2011-08-01

Oh! Süß! Eine Babymade!

Eines der guten Tierbabys. Vielleicht tot. Auf jeden Fall im Zoo Hannover.


Zu Tieren habe ich ein gespaltenes Verhältnis.

Das beste Tier, was mir bis jetzt begegnet ist, war mein Meerschweinchen Walter. Der war plötzlich da, in meinem Zimmer. Da saß ein goldbraunes Knäuel und an dem Käfig hing ein Zettel mit der Aufschrift „Ich bin Walter“. Sehr höflich von ihm, sich selbst vorzustellen. Walter hat alles mitgemacht. Walter konnte sogar schwimmen. Ein bisschen jedenfalls. Ich habe es mehrmals ausprobiert. Seine Augen traten zwar panisch heraus, aber er hat sich über Wasser gehalten. Fliegen konnte er nicht. Das habe ich auch ausprobiert. Ich habe ihn genommen und auf mein Bett geschmissen. Butterweich landete er auf einem Kissenhaufen. Ich dachte, sein Quieken bedeute, dass ihm das so großen Spaß machen würde, wie es mir gemacht hätte. Inzwischen weiß ich, dass sich Meerschweinchen bei solchen Aktionen, die Wirbelsäule oder sonstwas brechen können. Wahrscheinlich waren das eher so Angstquieker.
Walter ist tot. Allerdings ist er wirklich an Altersschwäche gestorben und nicht an den Aktionen, die ich mit ihm veranstaltet habe. Ich hab ihm auch einige Gefallen getan. Als ich zwölf Jahre alt war, hatte Walter Durchfall. Wenn Meerschweinchen Durchfall haben, ist das etwas eklig. Sie kacken und gehen dann, wie üblich so'n Stück mitm Hintern zurück. Die Kacke trocknet. Tja und dann klebt sie halt am Fell. Das muss gesäubert werden. Ich habe also mal wieder ein Waschbeckenbad eingelassen und Walter reingehalten. Seife auf die Hand und schön rubbeln. Und rubbeln. Und rubbeln. Walter brummelte sich einen zurecht und auf einmal hatte ich weißliche Flüssigkeit auf der Hand. Ich hab mich gewundert. Ich war zwölf. Später ist mir dann mal aufgegangen, was das war.

Hätte ich damals schon gewusst, dass ich da im Prinzip Meerschweinchen-Babys auf der Hand hatte. Hunderte! Ich hätte wahrscheinlich so reagiert wie heute auch noch. Quieeeeeeeetsch! Ohhhhhhh! Wie süüüüüß!
Also echt mal. Tierbabys sind doch wohl megagut. Letztens sah ich im Fernsehen, wie ein kleiner Schimpanse ein Tigerbaby mit der Flasche gefüttert hat. Ein Affe hat ein Tigerbaby mit der Flasche gefüttert!! Ohhhhhh! Gleich danach kam ein kleines Katzenbaby. Ein rotes Katzenbaby. Überhaupt Katzen. Süüüüß!
Mein Kollege und ich lesen morgens im Büro Zeitungen. Nicht, weil wir Zeit schinden, sondern weil das zu unserem Job in der Unternehmenskommunikation dazugehört. Und dann ist in der Bild wieder das neueste Tierbaby abgebildet. Ich juchze. Er: Das Nilpferd? Ich: Jahaa! Er: Aha. Tierbabys sind ja extra so konzipiert. Man muss sich da freuen.

Im Ernst, ich kenne keine Frau, die nicht in Juchzer ausbricht, wenn sie ein Tierbaby sieht. Keine Tiere sind in diesem Fall: Spinnen, Ratten, Mäuse, Wespen, Schlangen, Nachtfalter, Maden. Diese... Lebewesen fallen nicht in die Kategorie Tiere. Oder hat schon einmal jemand eine Frau erlebt, die bei einer kleinen Babymade fröhlich herumkreischt und sie am liebsten sofort mit nach Hause nehmen würde? „Oh, süüüüß! Eine Babyspinne! So eine will ich auch. Wie niedlich die sind. Davon kann es wirklich nicht genug geben.“

Ich habe mal eineinhalb Stunden auf meinem Sofa gesessen und eine Spinne an meinem Vorhang beobachtet. Es war keiner da. Ich habe auf den Mann gewartet, damit er sie wegmacht. Ich habe mich nicht bewegt. Die Spinne auch nicht. Wir haben uns gegenseitig angestarrt. Ich habe ängstlich geguckt und die Spinne hat hämisch gelacht. Wir haben beide darauf gewartet, dass die andere sich bewegt. Die Spinne hat verloren. Aber nur, weil der Mann kam und sie rausgeschmissen hat. Es hilft übrigens nicht, wenn man dann so Sätze hört: „Was ist denn? Die tut doch nichts!“ Und noch weniger hilft es, wenn der Mann, ein Biologie- und Chemielehrer, dann anfängt, mir zu erklären, wie nützlich diese Viecher eigentlich sind. Das ist mir egal.
Nachts liege ich manchmal stundenlang wach, weil ich irgendetwas gehört habe, das entfernt an ein fliegendes Tier erinnern könnte. Ich traue mich nicht, das Licht anzumachen, weil ich das Tier ja dann sehen könnte und dann hätte ich die Bestätigung und dann müsste ich mich darum kümmern, dass es wegkommt, beziehungsweise den Mann wecken und ihm erklären, dass das Tier wegmuss. Bleibt das Licht aus, kann ich mir einreden, dass ich mir das ja nur eingebildet habe und in Wirklichkeit alles in Ordnung ist.

Ich schlafe bei offenem Fenster. Am Wochenende schlafe ich lange. Dann ist es im Sommer also schon warm und sonnig. Und die Wespen sind unterwegs. Wenn die Wespen in meiner Wohnung sind, kümmere ich mich nicht darum, dass sie wieder rausfinden. Ich verstecke mich komplett unter der Bettdecke und warte einfach darauf, dass ich das Brummen irgendwann nicht mehr höre. Niemals. Niemals würde ich eine Wespe töten. Denn dann kommen all ihre Freundinnen und greifen mich an. Die riechen nämlich, dass die Wespe gestorben ist. Ich kann nichts machen, außer stumm warten. Ein Mensch versteckt vor einem einen Zentimeter langen Tier unter einer Bettdecke.

Nachtfalter laufen sowieso außerhalb jeder Konkurrenz. Die sind einfach nur furchtbar. Ich hasse ja schon Schmetterlinge, aber Nachtfalter sind heimtückisch und kommen abends heimlich ins Zimmer. Die sind nervös, flattern furchtbar herum und sie sind absolut dumm. Die lassen sich nicht verjagen. Stattdessen fliegen sie einem ins Gesicht. Töten ist auch scheiße. Nicht aus Tierschutzgründen, sondern die Viecher sind einfach zu groß. Das hinterlässt Flecken. Also kann man sie nur in die Hand nehmen und rausschmeißen. Genau. Als wenn. In die Hand nehmen... Haha.

Ich wünsche mir eine verkehrte Welt. In der nachts, wenn man das Licht anlässt, kleine Zebrababys in die Wohnung spazieren oder kleine Erdmännchen-Babys plötzlich aus dem Loch in der Wand gucken. In der Insekten und Würmer und anderes Zeug unter der Erde leben und niemals rausschauen. In der kleine Elefantenbabys plötzlich an deinem Grillfleisch interessiert sind oder kleine Flauschhamster sich an deinen Eisbecher klammern. Ich wünsche mir eine Welt, in der Welpen und Ferkel niemals erwachsen werden und in der Ponys ganz selbstverständlich das Fahrrad ersetzen. Die einzigen, mit denen ich dann immer noch nichts zu tun haben will, sind Ziegen. Denn ein kleines Mädchen mit fetter Futtertüte und Ziegen zusammen in einem Streichelzoo sind keine gute Kombination. Aber das ist eine andere Geschichte.

UPDATE! Hier das Video zum Text!

Kommentare:

  1. Also das mit der Futtertüte und den Ziegen das kenne ich. Ich habe mal einen Zoo besucht. Ja auch das kann bei mir vorkommen. Ich hatte also die Tüte in der Hand und dann ging es los. Ich lag unten und der Bock stand auf mir drauf, natürlich mit Tüte. Also der Bock mit Tüte und ich dann logischweise ohne. Aber ich mag auch alle anderen Tiere. In meiner Wohnung dürfen auch Spinnen wohnen. Kostenfrei. Der Mann hat Recht. Sie sind sehr nützlich.

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  2. zebrababies in der wohnung ? die scheißen...
    erdmännchenbabies haben spitze zähne und beißen (und scheißen tun sie auch) !
    außerdem nehmen solche viecher viel platz weg !
    und so leicht wie die insekten lassen sie sich auch nicht verscheuchen !!
    davon ab: wespen, mücken, größere spinnen und schnaken kann ich auch nicht leiden ;-)

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  3. Nacktmulle!
    Sie haben die Nacktmulle vergessen.
    Das sind auch keine Tiere.
    Die mögen ja charakterlich total dufte sein, aber äußerlich sind die so abstoßend - die würde ich nicht mal essen...

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  4. Das Beste ist der brummelnde Walter!

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  5. Ziegenringen ist wohl für kleine Mädchen ein Test. Ich habe ihn auch nicht bestanden...

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  6. Oh mein Gott!!! Dieser Text ist so wahnsinnig gut geschrieben ich hab soo gelacht mein Bruder lag mimt Kopf auf meinem Bauch und hat sich schon über meine lachmuskeln im
    Dauerauftrag beschwert :) echt verdammt gut :)

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