2011-06-30

Monsieur Delacroix

Ich wohnte einst in ein paar Wänden, die nicht besonders groß waren. Photos meiner Liebsten hingen an den Wänden, die in bunten Farben gestrichen waren. Die Gummistiefel standen nur im Flur, weil sie voller Blumen waren und dort einfach hinpassten. Ich trug sie nie.

Die Küche war alt und klapprig und mühte sich mit dem Kochen. Vor dem Fenster mit der breiten Fensterbank stand ein kleiner dunkelgrüner Tisch. Die Farbe blätterte ab und man wusste, dass es mit dem Tisch bald zu Ende gehen würde. Davor wartete jeden Morgen ein roter Stuhl auf mich und meinen Kaffee. Und gegenüber wartete Monsieur Delacroix.

Monsieur Delacroix saß immer an seinem Küchenfenster und blickte hinaus. Vor ihm stand eine Staffelei und er malte, tagein tagaus. Ich wusste nicht, wie er wirklich hieß, aber der Name erschien mir passend. Und ich musste ihm einen Namen geben, denn mit Dingen, die keinen Namen haben, konnte ich nicht umgehen.

Monsieur Delacroix war alt, sehr alt. Zumindest sah er sehr alt aus. Er hatte runzlige Haut, die sich über seine kleine Augen und seine große Nase legte. Ein paar weiße Haare standen vom Kopf ab und die restlichen hatten sich verabschiedet wie die Farbe an meinem Tisch. Und er lächelte immer. Er lächelte morgens, wenn ich mich setzte und abends, wenn ich heimkam. Er lächelte mir zu und ab und zu winkte er auch. Dazu legte er langsam den Pinsel aus der Hand, drehte sich frontal zum Fenster und hob seinen alten Arm, um mir zuzuwinken.

Anfangs war ich beschämt und drehte mich weg. Doch Monsieur Delacroix hörte nicht auf. Dann habe ich ihm zurück gewunken. Zaghaft erst und dann immer fröhlicher.

Monsieur Delacroix kannte mich damals besser als jeder andere. Er kannte meine Stimmungen, er kannte meine Männer, er wusste, dass ich keine Bohnen esse und mich erst mit Rouge auf den Wangen so richtig wohl fühle. Ich kannte Monsieur Delacroix nur lächelnd.

Es kam der Tag, da ich der Liebe wegen sehr unglücklich war. Ich packte meine Gummistiefel, meine Photos und meine Kaffeetassen in Kisten und war bereit zu gehen. Ich verabschiedete mich von meinem Tisch, da ich wusste, dass er eine weitere Reise nicht überleben würde. Ich wollte ihn in der Obhut von Monsieur Delacroix lassen und strich ein letztes Mal über die Tischplatte. Dann schaute ich nach oben und sah das leere Fenster. Die Wohnung von Monsieur Delacroix schien verlassen. Das Fenster war, ohne sein Lachen einrahmen zu können, wertlos geworden.

Mulmig wurde mir erst, als ich mit meinen letzten zwei Kisten auf die Straße trat und den Polizeiwagen sah. Ich wusste sofort Bescheid.

Ich rannte in das andere Haus, die knarrzenden Treppen hinauf in die vierte Etage. Die Tür stand auf und die Luft in der Wohnung war voller Staub. Es war dunkel, wie zur Abenddämmerung und eine Katze schlängelte sich um meine Beine. Ich nahm die Katze in den Arm und betrat die Wohnung. Der Polizist kam mir entgegen und fragte, ob ich den Herrn gekannt hätte. Ja, sagte ich, und doch nein, er wohnte mir gegenüber. Ich wurde in die Küche gebeten und da sah ich die Staffelei.

Auf dem Gemälde fand ich mich wieder. Wie ich umrankt von Blumen und Blättern in meinem Fenster sitze und Kaffee trinke. Ich lächle und hebe die Hand zum Gruß. Das sind doch Sie, nicht, sagte der Polizist. Ich nickte nur und weinte still.

Das Bild hängt heute in meiner Küche. Ich habe mir einen grünen Tisch gekauft und an einigen Stellen die Farbe abgeschlagen. Durch mein Fenster kann ich fast nicht blicken, weil so viele Blumen davor stehen. Und wenn ich morgens meinen Kaffee trinke, sitzt mir Monsieur Delacroix gegenüber, schlabbert seine Milch und maunzt mich an.

2011-06-27

Wer spricht da? Diesmal: Cathérine de la Roche


© Alexander Hellwig

Wer bist du und was machst du?

Cathérine de la Roche // Songwriterin und Poetry Slammerin aus Köln

Wann hast du mit dem Slammen angefangen?

So richtig ernsthaft vor 1 ½ Jahren

Was bedeutet „Poetry Slam“ für dich?

Poetry Slam ist für mich inzwischen viel mehr als „einfach nur“ Texte vortragen.

Inzwischen bin ich glücklich, irgendwann in diese Welt eingetaucht zu sein, nette Menschen um mich herumgehabt zu haben, die mir halfen mich zurecht zu finden und nun Teil dieser interessanten Gemeinschaft zu sein. Es gibt immer etwas Neues/neue Menschen zu entdecken und kennenzulernen, ich liebe das! 

Wenn du dich entscheiden müsstest: Lyrik, Prosa oder ganz was anderes?

Ich liebe Lyrik und Prosa – doch wenn ichs könnte, würde ich auch gern mal was zum Lachen schreiben. Vielleicht kann ichs auch eigentlich und weiß nur noch nichts davon. Ich bleib dran…. ;)

Dein perfekter Tag?

Beginnt mit Mittagessen statt mit Frühstück, mit erträglichem Wetter bei dem man rausgehen kann und guten Menschen um mich herum. Manchmal auch einfach nichts davon und nur im Bett liegen und schlechte Sendungen im TV belächeln.

Der beste Satz, den du je geschrieben hast?

Trübe Tiefseetauchentränen bahnten sich durch deine müden Augen.

Hast du literarische Vorbilder?

Vorbilder vielleicht nicht unbedingt, aber ich bewundere: Hermann Hesse und Walter Moers.

Welche Frage hätte ich dir noch stellen sollen (plus Antwort, bitte)?

Bist du noch Single?
Ja, bin ich.

Welche Frage darf man dir nie stellen?

Ob ich wirklich so heiße wie ich heiße.

Das ist ja alles schön und gut, aber wo kann ich dich denn jetzt im Netz
finden oder deine Texte lesen?

Im Netz: delaroche-music
Bei Facebook: Cathérine de la Roche
Bei YouTube: Cathérinemusic

P.S.: Cathérine hat übrigens auch eine ganz und gar fantastische CD, die bei mir rauf und runter läuft. Wenn es euch wie mir geht und ihr seid nach kurzer Zeit auf ihrer Seite und dem YouTube-Kanal süchtig, dann könnt ihr die CD per Mail bei Cathérine bestellen.


2011-06-23

Tattooman & Businesswoman

Wenn ich zwischen all den Anzugkaspern morgens in den Zug steige, bin ich Momo unter den grauen Herren, die Farbexplosion im Nichts, Hip Hopserin unter Wagner-Fans. Ich trage Hoodie, Sneaker, Rock, Shirt und fast alles davon in anderen Farben als grau und beige. Wenn ich dann bei der Fahrkartenkontrolle meine Deluxe-Hunderter zücke, bemerke ich den ein oder anderen überraschten Blick. Tja, fuck you, Businesspeople, nicht immer lassen sich vom Aussehen Rückschlüsse auf Beruf und Lebenswandel machen.

Als ich noch ein Kind war, fand ich es sehr überraschend, dass in der Bank nur Menschen herumliefen, die alle irgendwie gleich aussahen. Alle trugen Hemd oder Bluse, alle trugen Rock oder Hose und alle trugen ein angestrengtes Lächeln. Auf die Frage „Mama, warum sind hier alle so gleich angezogen?“ antwortete meine Mutter mir, sowas sei schick und seriös. Bankkunden fühlten sich so besser aufgehoben und netter behandelt, als wenn da jemand in Jogginghose herumstehen würde. Die Antwort habe ich akzeptiert. Einige Jahre später hatten wir die gleiche Diskussion, in der meine Mama sagte: „Oder würdest du einem Bankberater vertrauen, dessen Arme tätowiert sind und der lauter Ringe im Gesicht hat?“ Falsche Frage. Denn zu der Zeit und auch noch heute, würde ich wohl antworten, dass mich sowohl die Businesswoman als auch der Stylorocker gerne in einer Bank beraten darf. Mit Tattoomann wäre es vielleicht sogar noch ein bisschen netter, weil ich mit ihm bestimmt über mehr Dinge unterhalten kann als mit der Businesswoman. Und hier ist doch die Krux! Ich wette, dass einige Unternehmen viel mehr und vor allem viel mehr junge Kunden locken könnten, wenn sie nach außen zeigen: Hier, bei uns sieht jeder so aus wie er möchte. Hauptsache, er duscht regelmäßig.

Im Ernst. So lange jemand nicht stinkt, ungepflegte Fingernägel hat oder fettige Haare, ist es doch wirklich wumpe, wer da deinen Kredit genehmigt, deine Wohnung vermietet oder deine Steuererklärung macht.

Wenn man jung und wild ist, macht man mehr oder weniger abgefahrene Sachen. Haare färben. Piercings stechen lassen (es soll ja auch Menschen geben, die das selber machen. Hilfe.) und den Stern an den Ellenbogen pieksen lassen. Und dann sagt jeder vernünftige Mensch in der Umgebung: „Wenn du anfängst zu arbeiten, musst aber damit aufhören, die Piercings rausnehmen und die Tattoos verstecken.“ Aber warum? Nur weil es schon immer so war? In 40 Jahren hat jede Oma ein Arschgeweih, einen Schriftzug auf dem Fuß oder einen Notenschlüssel hinterm Ohr. Und jeder Opa hat ein Brustwarzenpiercing oder einen Drachen auf dem Rücken oder ein Pin-Up-Girl auf der Wade. So what?!

Wir sind immer alle sowas von „tolerant“ gegenüber allem, was nicht „normal“ ist. Aber was ist schon normal? Und wieso toleriere ich die anderen nur? Wieso akzeptiere ich sie nicht einfach?
Und jetzt geht ihr raus in die Welt und lächelt die nächstbeste Person an. Einfach so. Egal, wie sie aussieht.

2011-06-20

Wer spricht da? Diesmal: Marc Domin


Heute ein kleines Spezial! Von Benjamin habe ich ja schon geschwärmt. Jetzt kommt hier sein Kumpane Marc Domin. Nach eigener Aussage ist er kein Slammer. Und deshalb ist das jetzt hier ein Spezial. Denn Marc ist toll. Und dann wird diese Rubrik eben kurz ein bisschen umgewandelt. Und gilt heute auch für Untergrund-Literaten aus Wolfsburg.

Wer bist du und was machst du?

Ich bin Marc Domin und schreibe und lese und lese vor. Von Songtexten über Gedichte
bis hin zu Kurzgeschichten der etwas anderen Art.

Wann hast du mit dem Slammen angefangen?

Ich bin ja kein Slammer im eigentlichen Sinne. Ich sehe mich eher als
Geschichtenerzähler, Provocateur und Untergrund-Literat. Begonnen hat es trotzdem im
Jahre 2006 mit einem Slam in Wolfsburg (Café Zakk).

Was bedeutet „Poetry Slam“ für dich?

Wenn ich ehrlich bin, nicht sonderlich viel. Das Format tendiert aus meiner Sicht zu sehr
in Richtung Mainstream und viele Slammer unterscheiden sich teilweise nur noch durch
ihre Namen. Poetry Slam ist meines Erachtens eine Untergrundsache. Da haben
einstudierte „Performances“ nichts zu suchen. Aber es gibt natürlich immer wohltuende
Ausnahmen, sozusagen die „Punks“ unter den Literaten. Spontan würde ich sagen
Dominik Bartels, Sven Kamin und ich...

Wenn du dich entscheiden müsstest: Lyrik, Prosa oder ganz was anderes?

Prosa. Obwohl Lyrik... Ich bin da nicht so festgelegt. Ich mische es manchmal.

Dein perfekter Tag?

Wenn meine kleine Tochter erstmals Papa sagt! Und ich dann abends ein eiskaltes Bier
trinke, weil ich mir ja nachmittags mein Traum-Motorrad gekauft habe! Und Tom Waits
läuft im Radio und Shane Mac Gowan hat bei meinem Hörbuch den „Gefällt mir“-Button
geklickt. Und mein Kumpel Benjamin ruft an und sagt: „Hey Marc! Shane Mac Gowan
gefällt unser Hörbuch!“ Und ich sage: „Ich weiß, und meine kleine Tochter hat heute
erstmals Papa gesagt“!

Der beste Satz, den du je geschrieben hast?

Es wäre gemein den anderen Sätzen gegenüber, einen ganz speziellen hervorzuheben.
Aber ich mag: „Manche Sachen sind fiktiv, andere habe ich mir einfach ausgedacht“.

Hast du literarische Vorbilder?

Nein.

Welche Frage hätte ich dir noch stellen sollen (plus Antwort, bitte)?

Welches ist denn eigentlich dein Traummotorrad? Antwort: Royal Enfield Bullet 500.

Welche Frage darf man dir nie stellen?

Sag mal, hast du zugenommen?

Das ist ja alles schön und gut, aber wo kann ich dich denn jetzt im Netz
finden oder deine Texte lesen?

Am besten erreichst du mich unter Facebook
Lesen und hören kann man mich auf den Auftritten, Slams oder anderen Verrücktheiten, die ich so mache.

Was er nicht verraten hat: Es gibt auch ein neues Buch mit Marc's Texten. Das heißt "Jenseits von Gut", hält, was es verspricht und man kann es hier online kaufen oder hier offline kaufen.


2011-06-17

Menschen, die ich nicht kenne, kann ich nicht leiden. Hunde auch.

Menschen, die ich nicht kenne, kann ich nicht leiden. Menschen, die ich nicht kenne, schauen mich an, wie Menschen, die mich kennen, aber nicht wissen, was in mir drin ist. Sie zucken zweifelnd zögernd mit der Augenbraue und starren.

Ich spreche nicht gerne mit Menschen, die ich nicht kenne. Menschen, die mich kennen, können das meist nicht glauben. Ich spreche ansonsten sehr viel. Auch sehr viel über Quatsch. Und manchmal lacht auch jemand. Aber mir unbekannte Menschen sind mir suspekt. Mit denen will ich nichts zu tun haben. Daraus ergibt sich ein Problem.

Hunde, die ich nicht kenne, kann ich nicht leiden. Hunde sind böse und laut. Die meisten jedenfalls. Hunde, die ich kenne, streichele ich gern. Oder halte sie auch mal an der Leine. Aber nur kurz, bis ein fremder Hund vorbei kommt, den ich ja dann auch wieder nicht leiden kann. Dann weiß niemand, wie diese prekäre Situation ausgehen könnte. Deshalb lasse ich die Leine dann schnell los und renne weg. Sollen die das doch unter sich ausmachen. Freilaufende Hunde mag ich nicht und deren Besitzer schon gar nicht. Freilaufende Hunde erinnern mich immer an Aaron. Aaron hat den arischsten Hundenamen in ganz Westfalen. Er wohnt auf einem Hof und bellt. Das tut er immer, wenn jemand vorbei kommt. Ich kenne Aaron nicht. Und deswegen kann ich ihn nicht leiden. Aarons Kopf endet ungefähr da, wo meine Hüfte anfängt. Dafür wiegt Aaron mehr. Viel mehr.

Der Mann, ein Hund, mit dem ich befreundet war, weil es der Hund vom Mann war, der aber jetzt schon tot ist, also der Hund, nicht der Mann und ich gingen an Aarons Hof vorbei.

Der Hund, mit dem ich befreundet war, hieß Max. Ein harmloser, hundiger Hundename. Max war alt und sehr taub. Und fast blind. Max interessierte sich einen Scheißdreck dafür, was Aaron so macht. Ich interessierte mich umso mehr dafür, weil Aaron uns mit gefletschten Zähnen hinterher schlich und böse, sehr böse, knurrte. Niemand erlitt Verletzungen. Keine körperlichen. Ich erlitt seelische. Und hätte Max irgendwie mitbekommen, dass sich in seiner Nähe ein Hund für ihn interessiert, auf bösartige Art und Weise, dann hätte er wohlmöglich auch seelische Verletzungen davon getragen. Wenn nicht mehr. Hätte ich Aaron gekannt und wäre mit ihm befreundet gewesen, dann hätte ich gewusst, dass Aarons Verhalten wahrscheinlich total nett gemeint war und er uns einfach lieb begrüßen wollte auf seinem Territorium. Ich kenne Aaron aber nicht. Und deshalb mag ich ihn nicht. Daraus ergibt sich ein Problem.

Wen man nämlich jemanden, den man nicht kennt, nicht mag, kann man auch niemanden kennenlernen, den man dann kennt, um ihn dann zu mögen. Was für eine verflixte Situation.

Ich bin sehr gut darin, Menschen sofort in Schubladen zu stecken. Du bist hässlich und deshalb bestimmt auch irgendwie komisch. Du studierst Jura und wählst die CDU. Du trägst dein Kind im Tragegurt und stillst es bestimmt auch bis zur Einschulung. Ich bin klein und deshalb bestimmt besonders machtgeil und anstrengend, weil ich ständig nach noch mehr Aufmerksamkeit giere, die mir ja sonst verwehrt bleibt, weil mich niemand sieht. Gut, dass ich mich kenne, denn sonst könnte ich mich jetzt auch schon nicht mehr leiden. Sehr oft, viel öfter als mir lieb ist, passiert in solchen Fällen folgendes. Genau in dieser Reihenfolge:

Der Mann sagt: „Du bist super oberflächlich. Vielleicht ist der ja ganz nett.“
Dann sage ich: „Quatsch, ich bin nicht oberflächlich. Aber guck dir den mal an, das geht gar nicht.“

Dann trinke ich aus irgendeinem dummen Zufall ein Bier mit diesem Menschen und stelle danach fest, dass ich super oberflächlich bin und der Typ eigentlich ganz nett ist und tolle Dinge kann.

Tja, liebe Freunde, so habe ich euch alle kennengelernt. Fragt lieber nicht, was ich anfangs über euch dachte. Und wer aufgepasst hat, weiß jetzt, wie ich die wenigen Menschen, die ich kenne und also mag, kennengelernt hab. Ich habe meinen Hass überwunden. Passiert aber nicht oft. Vor allem nicht bei Hunden.


2011-06-16

Es reicht

Ich hab die Schnauze voll, echt jetzt. Es interessiert mich so ungefähr überhaupt nicht, wer in der deutschen Fußball-Frauennationalmannschaft mit Männern ins Bett geht und wer mit Frauen. Ich freu mich auf Fußball. Und nicht auf Bettgeschichten. Ich schaue mir die Bundesliga der Herren genauso gerne an wie die Spiele der Frauen. Ich freue mich über eine Weltmeisterschaft in Deutschland, egal ob die Menschen dort Muschis oder Penes in der Hose haben. Und es interessiert mich auch nicht, welchen Eyeliner, welches Make-Up oder welchen Lippenstift die Spielerinnen benutzen. Weil die mir auch nicht erzählen können, dass sie überhaupt irgendetwas davon benutzen. Jedenfalls nicht bei Training oder Spiel.

Und es interessiert mich auch nicht, wer hier den „schöneren“ Fußball spielt. Wer spielt denn den schöneren Basketball oder wer schwimmt schöner oder wer fährt schöner Ski? Das fragt sich niemand. Also lasst es doch bitte auch beim Fußball.

Es gibt zwei Möglichkeiten: Ihr habt Spaß daran, euch die Spiele anzugucken, wie ich auch und ihr macht es. Oder ihr interessiert euch eben nicht dafür. Der Rest geht mir ab sofort am Arsch vorbei.

2011-06-15

Let's get ready to rumble

Die Sonne scheint und die Tage sind lang und bald, ganz bald habe ich Urlaub. Davor und danach erobere ich diverse Bühnen und erzähle euch Geschichten. Wann genau und wo überhaupt, seht ihr jetzt:

28. Juni Berlin, Mano Café
29. Juni Hannover, 3RAUM im Ballhof
1. Juli Markranstädt, Rock im Stadtpark
2. Juli Halle, Brohmers


♥ ♥ ♥ Ninia irgendwo im Baltikum mit Mann und Rucksack ♥ ♥ ♥

16. Juli  – Clausthal, StuZ
17. Juli Göttingen, ThOP
20. Juli Bielefeld, Im Kamp
22. Juli Rheine, Tholi
9. September Braunschweig, LOT-Theater

Den Slam in Clausthal organisiere und moderiere ich. Falls das also jemand aus dem Harz liest: Erzähl es weiter, mach Werbung und komm vorbei, mit Text! Das wird ganz und gar schnuckelig.
Ich freue mich, wenn ich euch irgendwo treffe. Aber noch mehr, und da bin ich jetzt Egoistin, freue ich mich auf den wunderbaren Urlaub mit Mann. Wie berichtet bereisen wir Tallinn, Vilnius und Riga (in irgendeiner Reihenfolge) und werden uns ganz viel anschauen, ganz viel herumlaufen und ganz viel einfach anderes sehen. Yippieh!

Die Lesebühne war wieder ein voller Erfolg. Das ist so toll, was alles an Talent in und um Göttingen herum schlummert. Bei folgenden Menschen könnt ihr lesen, wie es war, so spare ich mir jetzt einen Absatz und danke für die tollen Fotos, die geschossen wurden: Hamti, Bandito, Herdis und Danny.


Batgirl vor Bühnenaufbau. Via Bandito.

2011-06-13

Wer spricht da? Diesmal: Dominik Bartels

© Uwe Lehmann
Wer bist du und was machst du?

Ich bin Dominik Bartels und versuche, Dinge zu tun, die mich begeistern. Daneben gehe ich arbeiten.

Wann hast du mit dem Slammen angefangen?

Irgendwann im Jahre 2005. Zunächst nur regional. Seit 3 Jahren bin ich sehr viel in ganz Deutschland unterwegs.

Was bedeutet „Poetry Slam“ für dich?

Es die populärste Form, die eigenen Zeilen einem interessierten Publikum vorzustellen. Daneben ist es die Möglichkeit, mit vielen Gleichgesinnten die Bühne zu teilen, Kontakte zu knüpfen und Kritikfähigkeit zu lernen. Ich gebe es offen zu, ich liebe Poetry Slam.

Wenn du dich entscheiden müsstest: Lyrik, Prosa oder ganz was anderes?

Wenn ich mich entscheiden müsste, dann würde ich Prosa wählen. Geschichten zu erzählen, hat eine lange Tradition in der Kulturgeschichte. Außerdem engen mich die Regeln der Lyrik zu sehr ein. Wenn mir etwas wirklich auf dem Herzen liegt, dann möchte ich es einfach sagen, ohne ewig nach dem notwendigen Reim zu suchen. Allerdings bewundere ich die lyrischen Slammer, weil man nie das Gefühl hat, dass sie angestrengt nach Schema arbeiten. Das ist Kunst.

Dein perfekter Tag?

… wäre ein Tag, an dem ich abends das Gefühl habe, die Welt ist ein klein wenig besser geworden.

Der beste Satz, den du je geschrieben hast?

Ich habe einen Lieblingssatz. Wie gut der tatsächlich ist, müssten die Leser selbst entscheiden.

„Trauer bedeutet sprachlose Unerträglichkeit des Seins.“

Hast du literarische Vorbilder?

Ich denke, wenn man sehr viel liest, dann bleibt das nicht aus. Sven Regener finde ich ziemlich genial. Ich mag aber insbesondere auch die irischen Erzähler wie Roddy Doyle, Danny Morrison, Robert McLiam Wilson oder Flann O´Brien. Und Nick Hornby, den finde ich auch klasse.

Welche Frage hätte ich dir noch stellen sollen (plus Antwort, bitte)?

Glaubst Du an ein Leben nach dem Tod? Nein, ich glaube an ein Leben vor dem Tod und finde, man sollte möglichst alles rausholen. Am Ende möchte ich dem Sensenmann ins Gesicht grinsen und sagen: „Was für eine abgefahrene Sache – dieses Leben.“

Welche Frage darf man dir nie stellen?

Findest Du mich zu dick?

Das ist ja alles schön und gut, aber wo kann ich dich denn jetzt im Netz finden oder deine Texte lesen?

Im Internet: dominik-bartels.com
Meine Veranstaltung: street-poetry.de
Bücher hier: blaulicht-verlag.com

P.S.: Ich habe natürlich nur die Besten im Programm, denn Dominik hat vor wenigen Tagen den ARTE WebSlam gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!

2011-06-12

Es gibt auch gute Männer aus Braunschweig

schlechte Handyqualität zeigt gute Bühnenqualität

Bevor es heute Abend mit der zweiten Ausgabe von "Acrobat Readers" losgeht, hier eine wichtige Nachricht an euch: Ich habe mich gestern verliebt. Der Mann muss keine Angst haben. Ich habe mich musikalisch verliebt. Ich war zu Gast bei der Lesebühne von Marc Domin, der mit seinem Kumpanen Benjamin Kaiser und Rikje Stanze in Göttingen Rast machte. Und da ihr von Marc und Rikje hier bestimmt demnächst sowieso noch mehr hören werdet, heute ein Loblied auf Benjamin. 

Der kommt aus Braunschweig (meiner Herzens-Heimat!) und spielt grandiose Musik. Gestern hatte er auch noch einen kratzigen Hals, was das Ganze meiner Meinung nach noch ein bisschen geiler gemacht hat. Zauberhaft schöne Texte und tolle Musik. Bitte erzählt euren Freunden, wie gut dieser Mann ist und kauft seine CD. Oder das Live-Hörbuch von Marc und Benjamin zusammen. Ganz egal. Oder überhäuft sie einfach mit Glitzer. 

Aber vorher kommt ihr ins Nörgelbuff und hört uns zu: bis heute Abend!

2011-06-10

Was hörst du gerade?

Entdeckt bei jetzt.de: Saucoole Sache. Leute in der Stadt ansprechen und fragen, was sie hören. Ich hoffe, das verbreitet sich furchtbar schnell, damit ich noch ganz viele weitere Videos gucken kann. Angefangen hat Ty Cullen in New York. Dann London und jetzt München. In Bildern gibt es das Ganze schon seit längerem, in Blogform. Ich müsste zur Zeit entweder mit Claire Mcguire oder Jessie J antworten. Die beiden höre ich nämlich rauf und runter. Oder die All-Time-Favourites Clueso und Adele. Und was hört ihr gerade?



Favourit von Claire



Favourit von Jessie J

2011-06-09

Ich will immer Urlaub haben

Ich möchte immer Urlaub haben.

Ich will nicht nicht arbeiten. Oder nur rumhängen. Oder gar nichts tun. Oder Künstler sein. Ich möchte einfach immer Urlaub haben.

Ich möchte immer dieses Gefühl haben, dass die Arbeit erst in zwei Wochen wieder anfängt.

Ich möchte jeden Tag ausschlafen mit dem Gedanken, dass ich heute endlich mal ausschlafen kann. Und danach frühstücken gehen, um was Besonderes zu machen und nicht den Pappbecher-Kaffee morgens um 6.30 Uhr am Bahnhof zu kaufen.

Ich will jeden Tag aufwachen und denken, nur noch einmal schlafen, dann geht der Flieger. Ich will dieses Vorflieger-Urlaubs-Kribbelgefühl jeden Tag im Bauch haben.

Ich will jeden Tag denken, du musst noch packen und dies und das einkaufen.

Ich will immer in den Zeitschriftenladen gehen und sehen, wie mich strahlende Sommermädchen von den Covern anlächeln und feststellen, dass ich genauso braun bin wie sie. Und dann will ich den Festivalguide entdecken, kaufen und mich beim drin rumblättern auf Musik freuen. Überhaupt will ich mich jeden Tag auf Musik unter freiem Himmel freuen.

Ich will mit nackten Beinen in frischem Gras tanzen und die Zeit vergessen. Ich will mit nackten Beinen bei Regen einfach unter der Decke bleiben und nach draußen starren und Tropfen zählen. Und dann will ich mich umdrehen und ein Buch lesen. Oh ja, ich will lesen. Ich will soviel lesen, dass der Urlaub nie vorbei gehen darf. Geht er ja auch nicht, weil ich dann ja immer im Urlaub bin.

Ich will jeden Tag morgens aus dem Fenster schauen und denken, dass das ja wohl optimales Freibadwetter ist. Und dann packe ich meinen Bikini ein, um in der Sonne zu liegen und mir Freibadgeräusche anzuhören. Ich höre dann Bälle, die auf Tischtennisplatten knallen. Beachvolleyball-Spieler, die sich Dinge zurufen. Kinder, die jubelnd eine Rutsche runterrutschen und all diese Sommersonnengeräusche, die man hört, wenn man ein bisschen Chlorwasser in Ohr und Nase hat.

Ich will jeden Abend unter der Dusche das Festivalbändchen zur Seite schieben und staunen, wie braun ich schon wieder geworden bin. So braun war ich ja noch nie. Und dann kein Peeling benutzen, damit die Bräune nicht gleich wieder abgeschrubbelt wird.

Ich will immer überlegen, welches Tattoo man an welcher Körperstelle im Sommer wohl am besten sehen kann. Und welches Make-up im Urlaub schnell geht und gut aussieht. Und danach gleich wieder alles verwerfen und rufen, dass dieser Blödsinn im Urlaub ja sowieso scheißegal ist. Menschen, die Urlaub haben, sehen immer gut aus. Gut, glücklich und selbstvergessen.

Ich will jeden Abend ein dickes Steak auf den Grill legen und danach bei Sonnenuntergang und leichtem Frösteln verspeisen. Ich will Bier, das irgendwann mal kühl war, aber jetzt schon diese Sommerwärme hat, die sich nicht vermeiden lässt, die aber auch unwichtig ist, weil man Urlaub hat.

Und ich will Urlaubssex. Ich will morgens neben dir aufwachen und Zeit haben. Für alles. Ich will glückstrunken deine Badehosenabdrücke erkunden.

Ich will 24 Stunden lang diesen Geruch in der Nase haben. Diese Mischung aus aufgeheiztem Asphalt, Sonnencreme und Freizeit. Und dazu barfuss Fahrrad fahren.

Und dann will ich Urlaubsfotos machen, die alle ein bisschen verwackelt sind und auf denen, von der Seite ein Lichtstrahl einfällt. Sie zeigen lachende Gesichter und keine Sehenswürdigkeiten.

Ich will einfach frei sein. Mit Vorfreude im Bauch. Und ich will, dass mir niemand sagt, dass ich dieses Gefühl nur kenne, weil ich sonst arbeiten gehe.

Ich will immer Urlaub haben.

2011-06-08

Die akrobatischen Leser und ein Gewinnspiel


Am Sonntag gibt es endlich die zweite Ausgabe von "Acrobat Readers". Los geht's um 20 Uhr im Nörgelbuff. Ich freue mich auf sehr fantastische Gäste: Mieze Medusa (die am Freitag bereits beim Göttinger Antifee-Festival mit ihrer Band auftreten wird), Herdis Monje, Thorben Schulte, Danny Sahs, Nico Ragua und Laura Marahrens. Der Eintritt kostet lächerliche zwei Euro. Und dafür gibt's schöne Texte und poetische Atmosphäre en masse!

Und wer unter diesem Post, oder bei meiner Facebook-Seite einen Kommentar hinterlässt, hat sogar wieder die Chance zwei Gästelistenplätze zu gewinnen. Unter den Menschen, die bis Freitag, 23:59 Uhr kommentieren, verlose ich einmal zwei Gästelistenplätze. Juhu.

2011-06-06

Wer spricht da? Diesmal: Moritz Neumeier

Wer bist du und was machst du?

Ich bin Moritz Neumeier und lebe im weitesten Sinne davon, auf Bühnen aufzutreten. Das heißt, ich moderiere, slamme, veranstalte und trete mit meinem „Team und Struppi“ auf. Dazu gebe ich Workshops und unterrichte Kinder und Jugendliche in Rethorik und dem Ansatz zum kreativen Schreiben.

Wann hast du mit dem Slammen angefangen?

Das war 2008 in Kiel.

Was bedeutet „Poetry Slam“ für dich?

Mit Poetry Slam hat für mich alles angefangen. Die ersten Bühnen, die ersten Texte, die ersten Sprünge. Slam ist für mich die einfachste und beste Art, etwas dirket zu sagen. Du musst nicht warten, bis jemand dein Buch veröffentlicht, sondern schreibst etwas und weißt, dass dir abends Menschen zuhören werden.

Wenn du dich entscheiden müsstest: Lyrik, Prosa oder ganz was anderes?

Lyrik. Ich habe mit Prosa angefangen, bin dann aber schnell in die Lyrik übergegangen. Wobei ich immer noch gerne beides schreibe. Für jede Aussage und jeden Auftritt sollte man sich neu entscheiden, welche Textform zum Inhalt passt.

Dein perfekter Tag?

Keine Ahnung, der ist jedes Mal anders.

Der beste Satz, den du je geschrieben hast?

Das ist schwer... Im Moment gefällt mir dieser am besten: „Ich weiß, dass du glaubst, du seist schwer zu halten und ich weiß, dass meine Hände nicht besonders groß sind...“ Aber das ändert sich oft.

Hast du literarische Vorbilder?

Erich Kästner ist eines. Seine Gedichte aus den Zwanzigern sind umwerfend. Aber auch Böll finde ich unglaublich...

Welche Frage hätte ich dir noch stellen sollen (plus Antwort, bitte)?

Du hättest mich fragen sollen, wer mein Wegbereiter war und ich hätte mit „Björn Högsdal“ geantwortet.

Welche Frage darf man dir nie stellen?

Du kannst mir alle Fragen stellen, wenn es mir nicht passt, antworte ich nicht darauf.

Das ist ja alles schön und gut, aber wo kann ich dich denn jetzt im Netz finden oder deine Texte lesen?

Meine Homepage findet man unter moritz-neumeier.de, das Team unter klartext-booking.de, mein Buch kann man bei periplaneta.com kaufen und für alles andere gibt es das Telefon.

2011-06-05

Shitstorm in Bewegung

Guckt mal hier: Die netten Menschen in Magdeburg haben ein Video von meinen beiden Auftritten gemacht! Den Text "Shitstorm" gab's in der Vorrunde und im Finale den Bericht über die Ü-25-Party. Schreibe gerade an ganz viel neuem, fast überwiegend ernstem Zeug. Das passt, weil demnächst wieder ganz viele Auftritte anstehen, juhu! Berlin, Makranstädt, Halle, Göttingen, Bielefeld, Rheine, ich komme!


2011-06-01

Du sagst, ich hab dein Herz gebrochen

Du sagst, ich hab dein Herz gebrochen
Hinterrücks und unbedacht
Bin heimlich in dich reingekrochen
Hab dich um den Verstand gebracht

Ich weiß, ich braucht mich nicht groß bemühen
Ein bisschen Haut, ein bisschen Säuseln
Haare um den Finger kräuseln
Und schon begann dein Kopf zu glühen

Doch das, was dir so leicht erschien
War Liebe auf den ersten Blick
Gefühle haben dich angeschrien
Das war kein Zaubertrick

Und du?
Lebst luftig in den Tag hinein
Entscheidungslos und unbeschwert
Ach! Mal hier, mal da
Durchschnitt ist erstrebenswert

Wir sind nichts Festes
Aber auch nicht allein
Ich geb mein Bestes
Doch du willst nicht zusammen sein

Treue, man, was ist das schon?
Wenn man nicht macht, was man gern will?
Wie, zur Hölle, geht deine Definition?
Wenn ich dich frage, bleibst du still

Ich war nicht ehrlich, eigentlich nie
Ein bisschen Bier, ein bisschen feiern
Liebesschwüre runterleiern
Schon stimmte die Chemie… mit Anderen

Doch eines sollst du endlich wissen
Mit Absicht hab ich nichts gemacht
Ich fühlte mich wie ausgeschissen
Denn DU hast MICH um den Verstand gebracht

Und du?
Lebst luftig in den Tag hinein
Entscheidungslos und unbeschwert
Ach! Mal hier, mal da
Durchschnitt ist erstrebenswert

Wir sind nichts Festes
Aber auch nicht allein
Ich geb mein Bestes
Doch du willst nicht zusammen sein

Ja, es stimmt, ich hab dein Herz gebrochen
Hinterrücks und unbedacht
Bin heimlich in dich reingekrochen
Und hab drin alles kaputt gemacht

Und weißt was? Es tat so gut
Dir einmal zu zeigen, wie man sich fühlt
Wenn einem jemand die Seele zerwühlt
Wenn man mit Mut gut daran tut,
Sich einmal zur rächen
Vor deine Füße zu brechen
Und dir am Ende
Als sei nichts gewesen
Ein Taschentuch
Für deine Tränen zu geben

Die schon lange nicht mehr mir gelten,
Aber die mich beflügelten
Mich endlich zu lösen
Uns beide auf-zu-lösen

Wir waren nichts Festes
Sondern immer allein
Du gabst dein Bestes
Doch ich wollt nicht zusammen sein