2013-05-25

SABRINA SCHAUER: LÖFFELWEISE ALLTAGSSCHEISSE

"Die ersten 1 1/2 Stunden wird über die Hochbegabung des kleinen Lukas gesprochen, der sich nasebohrend die Zimmerpflanzen anguckt und als er sich ertappt fühlt, den Popel in den Mund steckt, anstatt ihn in die Pflanze zu schmieren. 
Was für ein hochbegabtes Kind, denke ich. 
'Hochbegabung ist gar nicht so leicht zu erkennen', sagt Rebecca. 
'War in deiner Familie auch nicht mit zu rechnen!', sage ich."


Sabrina Schauers Erstling "Löffelweise Alltagsscheiße" handelt von dem Leben ihres literarischen Ichs, das niemals Kinder haben möchte, mit Männern baden geht, weil sie dann ein bisschen aussehen wie Matthias Schweighöfer und im Club immer die Falschen kennenlernt. Wäre er schlecht, würde er in der schlimmen "Freche Frauen"-Ecke im Buchladen stehen, ist er aber nicht. 
Sabrina gehört zu den Frauen im Slam, die beweisen, dass nicht immer nur die Männer die lustigen Texte machen. Ich hab bei Sabrinas Texten schon Tränen gelacht und mich sehr gefreut, als ihr erstes Buch endlich veröffentlicht wurde. 

In 24 Kurztexten und -geschichten erzählt Schauer wie sie es trotz bekloppten Menschen in ihrem Umfeld und Kindern, die ihr ungewollt zur Obhut gegeben werden, durch's Leben schafft. Besonders gut gefallen mir ihre Geschichten über Kinder und deren Eltern (weil ich da so richtig schön mitfühlen kann) und ihr Besuch beim Paartherapeuten mit Ex-Freund Peter. Ich mag ihren Schreibstil sehr und die kurzen Geschichten eignen sich besonders gut zum Lesen im Bett oder in der U-Bahn. Als nächstes wünsche ich mir von Sabrina einen Roman, der bitte dann ebenfalls so ganz anders ist als diese arg schlimmen Frauenromane, die es sonst so gibt. Ohne happy End!



Bestellen könnt ihr das Buch per Mail über info@sabrinaschauer.com und kaufen überall dort, wo es Bücher gibt!

2013-05-23

THIS IS HOW I WORK

Annina hat mich, ganz modern per Facebook, aufgefordert, auch den "This is how I work"-Fragebogen auszufüllen, den Isabella in Deutschland gestartet hat. So etwas mache ich immer ganz gerne, also los geht's! Außerdem möchte ich den Fragebogen weitergeben an Kommander Kaufmann und Juli - natürlich nur, wenn sie Lust und Zeit haben.

Bloggerinnen-Typ 





















Gerätschaften digital 

iPhone, iPad, Sony-Vaio-Laptop, Kamera

Gerätschaften analog


Kaninchen.

Arbeitsweise

Die Blogposts bereite ich meist am Wochenende oder freien Abenden vor und veröffentliche sie dann im Laufe der Woche. Wenn mir ein Thema sehr unter den Fingern brennt, dann muss es ein bisschen schneller gehen. 
Ansonsten poste ich (fast) jeden Tag Dinge bei Instagram und twittere unentwegt.

Welche Tools nutzt du zum Bloggen, Recherchieren und Bookmark-Verwaltung?


Zum Bloggen: Kommt auf den Blog an, für diesen gern Blogger. Damit habe ich angefangen und die Funktionalitäten liegen mir einfach besser als bei anderen Anbietern. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Das Kaninchen bloggt über tumblr, weil es ja nur Fotos von sich veröffentlicht. Und seitdem es Les Flâneurs gibt, musste ich mich auch mit Wordpress anfreunden.

Recherchieren & Bookmarken: Noch Reader (ja, ich bin traurig). Inzwischen finde ich aber auch Feedly super. Vor allem mag ich, dass ich mir das Design selbst aussuchen kann. Außerdem suche und finde ich bei Twitter, Quote.fm, Facebook. Ich lese einige Tageszeitungen online und ein paar Magazine als Print oder auf dem iPad. Irgendwie finden die guten Themen schon zu mir. Die besten und interessantesten Sachen favorisiere ich entweder bei Twitter oder setze ganz oldschool ein Lesezeichen.

Wo sammelst du deine Blogideen?  


Gar nicht. Beziehungsweise sehr selten über die ein Notizboard für's iPad. Meistens bleiben die Ideen aber so lange im Kopf bis sie raus dürfen.

Was ist dein bester Zeitspar-Trick/Shortcut fürs Bloggen/im Internet

Ich hab keinen. Bloggen macht mir Spaß, da brauche ich keine Zeit zu sparen. Manchmal denke ich mir Themen und Ideen im Bus aus und muss das dann nicht mehr vorm Laptop tun, aber das würde ich nicht als zeitsparend bezeichen

Benutzt du eine To-Do List-App? Welche?

Nein. Ganz wichtige Dinge schreibe ich mir in meine Kalender-App. Ansonsten gibt's To-Do-Listen sowohl im Büro als auch zuhause noch von Hand.

Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät, ohne das du nicht leben kannst?

Waschmaschine. Und das Glätteisen.

Gibt es etwas, das du besser kannst als andere? 

Ich kann Streitigkeiten gut schlichten. Bei meinen eigenen Auseinandersetzungen hört die Kunst dann aber auf. Und ich kann gut spontan auf Bühnen und vor Kameras reagieren (obwohl im Inneren dann der Punk abgeht).

Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen?

Je nach Stimmung.



Turbostaat - Tut es doch weh from Clouds Hill on Vimeo.

Wie ist dein Schlafrhythmus – Eule oder Nachtigall Lerche? 


Eine kleine Geschichte: Als der Mann und ich im Baltikum waren, mussten wir ab und an sehr lange mit dem Bus fahren. Am Ende der Reise fragten meine Eltern, wie es denn so war und der Mann sagte: "Gut, aber Ninia hat nicht viel gesehen. Die hat neun Stunden tagsüber im Bus geschlafen und war abends schon wieder müde." So ist es. Ich habe keinen Rhythmus. Ich schlafe prinzipiell gerne immer.

Eher introvertiert oder extrovertiert?


Extrovertiert. 

Wer sollte diese Fragen auch beantworten?

Siehe oben.

Der beste Rat den du je bekommen hast? 

"Ach Ninia, es gibt Kleine, Große, Dicke, Dünne, Schlaue und ganz, ganz viele Doofe." [Mama]

Noch irgendwas wichtiges?   



    

   


2013-05-19

ACHTUNG. PRÄRIEHUNDBABY.

Ich war mal wieder im Zoo. Der Mann und ich entstaubten heute die Räder und fuhren in den Zoo. So konnte ich endlich mal wieder Gebrauch von meiner Jahreskarte und dem Fotoapparat machen. Im Zoo war natürlich die Hölle los. Hat aber trotzdem Spaß gemacht. Ich hab endlich mal wieder meine Lieblingsnilpferddame besucht und die, Achtung!, Präriehundbabys (!!) gesehen. Süüüß!


Hmmm... lecker, Milch!

Federnpflege. Das Gehege darf man auch betreten.
Nachdem der Mann sich aber mal mit einem Pelikan angelegt hat,
gehen wir da nicht mehr rein.

Sieht gemütlich aus.

Gehabe, das beeindrucken soll. Hat zumindest bei mir funktioniert.

Hach, ist sie nicht süß?! Ich liebe die Viecher!

Spaziergang.

Erdmännchen müssen zugunsten der Klickzahlen immer dabei sein.
Die sind aber auch knuffig, mein Gott.

Man denkt immer, Giraffen seien besonders edel. Sind sie nicht.
Sie schauen dümmlich in der Gegend herum und haben ein sehr kleines Hirn.
Das ist die harte Wahrheit.

Die Löwen finden die Menschen immer ziemlich öde.
Das lassen sie sich auch anmerken.
Wölfe sind nicht niedlich. Die sehen böse aus.
Auf ihre Art.
Oder wie der Mann sagt: "Stark! Die sehen stark aus!"

Aber interessant sind sie doch.

So. Jetzt wird's richtig schlimm flauschig. Es gibt zur Zeit BABYPRÄRIEHUNDE im Zoo.
Hier ist eines und frisst,
während ein Erwachsener ihm das klauen willl. 
Unverschämt.
Einem Kind etwas klauen.
Äste sind offenbar auch spannend.  

Nachbarschaftstalk. 

"Und die Ilse, die ist jetzt seit zwei Tagen nicht draußen gewesen! Zwei!"
"Ja, hör auf, ich hab da schon keine Nerven mehr, drüber zu reden."

Chillen, Baby.

Kurz kratzen. Dann wieder chillen.

Noch mehr Babys!!  

Kuscheln!

Der kleine Panda pennt, hoch oben im Baum. 

"Wann sollte ich nochmal lächeln?"

ALL YOU NEED IS LOVE!

2013-05-16

BITTE KLICKEN SIE AUCH HIER!

Täglich lese ich Dinge in diesem Internet, die ich für besonders großartig halte. Sie stimmen mich nachdenklich, euphorisch, fröhlich, traurig, wütend und vieles mehr. Deshalb habe ich gedacht, das wär ja toll, wenn ihr diese Texte auch lesen könntet. Natürlich vertwittere ich auch vieles, oder poste es bei quote.fm, aber so gesammelt und an einer Stelle und mit Kommentaren, die dann einfach mal raus müssen, bietet sich das als regelmäßige Sache hier ganz gut an. Ich bin natürlich nicht die erste, die so etwas macht: Journelle, Herr Buddenbohm und Das Nuf zeigen unter anderem auch ihre Quellen und Empfehlungen. Das finde ich immer spannend und gut und deshalb mache ich das jetzt auch. (Und ein kleines bisschen auch für mich, damit ich gute Texte, aus denen ich noch etwas machen wollte, tatsächlich auch mal wieder finde.) Ich weiß noch nicht, in welchen Zeitabständen sich das für mich anbietet. Wahrscheinlich wird es eine wöchentliche Geschichte. Oder immer dann, wenn ich genug zusammen habe. Aber egal wie oft und wann - es wird bestimmt gut!

Julia Friedrichs hat für die ZEIT vier Monate lang Mitarbeiter_innen des Jobcenters in Braunschweig begleitet. In Braunschweig habe ich 19 Jahre meines Lebens gewohnt. Dort bin ich aufgewachsen und habe alle großen Dinge, die man so zum ersten Mal macht, zum ersten Mal gemacht. Allein deshalb fand ich den Artikel natürlich sehr interessant. Nichtsdestotrotz (was für ein blödes Wort eigentlich) hätte diese Reportage wahrscheinlich auch in jeder anderen stinknormalen Stadt stattfinden können. Die Methoden in der Arbeitsagentur sind ja spätestens seit dem Blog von Inge Hannemann ein Thema, das alle plötzlich wieder total interessant finden. Ich auch. 
Bis jetzt musste ich mich zum Glück nur einmal mit der Arbeitsagentur auseinander setzen. Das Wintersemester 2008/2009 war mein letztes an der Uni in Göttingen. Ich hab meinen Abschluss im Dezember gemacht und war dann eben noch bis Ende März immatrikuliert. Bis zum Februar habe ich auch noch als studentische Aushilfe in einem Übersetzungsbüro gearbeitet. Dann wurde ich am Knie operiert. Es war ein guter Zeitpunkt. Mein Volo ab Mai hatte ich fast sicher und das Studium war fertig. Ich würde nirgends lange fehlen. Für April und Mai benötigte ich dann also die Hilfe der Arbeitsagentur. Da ich dann nicht mehr immatrikuliert war, ging es mir hauptsächlich um die Krankenkasse, die irgendwie bezahlt werden musste. Von Miete und Lebensunterhalt ganz zu schweigen. Also humpelte ich auf Krücken zur Arbeitsagentur in Göttingen. Ich habe unter anderem Germanistik studiert, aber das, was ich da alles auf den Formularen ausfüllen sollte, überforderte mich. Mehrmals fragte ich in Familien- und Freundeskreis herum, was mit diversen Ausdrücken wohl gemeint sein könnte, meistens wussten die aber auch nicht weiter. Das Nuf hat dazu gerade einen guten Artikel veröffentlicht. Nach einigen Besuchen (imemr auf Krücken!) und Abgabe aller Informationen über mein komplettes Leben (beschwert euch noch einmal über die Datensammelei im Netz!), bekam ich dann auch das Arbeitslosengeld für April. Im Mai sollte mein Volo beginnen. Meine Beraterin fragte mich, wann ich denn mein erstes Gehalt bekommen würde: "Noch im Mai oder im Juni?" So rief ich also bei meinem zukünftigen Arbeitgeber an und fragte, wann denn mein erstes Gehalt überwiesen werden würde (obwohl ich bis dato noch nicht einmal angefangen hatte!). Im Mai. Tja. Dann könne mir die Arbeitsagentur leider für den Mai kein Geld mehr überweisen. Huch. Ich klärte sie darüber auf, dass ich meine Miete zu Beginn des Monats zahlen müsse und das Geld dafür aber erst am Ende bekäme. Mit dem Geld für April hätte ich also über zwei Monate kommen müssen. Unmöglich. Ich fragte nach einem Kredit oder anderen Möglichkeiten. Ja, so etwas habe es mal gegeben, jetzt aber nicht mehr, das sei schwierig, es wäre wohl besser, wenn ich einen reichen Onkel oder so hätte. WTF?! Am Ende habe ich mir das Geld von meinem Vater geliehen und es ihm zurückgezahlt. Die Frage bleibt: Wie machen das Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, die ich in dem Moment hatte?

Deshalb fand ich den Text natürlich besonders spannend. Ich finde die Zustände, die Friedrichs beschreibt erschreckend. Mir ist klar, dass die Mitarbeiter_innen sich nicht jeden "Fall" (aka. Mensch) zu Herzen nehmen dürfen. Dass sie die "Fälle" nicht mit nach Hause nehmen dürfen. Aber so kaltschnäuzig über andere zu urteilen und sich der eigenen Macht bewusst sein, das finde ich schon ziemlich hart. 


Auf freitag.de beschreibt die Autorin Katharina Finke ihr Leben ohne Besitz und festen Wohnsitz und erkennt, dass 'frei' auch ein Synonym für 'einsam' sein kann. Ich mag die Idee, die hinter Finkes Lebensstil steckt. Ich lese gerne Berichte von Menschen, die einfach alles Materielle, was sie besitzen, verschenken und wegschmeißen und sich dann plötzlich komplett unbelastet fühlen. Ich mag die Berichte vielleicht auch, weil ich mir wünsche, ich könnte so etwas auch. In unzähligen Versuchen habe ich es nie geschafft, wirklich alles, was ich nicht mehr benötige oder benutze, zu entsorgen. Ich besitze sogar noch Etuis aus der Schulzeit! In meinem Schrank stapeln sich viel zu viele Klamotten, die ich nie wieder tragen werde, aber dann kommt doch wieder diese Gedanke: "Wenn du mal streichen musst, dann vielleicht dieses Shirt...!" Was natürlich völliger Quatsch ist. Ich werde nie streichen. Und gerade deshalb finde ich Finkes Text so toll, weil sie trotz allem positivem Gefühl auch zugibt, dass es wirklich schwer ist, so zu leben und immer auf Reisen zu sein. 

So. Das war es für's Erste. Sind zwar nur zwei Links, aber dafür viel Palaver von mir. Das ist ja auch was. Sammelt ihr auch Quellen? Dann postet mir eure Links gerne in die Kommentare!

2013-05-14

CHRISTIAN RITTER: GESCHLECHTSVERKEHR - EINE EINFÜHRUNG

Foto: Anna-Katharina Besserer


Was will die Frau mir mitteilen? Sie fragt noch einmal, schon etwas verunsicherter: 
"Soll ich das normal schneiden?"
Da sie anscheinend wirklich eine Antwort erwartet, tue ich ihr den Gefallen:
"Nein! Schneiden Sie das bitte völlig abnormal! Pervers! Grotesk! Lassen Sie Ihrer Phantasie da mal ganz freien Lauf!"

In der Szene aus Christian Ritters neuem Buch "Geschlechtsverkehr: Eine Einführung" geht es um einen stinknormalen Wursteinkauf. Und das ist typisch Ritter. In vierzig Geschichten beschreibt er den Alltag eines Studenten, der eigentlich nur ein bisschen faul sein will und dabei allerlei witzige Sachen erlebt. 
Ritter begleitet sein literarisches Ich durch Kindheit und Studium. Er erzählt über Aufklärung, erklärt tatsächlich auf logische Weise den pubertären Titel und ließ sich u.a. auch in Reykjavík inspirieren. 

Eines meiner persönlichen Highlights ist die Geschichte von Jenny, die ein Referat hält. Ich habe das damals im Studium schon selbst gehasst. Wenn da vorne jemand stand und anfing den Lebenslauf eines Autoren, einer Autorin zu flüstern. Irgend jemand meldete sich und forderte mehr Lautstärke und der oder die Referent_in antwortete IMMER mit: "Ich versuch's." Jenny also versucht ein Referat zu halten und scheitert schon zu Beginn völlig.

Ebenfalls sehr lustig: seine Abhandlung über YouTube-Stars. 

"Der Vorwurf, ich sei trotz mangelnder Perfektion zu sehr von mir selbst überzeugt, langweilt mich übrigens mittlerweile sehr..." Ritter spielt mit seinem großen Ego und es macht Spaß, ihm dabei "zuzulesen". Er nimmt sich viele Stereotype vor, die ihm so oder ähnlich im Studium, im Zug oder auf Reisen begegnet sein müssen. Das ist meistens witzig, manchmal aber fast ein bisschen zu sehr Schubladendenken. Wer tatsächlich Wert auf hochintelligente Nobelpreis-Literatur legt, der sollte sich nicht mit Ritter beschäftigen (sorry, Christian). Wer aber einfach nett unterhalten werden will und Witz in gut verpackten Portionen sucht, der ist bei ihm genau richtig.

Ritter ist ein Slamkollege von mir und hat mich bereits mit seinem Vorgängerwerk "Dichter schlachten" (einem Krimi aus der Slamszene) begeistert. Er veranstaltet die Slams in Bamberg und Würzburg und die Slamshow "Bube, Dame, Ritter". Sehr lustig sind übrigens auch seine gesammelten merkwürdigen Dialoge.

Geschlechtsverkehr gibt es im Buchladen eures Vertrauens oder beim [bösen] Online-Händler. (Hihi. Lustiger Satz.)

2013-05-13

THERE IS MORE TO SEXISM THAN MEETS THE EYE


Jasmin Mittag ist Initiatorin der Kampagne "Wer braucht Feminismus?" in Deutschland. Das amerikanische Vorbild "Who needs feminism?" hat sie so begeistert, dass sie es auch bei uns verbreiten wollte. Ich finde das super und habe ebenfalls schon mitgemacht. Am 20. Mai ist Jasmin nun zu Gast in Berlin: Im Rahmen ihrer Abokampagne "Miss No Missy" lädt das MISSY MAGAZINE zum Diskussionsabend „There is more to sexism than meets the eye ins HEBBEL AM UFER. Welche unterschiedlichen Formen es von Sexismus gibt und welche Konsequenzen jetzt aus der aktuellen Sexismus-Diskussion gezogen werden müssen, darüber diskutieren an diesem Abend die legendäre Angela McRobbie zusammen mit Anne Wizorek, Sookee, Nana Adusei-Poku, Jasmin Mittag und Margarita Tsomou. Hier gibt es Karten! 

Jasmin Mittag

Im Vorfeld habe ich mir Jasmin geschnappt und ihr ein paar Fragen gestellt!

Am 20. Mai 2013 bist du beim Diskussionsabend „There is more to sexism than meets the eye“ im HEBBEL AM UFER dabei. Was erwartest du von der Diskussion?

Ich persönlich erwarte auf engagierte, kluge Frauen zu treffen. Ich bin erst seit letztem Jahr feministisch aktiv und das erste Mal bei so einer Diskussionsrunde dabei und natürlich schon ganz gespannt. 
Von der Diskussion selber erhoffe ich mir einen erweiterten Blick auf Sexismus und feministisches Engagement durch die Beiträge der anderen Teilnehmerinnen und im Idealfall so etwas wie eine gemeinsame oder auch mehrere Visionen für die Zukunft. 

Mit welchen Gefühlen hast du die Sexismus-Debatte im Netz und/oder in den Medien verfolgt? 

Zunächst natürlich: Begeisterung! Ich habe direkt an dem Abend den ersten #aufschrei Tweet gesehen und war in den folgenden Tagen und Wochen davon fasziniert , dass dadurch - sogar auch noch unbeabsichtigt - eine Welle in Gang gesetzt wurde, die das Thema Sexismus so enorm präsent gemacht hat. 
Später kam bei mir noch - wie bei vielen anderen auch - Wut und Genervtsein dazu: Darüber, dass immer wieder dieselben Phrasen herhalten, um die Aufschreie und die Debatte ins Lächerliche zu ziehen oder kleinzureden. 
Sehr interessant bzw. bemerkenswert find ich generell, dass die öffentliche Diskussion bei einem vergleichbar 'soften' Thema so hochgekocht ist. Also, als es zum Beispiel am 14. Februar weltweit und in über 100 deutschen Städten 'One Billion Rising'-Veranstaltungen gab, zu denen Eve Ensler aufgrund der Statistik, dass jede dritte Frau in ihrem Leben Gewalt erfährt, aufgerufen hat, war die Aufmerksamkeit hierzulande doch wesentlich geringer. 

Hast du den Eindruck, dass die Debatte etwas verändert bzw. neue Denkprozesse angestoßen hat?

Mein Eindruck ist: ja. Auch ich höre immer wieder Berichte von Frauen, dass sie durch die Debatte erstmals tiefer in ihren Erinnerungen graben und den Mut gefunden haben, Erlebnisse zu benennen, Worte zu finden und auch die eigene Wahrnehmung ernster zu nehmen. Missstände benennen und Austausch sind ja der erste wichtige Schritt zur Veränderung. Und Vernetzung und Zusammenhalt ein weiterer. 

Dazu vielleicht ein kleines Beispiel: Ich war neulich tagsüber in der Straßenbahn unterwegs. Gegenüber saß eine junge Frau, neben ihr ein Mann im Rentenalter, der sie auf einmal unvermittelt anfing auszufragen, wo sie den hinfährt und ob sie da wohnt und ob und was sie arbeitet. Die ersten beiden Fragen beantwortete sie noch höflich distanziert und dann sagte sie zu ihm "Ich möchte mich mit ihnen nicht unterhalten - wir kennen uns ja gar nicht." Sie und ich tauschten verständige Blicke und nickten uns zu und es war eine Art Gemeinschaftsgefühl da, dass wir beide keinen weiteren Schritt von ihm dulden würden. 

Solche Szenen gibt es seit dem öffentlichen Austausch über Sexismus bestimmt öfter als vorher, weil die öffentliche Benennung das Bewusstsein geschärft und Einigkeit über No-Gos geschaffen hat. 

Wie definierst du „Alltagssexismus“?

Ich bringe den alltäglichen Sexismus, den wir hier alle erleben, stark mit der globalen Benachteiligung und Mißhandlung von verschiedenen Personengruppen und insbesondere von Frauen in Verbindung, sehe Sexismus also vor allem als sogenannte Spitze des Eisbergs.

Gesondert benennen würde ich die allgemeine gesellschaftliche Atmosphäre und die persönlichen Erfahrungen:  Also, einmal, die  strukturelle Benachteiligung von Frauen, die uns schon als Mädchen spüren lässt, dass wir nur besonders wertvoll sind, solange wir jung und attraktiv und gefällig u.ä. sind und potentiell sexuellen Gefahren ausgesetzt. Und dann konkrete Erlebnisse wie eben persönliche Belästigung, Anmache und Übergriffe. 

Du hast die Aktion „Wer braucht Feminismus“ nach Deutschland geholt. Erzähl doch mal etwas darüber!

'Who needs feminim?' ist eigentlich eine Aktion von amerikanischen Studentinnen. Kern der Kampagne sind Aussagen von Menschen, warum sie Feminismus brauchen, meist in Form von Fotos, auf denen sie mit einem Schild abgebildet sind, auf denen ihre individuelle Begründung "Ich brauche Feminismus, weil..." steht. Die Kampagne möchte so stärker zur Identifikation mit Feminismus anregen und Menschen gewinnen, die ihre eigenen, ihrer Lebenswelt nahen Pro-Feminismus Argumente finden und so für das Thema einstehen. Wir sammeln seit Oktober letzten Jahres explizit Statements auf deutsch. 

Was willst du mit „Wer braucht Feminismus“ erreichen?

Die Vision von dem amerikanischen Original und auch der deutschen Variante ist, zu einer Imageverbesserung von Feminismus beizutragen. Wir möchten, dass es mehr Mainstream und 'cool' wird, sich als Feministin oder Feminist zu bezeichnen. Wir hoffen einen Teil dazu beitzutragen, weil das schlechte Image von Feminismus den Blick auf die Bedeutung von Frauenrechten und auf Themen der Gleichstellung verstellt. 
Wir arbeiten gerade an einer Reihe von Ideen für Aktionen im Rahmen der Kampagne, z.B. bundesweite Aktionstage an Hochschulen, eine Wanderausstellung, eine Publikation und eine Anzeigenkampagne und suchen noch nach Finanzierungsmöglichkeiten. Momentan arbeiten wir quasi ganz ohne Budget.

Vielen Dank an Jasmin für das Interview! Sie freut sich übrigens über jedes "Ich brauche Feminismus..."-Statement - ob als Foto oder Text über die Webseite oder Facebook und Twitter. Auch neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter sind willkommen. Hier findet ihr den Kontakt. Am 7. Juni gibt es beim "Festival contre le racisme" an der Uni Hannover den ersten Aktionsstand. Dort werden Statements gesammelt und Kampagnenfotos geschossen - wer Lust, geht dort vorbei!

2013-05-12

ZWISCHENRUF: PROUST-FRAGEBOGEN

Für das ZEITmagazin-Blog "Heiter bis glücklich durfte ich den Proust-Fragebogen für Blogger ausfüllen. Ich habe mich sehr darüber gefreut und ihr könnt jetzt nachlesen, welches Talent ich gerne hätte, mit wem ich feiern gehen will und wer meine Lieblingshelden sind. 
HIER GEHT'S ZUM INTERVIEW.