2014-09-16

DAS BULLSHITBINGO FÜR HUMORLOSE FEMINIST_INNEN

Gestern hat Netflix mit einem (bereits wieder gelöschtem) Tweet ganz ironisch und augenzwinkernd auf sein neues Angebot in Deutschland aufmerksam gemacht. Heute entdecke ich das neue, superlustige Spiel von Mentos, an dessen Entwicklung bestimmt auch Frauen mitgearbeitet haben. Die Mädchenmannschaft fasst das wunderbar für euch zusammen. Und weil die Anbieter entweder nie auf entsprechende Kommentare eingehen oder immer nur Blödsinn antworten, habe ich für diesen Blödsinn heute ein Bullshit-Bingo gebastelt! Viele tolle Twitterinnen haben sofort ihre Erfahrungen eingebracht – ich musste nur mitschreiben. Danke euch! Meine Grafikkenntnisse ähneln meinem Maltalent – kaum bis gar nicht vorhanden. Aber spielen kann eins trotzdem damit! Viel Spaß dabei - wer eine Reihe fertig hat, schreit "Bingo!"!


Und hier noch einige zusätzliche Twitterkommentare, die ich besonders schön fand!

2014-09-15

SEPTEMBER: PICKEPACKE VOLL

Hier passiert im Moment viel zu wenig und das tut mir leid. Dafür passiert in diesem Real Life so viel mehr und das ist auch der Grund, warum ich gerade nicht so sehr dazu komme, alles zu verbloggen. Daher jetzt eine wilde Zusammenfassung aller Ereignisse, die aktuell für mich wichtig sind.

Es ging damit los, dass am 26. August mein Buch erschienen ist. Davon habe ich euch ja schon erzählt. Über dieses Buch hat dann auch gleich die Lokalzeitung berichtet. Den Artikel über "Hannovers bunte Bloggerin" (höhö) könnt ihr hier online nachlesen. Und so eine Buchveröffentlichung bringt es mit sich, dass man ein bisschen rumfahren darf, um daraus vorzulesen. Das habe ich dann auch gleich mal gemacht und bin extra mit dem Zug bis nach Zug gefahren (ich Wortwitzqueen). Dort durfte ich im Burgbachkeller vor fast ausverkauftem Haus Geschichten zum Besten geben und war völlig überzuckert, dass überhaupt jemand da war. Am nächsten Tag habe ich im Rahmen der Aktionstage "Normalbehindert" noch ein paar Texte zu einem Podiumsgespräch beigetragen. Zug ist eine sehr schöne Stadt voller netter Menschen, die euch ständig erzählen, wie unglaublich reich diese Stadt ist. Man glaubt es sofort!


Und solltet ihr dort mal hinfahren,
übernachtet im Hotel "Guggital" 
– das hat nicht nur einen lustigen Namen
(wie überhaupt alles in der Schweiz),
sondern auch einen super Ausblick auf den Zugersee.
Am Wochenende durfte ich mich kurz ausruhen
und weil ich das nicht so gut kann,
bin ich lieber auf eine Party gegangen.
Im Gegensatz zu Karneval und Halloween
bin ich von Mottopartys immer sehr angetan.
Das Motto dieser Party war "Die goldenen Zwanziger"
und was soll ich sagen, ich sah fantastisch aus!
Am Sonntag habe ich dann mit dem Glücksarmband von Selma den Slam anlässlich des Entdeckertages in Hannover-Ahlem gewonnen. Yeah! Die Zutaten für das Armband hatte ich Selma mitgebracht, als sie zur Einladungsparty lud (und ihre Familie). K. erklärte mir, diese Dinger seien gerade sehr hip bei Kindern und dank Das Nuf weiß ich jetzt auch, worum es sich überhaupt handelt.

Diese Woche starten die Nachtbarden in die neue Saison und ich freue mich schon wie ein vegetarisches Schnitzel! Wir haben letzte Woche die ganze Saison durchgeplant und jetzt lauter tolle Menschen eingeladen. Bei uns ist es immer schön. Wenn ihr also in Hannover seid, kommt doch auch mal vorbei!


Am Mittwoch weile ich abends in Hamburg, um auf dem Festival für kreatives Computerspielen beim Slam mitzumachen. Die allerbeste Katja Hofmann moderiert und allein schon deswegen lohnt es sich, dort vorbeizukommen. Überhaupt ist das play-Festival ganz wunderbar. Ihr könnt nämlich überall ausprobieren, anfassen und mitspielen!


Und dann geht's bis zum Ende der Woche weiter in Hannover und Hildesheim. Alle Termine findet ihr hier!



Richtig toll sind übrigens die Menschen, die sich mit meinem Buch oder das Buch an Pool oder Kuchengedeck fotografieren – danke, ihr zuckersüßen Supermenschen!

Und falls ihr euch für allerlei Slam- und Lesetermine in Hannover interessiert: "Macht Worte" hat jetzt eine neue, hübsche Page. Klickt ruhig mal rein!


Jetzt wartet mein Teller Cini Minis! Schüss!


P.S.: Bald kommt dann schon der Bericht über den zweiten Teil unserer Urlaubsreise. Versprochen!

2014-09-03

KANADA-TRIP – TEIL 1: DIE ROUTE & VANCOUVER


Drei Wochen Kanada liegen hinter dem Mann und mir. Im klitzekleinen Mietwagen haben wir British Columbia und Alberta unsicher gemacht. Und am Ende sogar Seattle (gehört nicht zu Kanada, ich weiß, ihr Schlaumäuse). Nach und nach werde ich hier erzählen, wo wir waren, was wir gesehen haben, was ich empfehlen kann und wieso man in Jasper auf jeden Fall im Vorfeld ein Zimmer buchen sollte.

Unsere Stationen in richtiger Reihenfolge (zwischendurch haben wir auch an diversen Seen, Aussichtspunkten, Regenwäldern, Wasserfällen gehalten, die zähle ich aber nicht alle mit auf):


Vancouver – Victoria – Nanaimo – Pacific Rim National Park – Port Hardy – Prince Rupert – Hazelton – Prince George – Jasper – Banff – Salmon Arm – Vancouver – Seattle – Vancouver


Keine Angst, ich werde nicht über jeden Ort einen ganzen Blogpost schreiben. Dann müsste ich mir beispielsweise bei Prince George auch ziemlich viel aus den Fingern saugen. Ich starte mit Vancouver und die Stadt ist groß genug, um ihr einen ganzen Post zu widmen. In Vancouver haben wir unser Zimmer über Airbnb gebucht. Kann ich für ganz Kanada empfehlen, war immer sehr easy, günstig und die Leute waren alle sehr nett.

Als wir am ersten Tag los gelatscht sind, bin ich mit der Stadt noch nicht richtig warm geworden. Wie sie alle vorher geschwärmt haben: "Schönste Stadt der Welt!" "Genieß es!" "Lebenswerteste Stadt!" Vielleicht hatte ich auch noch Jetlag oder zu hohe Erwartungen, auf jeden Fall bin ich immer noch der Meinung, dass Vancouver sicher sehr lebenswert ist, man es aber jetzt auch nicht übertreiben muss mit der Lobhudelei. Die Innenstadt ist grau, verglast und eben wie jede andere Stadt sehr anonym. Was ich mochte: Gastown! Dieses Viertel erinnerte mich ein bisschen an Linden in Hannover und dort gab es sehr nette Bars, Boutiquen und Restaurants. Apropos Restaurants! Sushi ist unfassbar günstig in Kanada, der Himmel auf Erden! Ansonsten haben wir viel in Supermärkten gekauft und in den Hostels und Gästewohnungen gekocht.

Viele Menschen in der Stadt sind unglaublich höflich! Ständig wurden wir gefragt, woher wir kommen, dann antworteten sie meist mit einem deutschen Wort, das sie mal gelernt haben, freuten sich darüber, dass wir Englisch sprachen, lobten unsere Getränkewahl und überhaupt alles war immer sehr "awesome"! Bei einer unserer Wanderungen bin ich gestolpert und auf's Knie geknallt (Blut!). Sofort eilten zwei Frauen heran und fragten, ob ich okay sei und wie sie helfen könnten. Und, und das stelle ich ja immer wieder fest, wenn ich auf Reisen bin: Fast niemand (außer Kinder, und die dürfen das) starrt mich verwundert an, weil ich kleiner bin als andere. Ein schönes Gefühl.

Zurück zu Vancouver: Wirklich schön ist der Stanley Park! Das ist der größte Stadtpark Kanadas und eine Oase! Dort gibt es einen richtigen schönen Strand, von dem aus man direkt in den Ozean laufen kann. Himmlisch! Ebenso schön: Kitsilano Beach. Von hier kann man auch die beeindruckende Kulisse von Vancouver betrachten.

Am zweiten Tag sind wir auf den Grouse Mountain gefahren (ahhh! Seilbahn!). Leider lag die Spitze des Berges in einer Nebelwolke, so dass wir nicht bis ganz nach unten schauen konnten. Für mein Adrenalin reichte die zweite Fahrt mit dem Sessellift auf die ganz oberste Spitze aber schon aus.
Am dritten Tag ging's für uns dann schon weiter mit der Fähre nach Vancouver Island und in die Hauptstadt von BC: Victoria! Davon erzähle ich euch nach der nächsten Maus*!

Am Ende unserer Reise hatten wir noch weitere drei Tage in Vancouver, wovon einer komplett für den Tagesausflug nach Seattle draufging. In der Zeit haben wir uns Fort Langley angesehen (kann man sich sparen), sind einfach nur herumgelaufen, haben unser letztes Geld im besten Second-Hand-Shop, in dem ich bis jetzt war, ausgegeben und noch schnell ganz viel kanadisches Bier getrunken.


Und jetzt folgt die erste Fotoflut:

Downtown. Schachbrettstraßen, die immer mal wieder
einen Blick auf den Pazifik erlauben.

Jedes Viertel in Vancouver und jede Stadt in BC hat Flaggen
 an den Straßenlampen hängen. Die im West End fand ich besonders gut.

Hier sehen Sie Boote.

Das Ding in der Mitte, mit der Wiese auf'm Kopp,
war der kanadische Pavillon auf der Expo 1986 in Vancouver.


Das ist Vancouver pur. Massig Grün und trotzdem viele Glasfassaden dabei.

Dieses Ferienhaus habe ich mir direkt an den Hafen bauen lassen.
 Ich benutze eine Strickleiter um rein und raus zu kommen.

Dieses Foto ist mir ziemlich gut gelungen, finde ich.
Ich fotografiere übrigens mit einer günstigen Medion-Kamera von Aldi,
weil ich meist eh analog unterwegs bin. Kann man machen. Ich bin damit zufrieden.
Eine Canon hilft auch nicht weiter, wenn man keinen Blick für's Motiv hat.

Das ist die berühmte Steam Clock in Gastown. Sie war die weltweit erste Dampfuhr!
Zu jeder Viertelstunde spielt die Uhr den Westminsterschlag.

Genau.

Abenteuerlustige Menschen stürzen sich auf Grouse Mountain an Seilen nach unten.
Ich bin nicht abenteuerlustig.

AHHHHHHHH.

Schon recht hübsch.

Ja, dann geh halt. Tschüss.
Wer eine ähnliche Reise plant oder gerne noch mehr Tipps zu Vancouver hätte, kann mir auch gern jederzeit eine Mail schreiben.

* in einem der nächsten Blogposts

2014-09-01

BÄREN UND ANDERES GESINDEL

Wenn ich in Kanada eines gelernt habe, dann dass Deutsche überhaupt keine Ahnung davon haben, wie es ist, mit Tieren zu leben. Jaja, wir haben alle süße Karnickel und Meerschweinchen zuhause und natürlich, euer Hund hat auch mal jemanden angeknurrt, aber das sind Tierchen, die die Kanadier zum Frühstück verspeisen. Was ich meine, sind richtige Tiere. Gefährliche Tiere.

Denn in Kanada gibt es Bären, die mal eben in der Küche vorbeischauen, weil halt der Magen ein bisschen knurrt. In Kanada gibt es Wölfe, die es einen Dreck schert, ob wir Bock darauf haben, dass sie im Zeltvorraum schlafen. Und in Kanada gibt es Pumas, die es besonders gut finden, kleine Kinder mitzunehmen, wenn gerade mal niemand aufpasst.
Jährlich sterben viele Menschen, weil sie einem Bären begegnen. Bei den meisten würde ich aber eher Dummheit als Ursache anführen. Am Tatort wird dann ihre Kamera gefunden und das letzte Bild zeigt einen freundlich lächelnden Bären, der auf die Kamera zuläuft. Das hat der Ranger gesagt: „Niemals zu nah rangehen!“ Hat er gesagt. Auf einem Campingplatz auf Vancouver Island, irgendwo in der Wildnis zwischen Ucluelet und Tofino, gab es im campingeigenen Theater einen Vortrag, wie man sich bei der Begegnung mit Bären, Wölfen und Pumas zu verhalten habe. Der Vortrag richtete sich an Kinder. Ich war trotzdem da. Ich wollte ja schlauer werden! Und ich musste an diesem Abend auf dem Campingplatz schlafen, in dessen Nähe durchaus Bären leben. Deshalb gab es auf dem Campingplatz auch so genannte Bärenboxen – in die alle Dinge reingestellt werden mussten, die auch nur im Entferntesten an die Existenz von Menschen erinnerten. Also alles. Essen, Teller, Handtücher, Kosmetika… jeder Hinweis, der den Bären auf den Gedanken bringen könnte, dass es dort Menschen, also auch etwas zu Essen gäbe, musste verschwinden.

Also saß ich sehr aufgeregt mit anderen 10jährigen in dem Theater und lauschte dem spannenden Vortrag. Der Ranger zeigte ein Bild von einem Teddybären: „Is this a wild animal?“ Vor Aufregung wackelte ich wild mit den Armen und rief, gemeinsam mit meinen neuen Freunden: „Noooo!“ Dann zeigte der Ranger ein Bild von einem Schwarzbären: „Is this a wild animal?“ Und wir alle: „Yeeees!“ Dann erzählte der Ranger einige lustige Anekdoten von Bärenbesuchen und, dass er die Bären dann leider immer erschießen muss, wenn sie einmal in menschliches Gebiet eingedrungen waren. Während das erste weinende Mädchen den Saal verließ, fragte ich mich, ob man da vielleicht nicht nochmal drüber diskutieren könnte. Letztendlich waren es doch eher die Menschen, die als erste in das Gebiet der Bären eingedrungen sind. Und sind die Bären damals alle mit Gewehren herumgelaufen und haben Menschen erschossen, nur weil die vielleicht mal an ihrem Fressen schnuppern wollten? Nein! Aber wir wissen es natürlich mal wieder besser.

Vor einigen Jahren bekam der Ranger einen Anruf von einem Paar, das auf dem Zeltplatz schlief. Der Anrufer erklärte, er habe ein kleines, vielleicht auch größeres Problem. Er sei gerade aufgewacht und, nun ja, zwischen ihm und seiner Freundin, und da sei nun wirklich nicht viel Platz in dem Zelt, stünde ein Wolf und starre sie an. Der Ranger erklärte dem Mann, sich am besten überhaupt nicht zu bewegen und einfach zu warten, bis jemand komme, er beeile sich. Den beiden ist letztendlich nichts passiert, der Wolf ist einfach irgendwann weggelaufen. Die Geschichte geht noch weiter. Dann hat sich ein Ranger mit einem Stück Fleisch an den Strand gesetzt, um zu testen, ob der Wolf sich wieder so nah an den Menschen traut. Natürlich tat er das – der Ranger hatte ein Stück Fleisch dabei! Und, schwupps, erschoss der Ranger den Wolf, weil der sich ja zu nah an den Menschen traute. Das ist ungefähr so als würde ich ein kleines Kind, das heimlich Gummibärchen geklaut hat, testen, in dem ich mich ins Wohnzimmer setze und Gummibärchen auf den Tisch lege. Und wenn das Kind dann reinkommt, bekommt es Hausarrest.

Nun ja, vielleicht ist das auch ein bisschen übertrieben von mir, das kleine Kind würde mich ja nicht fressen, nachdem die Gummibärchen leer sind. Wobei, bei Kindern weiß man nie. Ich war trotzdem sehr erschrocken darüber, dass die Tiere dann einfach abgeknallt werden. Natürlich vergaß der Ranger nicht, ständig zu erklären, dass ihm dabei auch das Herz blute und am Ende das Paar aus dem Zelt schuld gewesen sei, weil diese Essen im Vorzelt aufbewahrt hatte.
Eine andere Geschichte handelte von einer Frau, die alleine auf einer Wanderung war und einem Puma begegnete. Der Puma schlawänzelte so hinter ihr her und immer wenn sie sich umdrehte und Faxen machte, um den Puma zu verjagen, setzte sich der Puma hin, Kopf auf die Tatzen und schaute der Wanderin amüsiert zu. Sobald die Wanderin weiterging, stand auch der Puma wieder auf und schlich hinter ihr her. So ging das fröhliche fünf Mal Hin und Her. Bis die Wanderin irgendwann die Schnauze voll hatte und sich dachte, dass sie dem Puma jetzt einfach eins auf die Fresse geben würde, damit er abhaut. Und als sie nur einen Schritt auf ihn zu machte, haute der Puma, schnell wie er konnte, ab. Die Wanderin war in seinen Tanzbereich eingedrungen, das fand er nicht so lustig und nahm lieber Reißaus.

Grundsätzlich lernten wir also: Wenn man in Kanada Tiere trifft, soll man einfach sehr, sehr laut sein. Den Bären anschreien, sich aufbauen, mit Geäst über dem Kopf herumfuchteln, um sich größer zu machen (wobei der Bär in meinem Fall dann immer noch denken würde: „Ja, niedlich!“). Am besten hat man Kinder dabei (die muss ich mir beim nächsten Mal ausleihen), singt ein Lied oder hat ein Glöckchen am Rucksack. Dann kommen die Tiere gar nicht erst aus ihrem Versteck. So lange man Schwarzbären trifft, ist meistens auch noch alles cool. Gruseliger wird es mit Grizzlybären. Aber tja, irgendwann kann einem halt niemand mehr helfen, wenn man unbedingt durch die Walachei spazieren möchte. Ich habe ja schon vorher nicht sonderlich viel von Natur gehalten.

Nach dem Vortrag war ich nervöser als vorher. Der Mann murmelte irgendwas von: „Hätten wir niemals machen dürfen…“ und ich redete ich einer Tour davon, dass hier sicher keine Bären wären, wenn doch so viele Leute da sind, aber wozu dann die Bärenboxen und was, wenn der am Zelt herumwackelt? Ich lag fast die ganze Nacht wach und achtete auf jedes Winzgeräusch. Morgens war ich der Meinung, dass wir von Glück reden könnten, überlebt zu haben. Bären, Horden an Wölfen, Hirsche, Pumas – alle waren sie an unserem Zelt vorbei gelaufen. Geht man nach meinem Gehör. Der Mann gratulierte mir zum Überleben und ging Zähne putzen.

Und dann passierte es wirklich. In Old Hazelton gingen wir auf dem Fußweg zurück aus dem Ortskern zum Zeltplatz. Es war ein zweigeteilter Fußweg, oben die Hauptstraße und wir, unten Häuser und ein kleiner Weg davor. Und wie wir da so gingen, sagte der Mann plötzlich: „Oh, huch. Da ist ein Bär.“ Er sagte das ungefähr in dem Tonfall, in dem er feststellte, dass die Waschmaschine fertig ist: „Es piept.“ Völlig unbeteiligt. Emotionslos. Ich hatte doch so viel gelernt. Groß machen, anschreien, laut sein, auf jeden Fall verjagen, nicht schnell weglaufen. Das Einzige, was ich in dem Moment allerdings fertig brachte, war, meine Fäuste vor den Mund zu halten und hysterisch zu rufen: „Oh mein Gott!! Was machen wir denn jetzt???“ Yeah, ich hab’s echt drauf. Der Mann blieb ruhig, holte seine Kamera raus und filmte den spazierenden Bären. Ich jammerte im Hintergrund: „Von wegen, hier gibt’s keine Bären. Der Ranger hat gesagt, man soll die nicht filmen!“ Das hört man natürlich auch alles auf der Aufnahme. Die einzige Maßnahme, zu der ich mich befähigt sah, war, die Straßenseite zu wechseln. Zügig. Der Mann folgte mir irgendwann und dann gingen wir einfach in respektvoller Entfernung an dem Bären vorbei.
Am Campingplatz erzählten wir von unserer Entdeckung. Dazu ist man sozusagen verpflichtet. Später aßen wir gerade am Zelt und hörten plötzlich drei Schüsse. Ich möchte der Aussage des Campingground-Chefs glauben, nach der sie den Bären nur verjagt haben. Er war es auch, der mir erzählte, dass er regelmäßig Probleme mit deutschen Touristen habe, weil die es nicht gewohnt sind, so große Tiere in freier Wildbahn zu sehen. Und wenn sie dann einen Bären treffen, sind sie von seiner Niedlichkeit so überzuckert, dass sie ihn erstmal füttern und streicheln wollen. Ernsthaft Menschen! Streicheln? Einen Schwarzbären?? Ansonsten geht’s euch aber gut?! Und danach beschweren sie sich, dass der Bär nicht so nett war, wie sie sich das vorgestellt haben. Ach, ach, ach.

Im Laufe des Urlaubs haben wir noch zahlreiche andere Tiere gesehen. Wölfe und Pumas glücklicherweise nicht. Aber Hirsche, drei Stück! Der eine kam einfach an der Straße aus einem kleinen Waldstück heraus und poste für all die Menschen mit ihren Smartphones. Ich war nur etwa 5 Meter von ihm entfernt und dachte: ‚Mei, der ist ja echt cool, obwohl hier so viele Menschen stehen. Ganz ruhig!“ Bis mir Anna, die ich im Hostel kennen lernte, erzählte, dass viel mehr Menschen durch Hirsche als durch Bären sterben würden, weil sie denken, ach Hirsche, Mensch, die sind ja echt super easy und ruhig.

Da bin ich aber gerade noch davon gekommen!