Als ich dich das erste Mal geküsst habe, saß deine Freundin 253 Kilometer von uns entfernt an einem grünen Küchentisch und trank witzige, bunte Cocktails mit ihren Mädels. Sie erzählte, dass du ihr noch vor zwei Stunden die letzte SMS schicktest, in der du deine Sehnsucht beteuertest und wie gut das doch mit euch funktioniert. Dabei wackelte ihr blonder Zopf und wahrscheinlich freuten sich unbemerkt auch ihre Eltern im heimischen Dorf unterm heimischen Hirschgeweih über dieses junge Glück. Und ich kannte sie von Bildern und küsste.
Als ich das erste Mal mit dir geschlafen habe, habe ich es genossen und du hattest kein schlechtes Gewissen. Ihr hattet euch gestritten, weil sie wusste, dass du ein anderes Mädchen geküsst hast und nun saß sie an diesem grünen Küchentisch, weinend mit ihren Freundinnen und ich schwitzend auf dir. Und wie ich meine Hüfte bewegte, wurde mir klar, dass ich auf jeden Fall die Böse in diesem Game werden würde.
Weißt du, für mich ist das ein Spiel. Ich kriege dich nie ganz, weil sie dich hat. Und weil sie die Beliebte ist und die, die diese Freundinnen hat. Also versuche ich es trotzdem. Und pflanze mich in deinen Kopf. Versende Wurzeln unbemerkt. Und du denkst plötzlich, dass alles einfacher wird, wenn du mich küsst und machst dein Leben dadurch kaputter als es jemals war. Du verlässt sie dann für mich. Und sie schreibt mir böse Dinge. Weil man heutzutage böse Dinge ganz leicht über das Internet verschicken kann. Sie denkt, ich wäre so etwas wie eine Hexe. Ich hätte Tropfen, die ich dir verabreicht hätte, damit du bei mir bleibst. Dabei habe ich nur Wurzelgedanken.
Nach zwei Wochen kommst du mich besuchen und lässt zum ersten Mal länger als zehn Minuten deine Kleidung an. Du schenkst mir in kitschigster Manier ein Mixtape und sagst: „If god could make a perfect girl for me, it would be you.“ Und ich sage: “Ich habe da jemanden kennengelernt.”
Er ist wie du, nur als Traummann. Er ist derjenige, für den ich dich jetzt verlassen werde. Weil ich ihn genau so mag wie dich. Nur mehr. Und ich brauche dir die Geschichte gar nicht weiterzuerzählen, weil du mir nicht mehr zuhörst. Du sitzt jetzt mit ihr am grünen Küchentisch und führst Gespräche, die Dinge klären sollen, die niemals schwierig waren. Weil es Dinge sind, die immer zwischen euch liegen werden, sobald jemand kommt, der genauso spielsüchtig ist wie ich.
Macht mich traurig - mitten in der Nacht :/
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