2014-12-21

TALL GIRLS: WATCH-EMPFEHLUNG

Heute möchte ich euch, wie auf Twitter angekündigt, eine Doku von Arte empfehlen: Tall Girls. Ich hab die Ankündigung zufällig im Facebook-Stream von Arte gesehen und gedacht: 'Könnte ja nicht unspannend sein, mir mal was anzuschauen, was so gar nicht meinen Erfahrungswerten entspricht.' Da lag ich allerdings falsch! Denn großen Frauen und Mädchen in der Pubertät geht es laut der Doku gar nicht so anders als sehr kleinen Frauen.

Die Autorin der Doku gilt selbst als "außergewöhnlich" groß. Sowieso packen Kinderärzt_innen eine nach der Geburt ja gern in irgendwelche Schubladen. Hauptsache, alles ist "normal" (whatever that is). Die Autorin besucht große Frauen in den USA, Deutschland und Österreich. Alle gehen mit ihrer Größe und ihrer individuellen Situation anders um. Besonders interessant fand ich die jungen Mädchen, denen prophezeit wird, dass sie wahrscheinlich über 1,90 m werden. Keines der Mädchen konnte damit umgehen und empfand diese Größe als der reine Horror für eine Frau. Hier waren auch die Kommentare der Psychologin sehr spannend. Natürlich entwickeln die jungen Frauen ihre Ängste nicht von allein, sondern bekommen sie von Außenstehenden genährt. Zum Beispiel die Oma, die sagt: "Wenn du noch weiter wächst, bekommst du gar keinen mehr ab." Davon unabhängig, dass "jemanden abbekommen" sowieso nicht das erste Ziel einer Frau sein sollte, entwickelt sich bei den pubertierenden Mädchen ein Selbstbild, das ihnen sagt, wie "unnormal" sie sind. Und "unnormal" zu sein, ist in der Pubertät ungefähr das schlimmste, was einer passieren kann. Einerseits sollst du als junge Frau lernen, mit deiner Weiblichkeit umzugehen und Erwartungen zu erfüllen und dann stichst du auch noch aus der Masse heraus und wirst ständig angeschaut und ungefragt kommentiert, wenn du dich eigentlich doch nur verstecken möchtest. Ich erinnere mich nur zu gut selbst daran, nur dass ich eben kleiner war als die Norm.

Die Mädchen versuchen dann alles, um ihr Wachstum zu stoppen. Eine lässt sich an den Knien operieren und eine andere nimmt Hormone, die für Jugendliche gar nicht zugelassen sind und eigentlich in der Krebstherapie eingesetzt werden (!). Statt Selbstbewusstsein und Individualität mitzugeben, unterstützt das Umfeld sie also dabei, sich den Regeln in der Gesellschaft anzupassen. Weil dieser Weg vielleicht einfacher ist. Das hat mich sehr geärgert.

Ich erinnere mich, dass Ärzt_innen meinen Eltern auch angeboten haben, mir Wachstumshormone zu spritzen. Nun ist das ganze natürlich schon ewig her und damals war die Medizin vielleicht auch nicht so weit wie heute. Gleichzeitig klärten die Mediziner_innen aber darüber auf, dass statt meiner Beine oder meinem Körper insgesamt, auch nur mein Kinn oder meine Arme extrem lang werden könnten. Meine Proportionen waren relativ stimmig (außer, dass ich einen sehr großen Kopf hatte), also entschieden sich meine Eltern gegen die Hormone, weil sie nicht noch mehr riskieren wollten. Yeah! Kurz vor der Pubertät erzählte meine Mutter mir dann von der Beinverlängerungsmethode. Man lässt sich die Beine im Ober- und/oder Unterschenkel brechen und dann werden sie mit Stellschrauben fixiert. Bevor der Bruch wieder heilt, werden die Beine durch die Schrauben weiter auseinander gezogen. Dabei liegt man quasi ein Jahr rum und bekommt am Ende 10-12 Zentimeter mehr raus. Ich wäre dann letztendlich also 1,52 m statt 1,40 gewesen. Well... das ist immer noch klein und dann kann ich mir die Quälerei auch ersparen. Also habe ich diesen Blödsinn nicht gemacht, sondern lieber Theater gespielt.

Ich war auch in der Pubertät schon sehr modebegeistert und bin nicht nur durch Größe, sondern auch durch modische (und auch gruselige) Experimente aufgefallen. Das hat mir schon damals viel Spaß gemacht. Außerdem hat es mir geholfen, Selbstbewusstsein und Kreativität zu entwickeln. Trotzdem hatte ich natürlich, besonders in der Pubertät, auch an meiner speziellen Größe zu knabbern. Ich war zum Beispiel der festen Überzeugung, dass ich nie, niemals (!), einen Freund finden würde. Hier wären wir wieder beim "Jedes Mädchen braucht seinen Prinzen"-Thema. Natürlich war ich in der Zeit noch nicht so reflektiert wie jetzt. Ich war davon überzeugt, dass man ohne Freund "weniger wert" ist. Wie einer das eben "Mädchenromane", Bravo TV und Zeitschriften so erzählen. Dabei muss ich übrigens meinen Eltern einen großen Dank aussprechen. Meine Mutter hat mir immer erklärt, dass sie auch eine Spätzünderin war und da schon irgendwann jemand kommen würde, mit dem oder der ich loslegen könne. Ich hatte eben dieses Bild im Kopf, dass, sollte ich mal einen Freund haben, es so aussehen würde, als bringe dieser seine kleine Schwester in den Kindergarten (was natürlich Blödsinn ist).
Richtig gut ging es mir erst im Studium. Neue Stadt, neue Menschen (von denen alle mich so angenommen haben, wie ich war), Partys und damit auch mehr Selbstbewusstsein, das ich ausstrahlte. Dann klappte es plötzlich auch mit allem anderen.

Was mir in der Pubertät vielleicht fehlte, war eine Art Role Model. Es gab noch kein Internet (oder nur diese kuriosen Chatrooms, in denen wir uns alle die Finger wund tippten). Ich war also auf Bücher, Zeitschriften und Fernsehen angewiesen. Und da war in den 90ern leider noch nicht so viel Diversität dabei wie heute (und es könnte auch heute noch besser sein). Deshalb finde ich die Stelle in der Doku, in der Basketballerin Lisa Model Michelle trifft, die ihr zeigt, wie cool und "normal" eine auch mit 1,99 m sein kann, besonders super.

Und eigentlich wollte ich gar nicht so einen Roman schreiben, jetzt ist doch so viel Text dabei rumgekommen. Wenn ihr also in den nächsten Tagen zu viel Zeit und Langeweile habt, schaut euch die Doku doch mal an!

2014-12-14

WEEKLY LAGRANDE

Diese Woche hat mich die Erkältung für zwei Tage komplett lahm gelegt. Deshalb gibt's bei den Outfits eine zweifache Freitagsversion, da ich Dienstag und Mittwoch verstrubbelt im Bett verbrachte. Jetzt bin ich wieder auf dem aufsteigenden Ast!

Am Donnerstag war ich beim Bremen Slam im Lagerhaus. Einer der ältesten Slams Deutschlands! Ich durfte den Abend als "Stargast" eröffnen und ein paar Geschichten vortragen. Das hat Spaß gemacht. Genau wie die Weihnachtsfeier, die ich am Freitag beglücken durfte. Das Wochenende steht ganz im Zeichen von Freundinnenliebe und Entspannung. Heute Abend besuche ich auch einen Slam, diesmal aber als Zuschauerin. In der hannoverschen Oper treten saucoole Teams gegeneinander an. Ich bin sehr gespannt!

Diese Woche gab es leider auch nur einen Blogpost, dafür aber einen besonders tollen. Ich habe Anastasia Umrik interviewt. Noch bis heute Abend könnt ihr den Beutel ihres Projekts "inkluWAS" gewinnen!

Dies ist übrigens der Song, der seit Tagen bei mir rauf und runter läuft. Wenn's sein muss, auch mal dreißig mal hintereinander.



Und so sah ich diese Woche aus! Und zum Abschied drücken wir mir jetzt die Daumen, dass ich bald wieder sprechen kann, ohne mich wie ein 80jähriger Kettenraucher anzuhören.

2014-12-08

inkluWAS: INTERVIEW & VERLOSUNG

Anastasia Umrik und Kathrin Neumann
Anastasia Umrik ist vielen von euch sicher schon aus dem Netz bekannt. 2011 hat sie anderStark gegründet, ein Fotoprojekt, in dem Frauen mit Muskelerkrankung außergewöhnlich in Szene gesetzt werden. Zusammen mit der Hamburger Modedesignerin Kathrin Neumann arbeitet sie aktuell an inkluWAS, einem Design, das die Bedeutung vom Schlagwort "Inklusion" einfach erklärt. Und weil ich das Projekt so spannend finde, habe ich Anastasia ein paar Fragen gestellt. Obacht: Unter dem Interview könnt ihr noch was von inkluWAS gewinnen!


Anastasia, inkluWAS ist eine Inklusionskampagne, mit der du und dein Team das Denken über Inklusion verändern wollt. Beschreib doch mal kurz, wie ihr das anstellen wollt!

Das inkluWAS-Design setzt sich aus verschiedenen Piktogrammen zusammen, die die Diversität der Gesellschaft zeigen: Es gibt kleine, große, dicke und dünne Männchen, im Rollstuhl sitzende, Gehwagen schiebende und amputierte, kleine Kinder und sogar zusammengewachsene Zwillinge sind zu sehen... Mit dem Design wollen wir daran erinnern, dass jeder von uns irgendwie 'anders' ist, jeder kann sich im Design wieder finden und wir sehen das Label als eine Möglichkeit, ein Statement zu setzen: „Wir sind für die Verschiedenheit! Und du?“

Ihr arbeitet in euren Kampagnen mit Models mit und ohne Behinderungen. Ist es dir besonders wichtig, ein vielfältiges Bild der Kampagne zu zeichnen?


Ja, uns ist es wichtig zu zeigen, dass die Gesellschaft nicht nur aus männlichen, weißen Mittdreißigern besteht. Bei uns machen in erster Linie Menschen mit: Junge und alte, mit und ohne Behinderung, weiße und schwarze. Es macht Spaß zu sehen, dass manche Begegnungen unabhängig von Alter, Hautfarbe und Geschlecht stattfinden.

Wie seid ihr auf das außergewöhnliche Design der verschiedenen Motive gekommen?

Wir haben uns einfach umgeschaut... Kathrin Neumann, die Designerin von inkluWAS, hat einen großartigen Beobachtungssinn. Sie macht das Design im Sinne von uns Beiden.

Was bedeutet für dich „Inklusion“?

Wir sind nicht alle gleich, aber alle gleich viel wert.


Wie soll es mit inkluWAS 2015 weitergehen? Plant ihr weitere Motive? Oder hast du noch ganz andere, neue Projekte am Start?


Unsere Ideen finden kaum ein Ende. Es ist sogar so schlimm,
dass wir uns selbst bremsen müssen, um nicht alle Ideen auf einmal zu „verbraten“. Natürlich kann ich jetzt nicht alles verraten...
Kleiner Tipp: Ist es euch eigentlich schon aufgefallen, wie hässlich die Rollstuhlzeichen auf den Behindertentoiletten sind? Das wäre doch mal was, wenn man demnächst neue sieht!

Vielen Dank an Anastasia!


Weil bald Weihnachten und das Design von Kathrin Neumann so cool ist, verlose ich einen Jutebeutel in olivgrün. Wenn ihr mögt, schenkt dem Team von inkluWAS und mir ein Like auf Facebook (keine Bedingung). Was ihr unbedingt machen solltet, ist, bis zum 14.12.2014 einen Kommentar unter diesem Post zu hinterlassen. Danach lose ich unter allen Kommentaren aus und schicke euch den schnieken Beutel zu. Der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen.
inkluWAS - design, das denken verändert from inkluWAS on Vimeo.

2014-12-07

WEEKLY LAGRANDE

Diese Woche war geprägt von meinem Husten. Ein nicht wirklich schöner Begleiter, aber er ging auch nicht weg, wenn man mit ihm gemeckert hat. Jetzt sitze ich mit einem großen Tee am Wohnzimmertisch und versuche, meine Stimme für die kommende Woche wieder herzustellen. Letzte Woche durfte ich als Teil der Jury des Schreibwettbewerbs Seelze mit entscheiden, wer in den einzelnen Kategorien gewinnt. Morgen ist die Verleihung und ich freue mich schon auf die Gewinner_innen. 

Am Montag habe ich meinen Text "Frau Hellström" verbloggt, den ich letzte Woche auf dem Jubiläum der Sozialhelden vortragen durfte. Am Abend habe ich dann die Veranstaltung "Wer braucht Netzfeminismus?" moderiert. Das hat mir viel Spaß gemacht, auch weil so viele Leute dafür in den Pavillon gekommen sind. Im Anschluss habe ich alle Links und Projekte, die wir im Laufe des Abends erwähnt haben, nochmal gesammelt.

Mittwoch war ich endlich mal wieder auf einem Beatsteaks-Konzert und was soll ich sagen? Diese Band wird wahrscheinlich niemals lahm. Es war wundervoll und ich sehr verschwitzt und dann vollends ohne Stimme. Außerdem hat am Mittwoch der Berliner Tagesspiegel anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung eine Ausgabe über allerlei tolle Menschen herausgebracht. Ich war mit einem Bild von der Sozialhelden-Feier dabei. Fast lebensgroß!

Auch bei mir wird's langsam weihnachtlich. Ich kriege Geschenkepanik und freue mich wieder auf den "Heißen Hirschen":


Deshalb habe ich diese Woche eine kleine Reihe über die niedersächsischen Weihnachtsmärkte begonnen. Der Göttinger Markt ist der erste, von dem ich schwärme.

Freitag und Samstag war ich auf Slamtour in der Region: Braunschweig und Wolfsburg. Ein Highlight: Unser Auftritt auf dem Wolfsburger Weihnachtsmarkt in der "Apres Ski"-Hütte Alpendörfchen vor etwa drei mehr oder weniger interessierten Zuschauer_innen. Knaller. Umso besser dann der abendliche Auftritt in der ausverkauften Bibliothek. Diese Bibliothek ist allein architektonisch sowieso vollkommen großartig. Ein tolles Gebäude.

Und so sah ich diese Woche aus. Lieblingsoutfit: Mittwoch.