Dinge werde ich mir anschauen. Von meinen Favouriten euch Daheimgebliebenen meine Lieblingslieder. Freut euch auf viele schöne Bilder vom wundertollsten Festival Deutschlands! Au revoir!





2011-08-08

Und hinter Fenstern Leben.

Meine Stadt ist insbesondere absolut nicht besonders. Und das ist auch nicht wichtig. Hinter den Fenstern meiner Straße wirft die Frau mit dem blonden kurzen Haar die Tantentassen auf den Boden. Mit so viel Wucht, dass sie zerbersten. Und das soll auch so sein, weil die Frau mit dem blonden kurzen Haar sehr wütend ist. Der Jeanshosenmann steht im Türrahmen der erleuchteten Küche und schaut unglücklich. Seine Augen sagen, dass der ganze Mann nicht weiß, was er tun soll. Also zählt er die Scherben, die sich auf dem Boden treffen.

Als er nach oben blickt, sieht er gegenüber dieses junge Pärchen. Sie, seitlich, die Brüste milchig und nackt. Sie trägt nur einen weißen Bikini, den die Sonne gezeichnet hat. Und als sie ihre Haare hochzwirbelt, umgreift der Junge sie von hinten und legt seine Hände auf die Sonnenspuren. Und der Mann wünscht sich zurück zu Zeiten, als die wütende Frau vor ihm noch Sonnenbikinis trug.

Und ich ziehe Rauchschwaden und laufe diese Straße entlang. Ich kenne jeden Stein und jeden Geruch. Ich liebe das Geräusch vom Gehen. Wie meine flachen Schuhe auf die Straße treffen und der Kniefehler meine Füße leicht dreht. Dann kommt dieses Knirschen, weil vergessene Winterrollsplit-Steinchen sich drehen und kleine „Ich-bin-hier-gewesen“-Kratzer in die Steine meißeln. Eine Spur aus Erinnerungsnarben. Ich winke der Katze von unserer alten Dame, die so gerne eine Concierge wäre, aber keine ist, weil wir in unserer Stadt keine Concierge kennen, weil unsere Stadt gar nicht in dem Land liegt, in dem es Concierges gibt. Aber die Dame weiß immer, was um sie herum passiert. Und ich glaube, sie weiß sogar, was in der Straße passiert oder überall. Weil jede Straße unsere Straße ist.

Die Tür des Hauses, das ich ab und an als Heimat bezeichnen möchte, ist so bunt, das niemand mehr weiß, welche Farbe sie einst trug. Vielleicht war sie grün, weil grün beruhigend ist und man doch ruhig sein möchte, wenn man heim kommt. Vielleicht war sie braun, weil Türen immer braun sind und nichts aus der Reihe springen dürfen. Vielleicht war sie schon immer so bunt wie sie jetzt ist und nur die Graffitis und Flyer haben sich geändert mit der Zeit.

Bevor ich eintrete, muss ich wieder die Weinflaschen zur Seite stellen. Es sind immer fünf. Jeden Morgen. Ich weiß, dass der Knubbelnasenmann aus dem Erdgeschoss sie hier früh morgens, sehr früh morgens, abstellt. Einmal habe ich ihn dabei ertappt. Er hat mir erklärt, dass er Weinstraßen baut. Weinstraßen vor Haustüren. Damit die Menschen etwas zu tun haben, die heim kommen. Man bückt sich viel zu selten, sagte er, alle schauen nur nach vorn. Und deshalb bücke ich mich jetzt immer, wenn ich früh morgens heimkomme.

Die Briefkästen sind alle verbogen. Auf meinem ist ein gesprühtes Herz, das verblasst. Nach dem Ende mit dem Mann, der Herz versprühte, versuchte ich, das Herz mit dem Schwamm verschwinden zu lassen. Das hat nicht funktioniert. Der Briefkasten von dem Knubbelnasenmann quillt über. Wenn er das nicht schon seit fünf Jahren tun würde, glaubte ich, der Knubbelnasenmann würde nicht mehr leben. Er wäre dann einer dieser Vergessenen, die irgendwann errochen werden. Aber das ist er nicht. Jeder. Nicht er. Die Concierge bekommt nie Post. Niemand kennt sie und das findet sie gut. Vielleicht hat sie eine Tochter, die in Amerika lebt und immer seltener anruft. Und dann erklärt sie nur, wie viel sie zu tun hat und dass der George so einen Stress im Job hat und die beiden Kinder im Debattenclub und in der Hockeymannschaft sind. Und die Concierge nimmt vielleicht heimlich die Stimme ihrer Tochter auf. Bei jedem Telefonat. Und an Weihnachten spielt sie das Jahresband ab und entzündet eine Kerze. Es gibt dann Ente aus der Mikrowelle und die Familie ist ein bisschen komplett.

Es riecht so wie es in alten Treppenhäusern in Großstädten riecht. Ein wenig nach Essen, das vor vielen Stunden serviert wurde. Nach einem gelben Sack, der irgendwo im Treppenhaus vor einer Tür schläft. Nach altem Holz, das sich ausruht nach all den Jahren. Und nach Reiniger, der vor vielen Tagen oder gleich morgen schon wieder benutzt wird. Als ich vor meiner Tür stehe, höre ich die Nachbarin wie sie ihrer Tochter eine Geschichte vorliest. Sie liest einen Absatz und die Tochter liest einen. Dabei liest die Tochter nicht. Sie trägt ihn auswendig vor, weil sie die Geschichten schon so oft gehört hat, aber auch nicht nicht mehr hören möchte. Sie machen das jeden Morgen so, bevor die Tochter in den Kindergarten muss. Mama ist für’s Vorlesen abends zu müde und hat ihrer Tochter erklärt, dass alle anderen Kinder das falsch machen. Im fremden Land Amerika liest jede Mama ihrer Tochter morgens etwas vor und deshalb würden sie das jetzt auch so machen. Ich wünsche mir, dass die Tochter irgendwann sehr klug wird und schließe die Tür auf.

Es ist halbdunkel und ich gehe in die Küche für das letzte Glas Milch. Gegenüber sitzt der junge Mann vor seinem Laptop. Eine Hand stützt seinen Kopf und die andere hält die Kaffeetasse. Er will lesen, aber seine Augen wollen nicht. Langsam neigt sich die Tasse zur Seite. Immer wieder. Bis sein schöner Körper jedes Mal merkt, dass es jetzt eng wird und seine Augen wieder öffnet. Er sollte ins Bett gehen, finde ich. Das finde ich etwa alle drei Tage. Weil er dann da sitzt und die Kaffeetasse mit ihm spielt. Seine Küche ist nur schummrig, das Licht kommt vom Bildschirm. Man sieht keine Pflanzen, nur ein altes Filmplakat. Aber eingerahmt. Das ist wichtig. Vielleicht mag ich seinen Bart ein bisschen.

Meine Stadt ist insbesondere absolut nicht besonders. Und das ist auch nicht wichtig. Hinter einer Wohnungstür eines alten Hauses, das voller Graffitis ist, vor dem oft Flaschen stehen und in dem Menschen wohnen, die in jeder Stadt wohnen und trotzdem Einzelstücke sind, sinkt eine junge Frau ins Bett und denkt an Exsprühherzen.

2011-08-07

Großstadtliebe. Wahrscheinlich Teil 248.

Ihr wisst es. Ich liebe Großstädte. Ich liebe Großstadtgeruch. Großstadtgeschichten. Großstadtmenschen. Und ich schreibe gerne Dinge, die in Großstädten passieren können. Ich hab ein neues Video entdeckt über eine Stadt, die ich liebend gerne irgendwann besuchen möchte. Der Director ist anscheinend irgendein Megaguru für Filmemacher und solch Leute. Ich kenn mich nicht groß aus. Ich mag einfach nur das Video. Fernweh.



San Francisco's People. Canon 5DmkII 24p from Philip Bloom on Vimeo.

2011-08-05

Die R. roch oft komisch.

Und wenn es nicht sie selbst war, dann war es ihre Wohnung. Die R. wohnte direkt neben mir in der Straße, in die ich ziehen musste, weil keine andere frei war. Der Balkon von R. war genauso groß wie meiner. Glaube ich. Er müsste es gewesen sein, aber ich habe ihn nie gesehen. Er war grün und doch unsichtbar.
R. hatte sich selbst eingemauert mit Grünzeug. Das Grünzeug wuchs überall hin. Regelmäßig musste ich es abschneiden, damit es nicht auch auf meinen Balkon wuchs. Ich hatte Angst, sie würde mit dem Grünzeug nach mir greifen und mich in ihre stinkige Wohnung ziehen. Manchmal qualmte es aus dem Grünzeug heraus. R. war wohl Raucherin, wie ich. Unterhalten haben wir uns trotzdem nie.

Wenn ich meine Wohnung verließ, ging ich an der Wohnung von R. ganz schnell vorbei. Danach wurde ich immer langsamer. Fast immer war es sehr still in der Wohnung. Ab und zu, aber wenn dann abends hörte ich kurze Schreie. Ich konnte nicht hören, was sie rief. Es klang, als würde Sie ein Klavier umhertragen.

Als ich einzog, habe ich mit einer Flasche Wein bei R. geklingelt. Vorstellen, gute Nachbarschaft und so. Dann habe ich noch mal geklingelt. Etwas schlurfte durch den Flur und dann öffnete sich die Tür einen Spalt. Im Flur war es so dunkel, dass ich nur ihre hellen Haare sah, die vom Kopf abstanden, als sei sie gerade aufgestanden. Traurig, fast gleichgültig schaute sie mich an und sagte nichts.
Ich riss mich zusammen und lächelte und sagte: „Hallo Frau R., ich bin die neue Nachbarin!“ Und völlig überdreht streckte ich ihr meinen Arm mit der Weinflasche entgegen. R. blickte auf die Flasche, hob schwer ihren Kopf, sah mich an, flüsterte: „Hallo.“ Und schloss die Tür.

Es ist fast überflüssig, zu erwähnen, denn es ist ja vollkommen klar, dass die R. nie Besuch bekam. Nie. R. schien auch keine Haustiere zu haben. Alle ältere Damen hatten Haustiere. R. nicht.

Einmal traf ich R. auf dem Flur. Sie schlich hinaus und ich kam gerade heim. Ich roch sie schon im Erdgeschoss. Als ich im dritten Stockwerk ankam, betrat sie gerade die Treppe. Ich war Luft für sie. Ich blickte ihr noch hinterher, als die Tür unten schon ins Schloss gefallen war. Ihr schwerer Duft hing im überall.
In dem Moment wäre ich gern in ihre Wohnung eingebrochen, um zu sehen, zu riechen, wer sie war. Den ganzen Abend saß ich auf meinem Sessel und dachte an R.. Doch ich hörte nicht einmal, als sie wieder heimkehrte. Irgendwann musste sie ja heimkommen. Jeder kommt irgendwann heim.

Nur R. nicht. Die R. kam nicht zurück. Nach drei Wochen war der Vermieter da und ließ die Wohnung aufbrechen. Er fragte auch mich. Aber ich konnte ihm nichts sagen.
Die R. tauchte nie wieder auf. Sie war einfach gegangen. Ohne alles. Nur die R. und ihr Geruch.

Heute wohnt N. neben mir. N. hat Blumen auf dem Balkon. Einen großen Fernseher und einen grünen Tisch davor. N. hat immer Wein im Kühlschrank und viele Männerprobleme. N. redet gern und sitzt oft auf dem Balkon, um zu mir rüber zu blicken. Ihre Blumen duften und erinnern mich daran, die R. zu vermissen.

2011-08-03

Wer spricht da? Diesmal: Marvin Ruppert



Wer bist du und was machst du? 
 
Hallo, ich bin Marvin und komme aus Marburg. Dort studiere ich und tummle mich auf Lese- und Slambühnen herum. Manchmal mache ich das aber auch woanders. Also das mit den Bühnen, nicht das Studieren. 
 
Wann hast du mit dem Slammen angefangen? 
 
Im Januar 2009 in Gießen. Eigentlich wollte ich lieber einen Tag später in Marburg auftreten, weil ich aber deutlich zu Ü20 für den dort ausnahmsweise stattfindenden U20-Slam war, bin ich dann nach Gießen gefahren. Und als "einziger Gießener heute Abend" angekündigt worden. 
 
Was bedeutet Poetry Slam für dich? 
 
Ein Hobby, wenn auch ein sehr zeitintensives, das mein Leben in den letzten Jahren enorm bereichert hat. Aber auch verkompliziert. Aber auf eine größtenteils gute Weise. 
 
Wenn du dich entscheiden müsstest: Lyrik, Prosa ganz was anderes? 
 
Ich bin und war schon immer ein großer Freund der Prosa. Manchmal versuche ich aber auch heimlich, Lyrik zu schreiben. Das dauert dann sehr, sehr lange und ist hinterher doof. Also Prosa. Ja. 
 
Dein perfekter Tag? 
 
Ausschlafen, liegenbleiben, idealerweise in angenehmer Gesellschaft, gerne Kaffee und Tiefkühllasagne ans Bett, entspannte Musik (je nach Laune Jazz, Rap oder Metal), draußen Regen. Dann irgendwann schlafen. Oder halt irgendwie ganz anders. 
 
Der beste Satz, den du je geschrieben hast? 
 
Das ist schwierig, vor allem ohne Kontext. Deswegen einer, der vielleicht nicht der beste ist, aber einer, den ich sehr mag und der für sich allein stehen kann: "Elin ist ein schöner Name, ich glaube, so nenne ich meine nächste Freundin."
 
Hast du literarische Vorbilder? 
 
Ja, viele. Ganz vorn dabei auf jeden Fall Douglas Adams, Sven Regener und Ephraim Kishon. 
 
Welche Frage hätte ich dir noch stellen sollen (plus Antwort, bitte)? 
 
"Stimmt es, dass du auch ein unglaublich tolles Poetry Slam Team hast, mit dem unglaublich tollen Alex Burkhard und ihr den unglaublich tollen Namen 'Steffis Vorschlag' habt?" 
"Ja. Unglaublich tolle Frage übrigens!" 
 
Welche Frage darf man dir nie stellen? 
 
Wie lang brauchst du eigentlich noch für dein Studium? 
 
Das ist ja alles schön und gut, aber wo kann ich dich denn jetzt im Netz finden oder deine Texte lesen? 
 
hallomarvin.wordpress.com (mein Blog, den ich mal mehr und mal weniger pflege, dort unter Videos gibt's einige meiner Texte) 
late-night-lesen.de (die Webseite meiner Lesebühne)


2011-08-02

Wörterspeise



Wer mich bei Facebook verfolgt, hat's schon mitgekriegt: New videostuff is in the house! Im Kanal der Wörterspeise, dem zauberhaften Slam von Katja Hofmann in Halle, könnt ihr euch auch die Videos der anderen Slammer anschauen, meinen Text aus der ersten Runde und unseren Pausenspaß: Slammer spielen Flunkieball gegen Zuschauer. Absolut groß: Drei normale Menschen gegen... uns. Einem Schotten, einer winzigen Frau und einem pinken Kaninchen. 


Dies hier ist mein Lieblingsvideo. Den Text könnt ihr hier nachlesen und dieser ganze Post geht raus an meine Mama, die mich zu dem Text inspiriert hat.


2011-08-01

Oh! Süß! Eine Babymade!

Eines der guten Tierbabys. Vielleicht tot. Auf jeden Fall im Zoo Hannover.


Zu Tieren habe ich ein gespaltenes Verhältnis.

Das beste Tier, was mir bis jetzt begegnet ist, war mein Meerschweinchen Walter. Der war plötzlich da, in meinem Zimmer. Da saß ein goldbraunes Knäuel und an dem Käfig hing ein Zettel mit der Aufschrift „Ich bin Walter“. Sehr höflich von ihm, sich selbst vorzustellen. Walter hat alles mitgemacht. Walter konnte sogar schwimmen. Ein bisschen jedenfalls. Ich habe es mehrmals ausprobiert. Seine Augen traten zwar panisch heraus, aber er hat sich über Wasser gehalten. Fliegen konnte er nicht. Das habe ich auch ausprobiert. Ich habe ihn genommen und auf mein Bett geschmissen. Butterweich landete er auf einem Kissenhaufen. Ich dachte, sein Quieken bedeute, dass ihm das so großen Spaß machen würde, wie es mir gemacht hätte. Inzwischen weiß ich, dass sich Meerschweinchen bei solchen Aktionen, die Wirbelsäule oder sonstwas brechen können. Wahrscheinlich waren das eher so Angstquieker.
Walter ist tot. Allerdings ist er wirklich an Altersschwäche gestorben und nicht an den Aktionen, die ich mit ihm veranstaltet habe. Ich hab ihm auch einige Gefallen getan. Als ich zwölf Jahre alt war, hatte Walter Durchfall. Wenn Meerschweinchen Durchfall haben, ist das etwas eklig. Sie kacken und gehen dann, wie üblich so'n Stück mitm Hintern zurück. Die Kacke trocknet. Tja und dann klebt sie halt am Fell. Das muss gesäubert werden. Ich habe also mal wieder ein Waschbeckenbad eingelassen und Walter reingehalten. Seife auf die Hand und schön rubbeln. Und rubbeln. Und rubbeln. Walter brummelte sich einen zurecht und auf einmal hatte ich weißliche Flüssigkeit auf der Hand. Ich hab mich gewundert. Ich war zwölf. Später ist mir dann mal aufgegangen, was das war.

Hätte ich damals schon gewusst, dass ich da im Prinzip Meerschweinchen-Babys auf der Hand hatte. Hunderte! Ich hätte wahrscheinlich so reagiert wie heute auch noch. Quieeeeeeeetsch! Ohhhhhhh! Wie süüüüüß!
Also echt mal. Tierbabys sind doch wohl megagut. Letztens sah ich im Fernsehen, wie ein kleiner Schimpanse ein Tigerbaby mit der Flasche gefüttert hat. Ein Affe hat ein Tigerbaby mit der Flasche gefüttert!! Ohhhhhh! Gleich danach kam ein kleines Katzenbaby. Ein rotes Katzenbaby. Überhaupt Katzen. Süüüüß!
Mein Kollege und ich lesen morgens im Büro Zeitungen. Nicht, weil wir Zeit schinden, sondern weil das zu unserem Job in der Unternehmenskommunikation dazugehört. Und dann ist in der Bild wieder das neueste Tierbaby abgebildet. Ich juchze. Er: Das Nilpferd? Ich: Jahaa! Er: Aha. Tierbabys sind ja extra so konzipiert. Man muss sich da freuen.

Im Ernst, ich kenne keine Frau, die nicht in Juchzer ausbricht, wenn sie ein Tierbaby sieht. Keine Tiere sind in diesem Fall: Spinnen, Ratten, Mäuse, Wespen, Schlangen, Nachtfalter, Maden. Diese... Lebewesen fallen nicht in die Kategorie Tiere. Oder hat schon einmal jemand eine Frau erlebt, die bei einer kleinen Babymade fröhlich herumkreischt und sie am liebsten sofort mit nach Hause nehmen würde? „Oh, süüüüß! Eine Babyspinne! So eine will ich auch. Wie niedlich die sind. Davon kann es wirklich nicht genug geben.“

Ich habe mal eineinhalb Stunden auf meinem Sofa gesessen und eine Spinne an meinem Vorhang beobachtet. Es war keiner da. Ich habe auf den Mann gewartet, damit er sie wegmacht. Ich habe mich nicht bewegt. Die Spinne auch nicht. Wir haben uns gegenseitig angestarrt. Ich habe ängstlich geguckt und die Spinne hat hämisch gelacht. Wir haben beide darauf gewartet, dass die andere sich bewegt. Die Spinne hat verloren. Aber nur, weil der Mann kam und sie rausgeschmissen hat. Es hilft übrigens nicht, wenn man dann so Sätze hört: „Was ist denn? Die tut doch nichts!“ Und noch weniger hilft es, wenn der Mann, ein Biologie- und Chemielehrer, dann anfängt, mir zu erklären, wie nützlich diese Viecher eigentlich sind. Das ist mir egal.
Nachts liege ich manchmal stundenlang wach, weil ich irgendetwas gehört habe, das entfernt an ein fliegendes Tier erinnern könnte. Ich traue mich nicht, das Licht anzumachen, weil ich das Tier ja dann sehen könnte und dann hätte ich die Bestätigung und dann müsste ich mich darum kümmern, dass es wegkommt, beziehungsweise den Mann wecken und ihm erklären, dass das Tier wegmuss. Bleibt das Licht aus, kann ich mir einreden, dass ich mir das ja nur eingebildet habe und in Wirklichkeit alles in Ordnung ist.

Ich schlafe bei offenem Fenster. Am Wochenende schlafe ich lange. Dann ist es im Sommer also schon warm und sonnig. Und die Wespen sind unterwegs. Wenn die Wespen in meiner Wohnung sind, kümmere ich mich nicht darum, dass sie wieder rausfinden. Ich verstecke mich komplett unter der Bettdecke und warte einfach darauf, dass ich das Brummen irgendwann nicht mehr höre. Niemals. Niemals würde ich eine Wespe töten. Denn dann kommen all ihre Freundinnen und greifen mich an. Die riechen nämlich, dass die Wespe gestorben ist. Ich kann nichts machen, außer stumm warten. Ein Mensch versteckt vor einem einen Zentimeter langen Tier unter einer Bettdecke.

Nachtfalter laufen sowieso außerhalb jeder Konkurrenz. Die sind einfach nur furchtbar. Ich hasse ja schon Schmetterlinge, aber Nachtfalter sind heimtückisch und kommen abends heimlich ins Zimmer. Die sind nervös, flattern furchtbar herum und sie sind absolut dumm. Die lassen sich nicht verjagen. Stattdessen fliegen sie einem ins Gesicht. Töten ist auch scheiße. Nicht aus Tierschutzgründen, sondern die Viecher sind einfach zu groß. Das hinterlässt Flecken. Also kann man sie nur in die Hand nehmen und rausschmeißen. Genau. Als wenn. In die Hand nehmen... Haha.

Ich wünsche mir eine verkehrte Welt. In der nachts, wenn man das Licht anlässt, kleine Zebrababys in die Wohnung spazieren oder kleine Erdmännchen-Babys plötzlich aus dem Loch in der Wand gucken. In der Insekten und Würmer und anderes Zeug unter der Erde leben und niemals rausschauen. In der kleine Elefantenbabys plötzlich an deinem Grillfleisch interessiert sind oder kleine Flauschhamster sich an deinen Eisbecher klammern. Ich wünsche mir eine Welt, in der Welpen und Ferkel niemals erwachsen werden und in der Ponys ganz selbstverständlich das Fahrrad ersetzen. Die einzigen, mit denen ich dann immer noch nichts zu tun haben will, sind Ziegen. Denn ein kleines Mädchen mit fetter Futtertüte und Ziegen zusammen in einem Streichelzoo sind keine gute Kombination. Aber das ist eine andere Geschichte.

UPDATE! Hier das Video zum Text!