2014-10-17

KURZFILMWETTBEWERB – WIRKLICHE FREUND_INNEN


Ich habe die Ehre, bei einem tollen Projekt in der Jury zu sitzen: dem Kurzfilmwettbewerb zum Thema "Wirkliche Freunde. Wirkliche Freundinnen.". Der Wettbewerb richtet sich an Schülerinnen und Schüler aus Niedersachsen und sagt ganz deutlich: Für Inklusion. Gegen Ausgrenzung. Da bin ich natürlich sofort am Start!

Worum geht's?
Schirmherr Samuel Koch und der Veranstalter "Ganz schön anders" rufen alle Schülerinnen und Schüler dazu auf, bis zum 15. Februar 2015 einen Kurzfilm (max 5 Minuten) einzureichen, der sich damit beschäftigt, wie Freundschaft zwischen Menschen aussehen kann. Das können Menschen mit und ohne Behinderung sein, Große, Kleine, Menschen unterschiedlicher Herkunft – alles, was euch so einfällt. Die Technik zum Filmen könnt ihr kostenlos bei verschiedenen Medienzentren in Niedersachsen ausleihen. Alle Infos und Regeln gibt es auf der Seite zum Wettbewerb

Im Vorfeld könnt ihr sogar an Workshops mit Profis teilnehmen, die euch zeigen, wie man ein gutes Drehbuch schreibt oder die Kamera richtig hält. Wer noch Ideen oder Inspiration braucht, schaut sich am besten die Preisträger_innen aus dem letzten Jahr an.

Was ich besonders gut finde: Es gibt auch extra Workshops für Lehrerinnen und Lehrer.

Im März 2015 findet dann in Hannover eine große Gala mit Siegerehrung statt – ich freue mich schon auf die ganzen Filme!

Rapper Graf Fifi fasst den Aufruf zum Wettbewerb noch einmal für euch zusammen:

2014-10-15

KANADA-TRIP – TEIL 4: DIE ROCKIES – BANFF

Das beeindruckende Columbia Icefield zwischen Jasper und Banff.
Unsere Kanada-Reise ist jetzt schon wieder sieben Wochen her und ich fühle mich trotzdem noch so, als wären wir vor einigen Tagen erst wieder gelandet. Ich bin ziemlich entspannt, obwohl ich relativ viel unterwegs bin und rufe in meinem Kopf einfach wieder das Bild der Rockies auf, wenn ich mich gestresst fühle. Mal sehen, wie lange das noch anhalten kann.
Apropos Rockies! Jasper war nicht unsere einzige Station dort. Nach zwei Tagen fuhren wir weiter nach Banff. Dort hatten wir, Gott sei Dank, bereits ein Hostel gebucht. Banff ist wirklich nicht sehr groß und touristenmäßig vergleichbar mit Jasper. Obwohl es in Banff deutlich mehr Surfer-Hipster-Menschen gab. Und den leckersten Waffelladen der Welt (ich hatte stundenlang Bauchschmerzen, weil ich so viel probieren musste). Als wir dort ankamen, hatte ich das Gefühl, ich sei so vollgestopft mit Eindrücken, dass ich kaum noch fotografiert habe. Wir sind einfach herumgelaufen, haben Kaffee getrunken und Dinge angeschaut. Abends haben wir mit netten Leuten aus dem Hostel das örtliche Bier probiert und um den Touristatus nicht ganz zu verlieren, haben wir uns wenigstens von außen das Fairmont Banff Springs angeschaut. Anscheinend ein super bekanntes Hotel, das einst das größte Hotel der Welt war.
Außerdem haben wir uns die Cave and Basin National Historic Site angeschaut, in der drei weiße Männer komplett dafür abgefeiert werden, dass sie 1883 beim Gold und Silber schürfen eine heiße Quelle wieder entdeckten, die die Ureinwohner natürlich schon lange vorher kannten. Warmes Schwefelwasser, das alle möglichen Krankheiten heilt. Angeblich kann es sogar verlorene Gliedmaßen wachsen lassen. Ich hätte mich gern ein paar Zentimeter größer gebadet, aber man durfte leider nicht ins Wasser.
Das ist übrigens eine der wenigen Sachen, die mich im Urlaub sehr genervt haben. Egal, wo man hinkommt, werden die (Wieder-)Entdeckungen der Weißen gefeiert wie nix und die Ureinwohner als niedliche Traditionsbewahrer präsentiert.  

Die ganze Atmosphäre in Banff hatte für mich etwas von einer amerikanischen Kleinstadt-Serie. Irgendwie alles hübsch, Berge im Hintergrund, im Ort kennen sich alle und drumherum ist einfach gar nichts. Die meisten Bilder habe ich eher auf der Fahrt zwischen Jasper und Banff gemacht, da wir dort unter anderem am Columbia Icefield vorbei gekommen sind. Und vermutlich hat mich in all den Wochen nichts mehr beeindruckt.

Falls ihr übrigens auch mal eine ähnliche Tour machen wollt, kann ich euch den Reiseführer "Kanada. Der Westen | Alaska" von Dumont nur wärmstens empfehlen.

Am Rande des Highways laufen diese süßen Dinger rum!
Man musste nur seine Hand hinhalten,
schon kamen sie an!!
Was für ein Ausblick.
Hier wandern wir hoch zum Columbia Icefield.
Überall stehen in gewissen Abständen Schilder, die anzeigen,
wo das Eis wann gewesen ist. In den letzten 50 Jahren ist es wahnsinnig
schnell geschmolzen. Unfassbar und auch sehr erschreckend.


Manchmal steht man wirklich da und denkt: "Unfassbar.
So schön können Dinge doch gar nicht sein!"



Das berühmte Fairmont Banff Springs.

2014-10-07

SERIOUSLY: STOP THAT SHIT.

Es gibt Tage, an denen bin ich eh schon angefressen, aus Gründen. Vielleicht, weil meine Strumpfhose ein Loch hat, weil im Lieblingskaffeeladen die Sojamilch alle ist oder einfach, weil ich Bock drauf habe, schlechte Laune zu bekommen. Und dann passieren Dinge. Und alles wird noch schlimmer. Eben gerade ist mir folgender Tweet in die Timeline gerutscht:


Ich möchte den ausdrucken und an alle Geschäfte in Hannover und überhaupt Deutschland verteilen. Eigentlich wollte ich ja nicht so sein, als ich aus Kanada zurückkam, aber jetzt muss ich es leider doch tun: "Woanders ist eh alles besser, mimimi!" Und zumindest in Sachen Service stimmt das auch. Es gibt so selten einen Laden, in den ich gerne gehe, mich gerne beraten lasse und in dem ich gerne Geld ausgebe, dass ich die, auf die das zutrifft, an einer Hand abzählen kann. Beispiel: Der Buchladen "Litera" in Hannover. Dort ist alles toll. Die Menschen, die dort arbeiten, die Auswahl, die Atmosphäre, alles. (Geht da bitte hin.)

In vielen anderen Läden fühle ich mich immer so als würde ich stören: "Entschuldigung, ich wollte eigentlich was kaufen, aber, na gut, wenn's jetzt gerade stört, sorry." In der Bankfiliale muss ich von Glück sprechen, wenn die Berater_innen kurz Zeit für mich haben. In der Drogerie erhalte ich ein pflaumiges "Da hinten rechts!", wenn ich frage, wo die Slipeinlagen stehen. Das nervt mich. Menschen müssen ja nicht ehrfürchtig und super höflich antworten, aber mit ein bisschen Nettigkeit. Ist das zu viel verlangt?

Warum ich gerade heute so angefressen bin? Eben bekam ich zum dritten Mal in diesen sechs Monaten einen Anruf von meinem Mobilfunkanbieter, in dem mir eine Frau ein Angebot machte: Sie hätte tolle Neuigkeiten. Ich könnte jetzt eine Augen- und Zahnvorsorge bei ihrem Partnerunternehmen abschließen. Ernsthaft?


Mein Telefonanbieter möchte, dass ich für Augen und Zähne vorsorge? Demnächst meldet sich mein Stromversorger und fragt, ob ich die Antibabypille im Abo bekommen will. Als ich ihr erklärt, dass ich daran kein Interesse hätte, frug sie ernsthaft: "Wie haben Sie denn bis jetzt vorgesorgt, um sich in diesen Fällen vor hohen Kosten zu schützen?"


Ich hab mich sehr zusammen gerissen und ihr erklärt, dass sie das vielleicht gar nichts angeht und ich jetzt auflege. Inzwischen habe ich das Häkchen aus dem Online-Profil genommen, das erlaubt, dass die mich noch anrufen. Aber man weiß ja nie. Der Mann erhielt vor einiger Zeit einen Anruf, in dem eine Frau fragte, ob es noch aktuell sei, dass sie ihn nicht anrufen dürfen. Und ja, das sagt eigentlich alles.

Ich fahre jetzt erstmal wieder runter.

2014-10-06

BLOGPARADE: 10 FRAGEN ZUM #digitalLEBEN

Diese Blogparade habe ich zuerst bei Yasmina (übrigens ganz neu gerelauncht!) entdeckt und fand sowohl die Fragen, als auch ihre Antworten sehr interessant. Ursprünglich kommt sie vom "Arbeitskreis Digitale Gesellschaft" der SPD Schleswig-Holstein und obwohl ich nicht ausdrücklich dazu aufgefordert wurde, mitzumachen, schmeiße ich meine Antworten trotzdem mal in die Runde. Weil: So wenig Frauen bis jetzt mitgemacht haben (Leserinnen, das geht raus an euch, wenn ihr mögt, beantwortet doch auch die Fragen). Weil: Parteien dabei zu helfen, digitales Leben zu verstehen, kann nur gut sein. Und weil: Senf dazugeben kann ich besonders gut. Hier also die vorgegebenen Fragen und meine Antworten.
  1. In einer digitalen Welt zu leben, bedeutet für mich…
    ... Freiheit. Ich habe schnell Zugang zu Informationen, Nachrichten und Tweets weltweit. Ich lerne Menschen kennen, die ich ohne das Internet niemals getroffen hätte. Menschen, die mich inspirieren, die ich bewundere und mit denen ich gemeinsam tolle Projekte oder Aktionen starten kann. Ich habe das Privileg, meine Meinung ungefiltert ins Netz zu schreiben und das Glück, das sich sogar Menschen für diese Texte interessieren. Ich kann schneller auf sämtliche Dinge reagieren, finde zu jedem noch so abwegigen Thema Texte und Meinungen und
    muss zum Einkaufen nicht mehr das Haus verlassen.

  2. Mein Computer ist für mich…
    ... ach, Computer. Ich hab zwar einen, aber wesentlicher wichtiger ist inzwischen das Smartphone und das Tablet. Also Werkzeuge, mit denen ich schnell checken kann, was im Netz los ist. Ansonsten ist der Computer natürlich wichtig, genauso wie der Kühlschrank oder die Toilette. Also ein komplett normaler Alltagsgegenstand.

  3. Wirklich gut! Die größte Chance durch die Digitalisierung ist…
    ... die Möglichkeit zur gegenseitigen Vernetzung und der umfassende Zugang zu weltweiten Informationen.

  4. Bedrohlich! Wir müssen aufpassen, dass…
    ... Aktivist_innen und sowieso Menschen im Netz nicht von irgendwelchen Arschlöchern beleidigt, bedroht und so müde gemacht werden, dass sie sich lieber zurückziehen. Das passiert so schon jeden Tag. Privatsphäre und die eigene Sicherheit ist ein Gut, das wir viel mehr pflegen und auch gegenseitig sicherstellen müssen. Ein toller Artikel dazu ist heute bei kleinerdrei erschienen.

  5. Die Digitalisierung verändert mein Leben. durch…

  6. Chatten mit den Enkeln, Einkaufen per Mausklick, Arbeiten ohne feste Bürozeiten. Was bringt die Digitalisierung für Familien und Ältere?
    Genau das gleiche, was sie für alle anderen auch bringt: viele Vorteile, aber auch Nachteile. Natürlich ist es schön, wenn ich auch mit Kind und Kegel von überall arbeiten kann. Gleichzeitig setzt mich das aber auch unter Druck: Ich bin immer erreichbar. Andererseits: Wenn eine Familie (und Freund_innen) über die ganze Welt verteilt ist, kann ich viel leichter mit ihnen in Kontakt bleiben. Zum Punkt "für Ältere": Ich lehne es immer ab, bei der Digitalisierung immer noch nach Alter zu unterscheiden. In meinem Umfeld gibt es Menschen, die jünger sind als ich und das Netz kaum oder nur für direkte Kommunikation nutzen, sich kaum mit Gefahren auskennen und sehr naiv mit allem umgehen. Andererseits kenne ich so genannte "Silver Surfer" (*schüttel*), die genauso fit im Netz sind wie ich. Vielleicht sollte man da endlich aufhören, immer von den Ältere, die nicht im Netz sind, zu sprechen.

  7. Programmieren in der Grundschule, das gesamte Faktenwissen der Welt in der Suchmaschine. Wie sollte Bildung der Zukunft aussehen?
    Programmiersprachen wären schon einmal ein Anfang. Um Bildung der Zukunft auch zu vermitteln, braucht es aber auch die passende Ausbildung der Lehrer_innen und daran mangelt es aus meiner Erfahrung noch sehr. Außerdem wichtig: das ach so schöne Schlagwort der Medienkompetenz. Nicht nur für Schüler_innen, auch für Lehrer_innen und Eltern. Ein Muss: Abbau der Angst vor diesem bösen Internet. Dazu gehören auch gute Artikel in den Medien und keine "OMG! Facebook hat schon wieder XYZ gemacht"-Meldungen. Außerdem: Lehrer_innen und Eltern - informiert euch, was eure Kinder im Netz nutzen und beschäftigt euch damit. Nur dann könnt ihr sie auch verstehen.

  8. An jedem Ort arbeiten können und ständig erreichbar sein. Was bedeutet das für Arbeit im Digitalen Zeitalter?
    ... wie oben schon erwähnt: Vor- und Nachteile. Ich kann mir ein Leben ohne Digitalisierung nicht mehr vorstellen. Ich lebe davon. Ich verdiene meine Miete mit Kommunikation im Netz. Ich kann nichts anderes. Trotzdem braucht man natürlich auch mal eine Pause von all dem Erreichbar-Sein. Nach meinem Sommerurlaub habe ich es dabei belassen, keine beruflichen Mails mehr auf dem Handy abzurufen. Das funktioniert. Und lässt mich vor allem morgens sehr viel stressfreier ins Büro gehen. Ich schätze es aber auch sehr, mal von Zuhause, dem Zug oder einem Hotelzimmer arbeiten zu können. Die Digitalisierung und mein Beruf ermöglichen es mir, viel unterwegs zu sein. Und das liebe ich. Mehr dazu auch in meinem letzten Posting.

  9. Was müssen wir im digitalen Zeitalter tun, damit unsere Wirtschaft erfolgreich bleibt?
    ... ist sie das nicht schon? Natürlich verändern sich die Gegebenheiten, aber ich habe ein Grundvertrauen darauf, dass unsere Wirtschaft funktioniert. So lange so viele Menschen die Vorteile der Digitalisierung und des Netzes nutzen und ihre eigenen Ideen umsetzen können, ein eigenes Unternehmen gründen oder sich tolle Projekte von der Crowd finanzieren lassen können, sehe ich keine schwarzen Wolken am Wirtschaftshimmel. Und natürlich ist es einfach Misserfolg auf die Digitalisierung zu schieben (s. Tageszeitungsredaktionen und den Abgesang auf Print-Produkte). Man kann aber auch einfach versuchen, neue Wege zu gehen (so, wie das schon viele machen) und sich nicht auf "das machen wir schon seit 30 Jahren so" ausruhen.


  10. Die Digitalisierung schafft Chancen und birgt Risiken. Von der SPD erwarte ich, dass…
    Ich erwarte von der SPD aktuell genau das gleiche, wie von allen anderen großen Parteien: nichts. Im Ernst: Bis jetzt ist mir noch kein_e von den großen Politiker_in untergekommen, dem_der ich in Ansätzen eine gute Ahnung vom digitalen Leben, den Gefahren für digitale Aktivist_innen und wirkliches Fachwissen über diverse Themen im Netz bescheinigen würde. Ich lasse mich gerne überraschen. Meine Hoffnung in diese Richtung ist aktuell und in Zeiten, in denen Menschen wie Oettinger Digitalkommissar werden, leider sehr gering.