2011-03-28

Die Küche ist tot

Falls ihr es nicht längst schon tut: Hier könnt ihr mich mögen. Da gibt es auch noch mehr Bilder, Fundstücke aus dem Netz, Updates meiner Auftritte und alles andere, was ich für erwähnenswert halte. Und nun aber zur heutigen Erzählung.

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Die Küche ist tot.

Als sie noch lebendig war, lebtest du in ihr, wie ein Kaiser in seinem Reich.
Meine Küche ist nun tot.
Ich konnte mich nicht einmal verabschieden. Nun sitze ich in meiner leblosen Küche und trinke ihr zu Ehren einen Kaffee. Einen Kaffee, der mich nach vier Tagen Hölle aufbauen soll. Mich dazu bewegen soll, drei Schritte vor die Tür zu machen. Mich dazu bewegen soll, das Fenster zu öffnen. Ich schwitze. Es ist sehr warm in der toten Küche. Und ich dachte, Leichen seien kühl. Ich kann das Fenster nicht öffnen. Meine Arme können es nicht. Meine Füße können fast nur liegen. Wäre das Fenster auf, es würde die Stille ersticken.

Vor wenigen Tagen saßest du auf meinem Sofa. Du hattest deinen ernsten Blick mitgebracht. Du ahntest, dass du ohne mich diese Wohnung verlassen wirst. Ohne mich in deinen Blicken, ohne mich in deinem Terminkalender. 
Ich wollte nicht wissen, wie sie heißt oder wie sie aussieht. Als meine Küche starb, zeriss mein Herz. Sie wusste nun, dass du nie wieder in ihr klappern würdest. Nie wieder ihre Herdplatten zum Glühen bringen wirst. Es überrannte sie. Sie war sofort tot.
Du warst unendlich traurig. Und ich fragte mich, warum. Es war doch meine Küche, die starb.

Vier Tage und Nächte war es finster in meiner Wohnung. Telefone klingelten und wurden nicht abgehoben. Türen klingelten und wurden nicht geöffnet. Und ich lag brach.

Nun Kaffee. 

Ich fühle mich mutig. Auf einmal fühle ich mich mutig. Es gipfelt darin, dass ich die Balkontür öffne. Der Wind zieht sofort durch die Wohnung und fegt allen Ballast davon. Deine Haare, deine Haut, deinen Geruch, alles trägt er hinaus, sicher verschlossen für immer, hinter den Wolken.

Nun Kaffee.

Plötzlich kann ich wieder atmen. Das Denken fällt mir furchtbar schwer. Es beginnt und endet immer an der gleichen Stelle. Es kann nicht weiter, kommt nie voran. Seit vier Tagen dieser Gedanke. Mein Glück ist launisch.
Ich denke, jetzt übertreibe ich es und gehe unter die Dusche. Ich wasche mich dir von der Haut und aus den Haaren. Ich spüle dein Duschgel in den Abfluss und zerbreche deinen Rasierer. Die Klingen würd ich dir gern schicken. 
Ich pflege, creme und richte mich auf. Als ich in den Spiegel sehe, blick ich mich an. Blick ich mich anders an.

Nun Kaffee.